Bit­te­rer Abschied

Offe­ner Brief 
an die Lei­tung der Domic­il Bern AG und 
die Heim­lei­tung der Vil­la Sut­ter in Nidau

Heu­te ist es genau ein Monat her, dass unser Vater gestor­ben ist. In Ihrer Obhut und unter Ihrer Ver­ant­wor­tung. Plötz­lich, uner­war­tet, unter bit­te­ren Umstän­den – und wahr­schein­lich nicht direkt am Pan­de­mie-Virus. Das Pfle­ge­per­so­nal an der Front hat bis zum Schluss sein Bes­tes gege­ben und ist mit den fol­gen­den Aus­füh­run­gen in keins­ter Wei­se gemeint. Im Gegen­teil: Den Pfle­ge­rin­nen und Pfle­gern sowie dem Ser­vice­per­so­nal gebührt ein war­mer Dank für alles, was sie geleis­tet und für unse­ren Vater getan haben.

Die bit­te­ren Umstän­de sind unse­res Erach­tens nicht allein dem Coro­na­vi­rus anzu­las­ten, son­dern dem Regime, das vom Manage­ment der Domic­il­grup­pe in unver­hält­nis­mäs­si­ger Wei­se ange­ord­net und von der Lei­tung der Vil­la Sut­ter gehor­samst durch­ge­setzt wur­de. Die Ope­ra­ti­on «Ein­schlep­pung Coro­na­vi­rus ver­hin­dern» scheint in der Vil­la Sut­ter bis­her gelun­gen. Aber zu wel­chem Preis für die Ihnen anver­trau­ten Bewoh­ne­rin­nen und Bewohner?

Wir erach­ten es als zwin­gend, dass die Stim­men der Bewoh­ne­rIn­nen und ihrer Ange­hö­ri­gen zu Pro­to­koll gege­ben und gehört wer­den – in der Hoff­nung, dass die ver­ant­wort­li­chen Lei­tungs­per­so­nen ihre Lek­tio­nen aus der drin­gend not­wen­di­gen Manö­ver­kri­tik lernen.

Des­halb wol­len wir die Situa­ti­on, unter der unser Vater in sei­nen letz­ten Wochen und Mona­ten zuneh­mend gelit­ten hat und die er mit aller Kraft zu ver­bes­sern such­te, noch ein­mal zusam­men­fas­sen und beim Namen nennen.

Wir haben in die­ser Zeit fast täg­lich mit ihm über die Mass­nah­men und Vor­komm­nis­se in der Vil­la gespro­chen, zudem haben wir auf sei­nem Com­pu­ter auch einen Text gefun­den, den er in den letz­ten Tagen und Stun­den vor sei­nem Tod ver­fasst hat und des­sen Inhalt er an der nächs­ten Bewoh­ner­rats­ver­samm­lung vor­brin­gen wollte.

Die Domic­il-Hei­me wur­den bereits Anfang März dicht gemacht. Eine Art Not­fall­mass­nah­me, die anfäng­lich auch von unse­rem Vater akzep­tiert, ja gar will­kom­men geheis­sen wur­de. Nicht zuletzt, weil sie (damals) zeit­lich begrenzt war.

Wir nah­men zur Kennt­nis, wie die Domic­il-Mana­ge­rin Andrea Hor­nung Ende März im Regio­nal­jour­nal Bern selbst­be­wusst über ihre erfolg­rei­che Coro­na-Bekämp­fung berich­te­te. Was dabei nicht zur Spra­che kam: Es hät­te schon damals drin­gend Krea­ti­vi­tät, Fle­xi­bi­li­tät und Enga­ge­ment sei­tens der Heim­lei­tung gebraucht, um den alten Men­schen und ihren Angehörigen/FreundInnen bald­mög­lichst wie­der zu ermög­li­chen, ihre Bezie­hun­gen zu pfle­gen. Mit ange­mes­se­nen Sicher­heits­mass­nah­men. So, wie man es für die Coif­feur­sa­lons, Tatoo-Stu­di­os und Super­märk­te schon bald in die Wege gelei­tet hat.

Nicht so in der Vil­la Sut­ter und in vie­len ande­ren Hei­men. Dort wur­de der Lock­down vor­erst auf unbe­stimm­te Zeit aus­ge­dehnt, strikt und ohne das not­wen­di­ge prag­ma­ti­sche Gespür für beson­de­re Bedürf­nis­se und Ein­zel­fäl­le. Alle Bewoh­ne­rIn­nen soll­ten über den glei­chen Kamm gescho­ren werden.

Nicht unbe­rech­tigt die Kla­ge einer Heim­mit­be­woh­ne­rin unse­res Vaters, ihre Situa­ti­on küm­me­re nie­man­den, es sei wohl ein­fa­cher, die Alten ein­fach ein­ge­sperrt zu las­sen. Es ist uns nicht bekannt, dass die Domic­il-Grup­pe mit ihrem nicht uner­heb­li­chen Gewicht beim Kan­ton für eine Locke­rung inter­ve­niert hät­te, wie es Ver­tre­ter ver­schie­de­ner Wirt­schafts­ver­bän­de sofort, mit gros­ser Ein­dring­lich­keit und ent­spre­chen­dem Erfolg getan haben.

Eine unhalt­ba­re Situa­ti­on, zumal ande­re Insti­tu­tio­nen vor­mach­ten, dass es auch anders gegan­gen wäre. In der Vil­la Sut­ter hin­ge­gen fehl­te es von Anbe­ginn an der not­wen­di­gen Empa­thie und Fle­xi­bi­li­tät. Statt sich mutig für die Bedürf­nis­se der ihnen anver­trau­ten Men­schen ein­zu­set­zen, ver­steck­te sich die Heim­lei­tung hin­ter «Wei­sun­gen von oben», die so gar nicht exis­tier­ten oder abso­lut unsin­nig waren. Unser Vater, der über die aktu­el­le Coro­na-Situa­ti­on im In- und Aus­land immer bes­tens infor­miert war, klag­te zuneh­mend dar­über, dass er von der Heim­lei­tung nicht ernst genom­men wer­de, und dass er auf sei­ne Fra­gen und Argu­men­te kei­ne Ant­wor­ten, son­dern bloss Ver­trös­tun­gen erhalte.

Er berich­te­te auch von absur­den Vor­komm­nis­sen: So durf­ten sich die Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­ner zwar im Gar­ten der Vil­la auf­hal­ten, es wur­de ihnen aber unter­sagt, über den Gar­ten­zaun mit Bekann­ten ein Gespräch auf Distanz zu füh­ren. Wäh­rend die Heim­lei­tung dar­auf poch­te, dass alle Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­ner sich den Mass­nah­men zu beu­gen hät­ten, wur­de bald bekannt, dass die­se Wei­sung halt doch nicht für alle galt. Ob sich der pri­vi­le­gier­te Ehe­mann, der sei­ne in der Vil­la Sut­ter unter­ge­brach­te Frau trotz «Ver­bot» immer wie­der besuch­te, den Zugang zur Vil­la mit sei­ner Unver­schämt­heit oder auch noch auf ande­ren Wegen ver­schaff­te, bleibt sein Geheim­nis – und jenes der Heim­lei­tung, die über die­se Besu­che Bescheid wuss­te und sie tolerierte.

Alle ande­ren Heim­be­woh­ne­rin­nen und ‑bewoh­ner muss­ten bis Mit­te Mai war­ten, bis Besu­che wie­der mög­lich wur­den — aller­dings auch dann nur unter restrik­tivs­ten Bedin­gun­gen: Ein Besuch von einer hal­ben Stun­de pro Woche, maxi­mal zwei Per­so­nen, mit Mund­schutz und Hand­schu­hen, hin­ter einer Ple­xi­glas­wand… Auf die Fra­ge nach dem Sinn und Zweck die­ser schi­ka­nö­sen Mass­nah­men erhiel­ten sowohl unser Vater wie wir immer die glei­che ste­reo­ty­pe Ant­wort: Befehl aus Bern.

Womit die Domic­il-Lei­tung gemeint sein dürf­te, denn das BAG hat stets expli­zit vom Hand­schuh­tra­gen, aus­ser bei bestimm­ten beruf­li­chen Hand­lun­gen, abge­ra­ten! Auf unse­re dies­be­züg­li­che Mail vom 25. Mai an Frau Hor­nung erhiel­ten wir drei Tage spä­ter eine nichts­sa­gen­de Stan­dard-Ant­wort von der Mar­ke­ting-Direk­to­rin der Domic­il-Ket­te, die uns auf wei­te­re Öff­nun­gen per 6. Juni vertröstete.

Gegen­über Heim­lei­ter Mül­ler hat­ten wir bereits zu einem frü­he­ren Zeit­punkt dar­auf auf­merk­sam gemacht, dass die alten Men­schen in den Hei­men nicht mehr viel Lebens­zeit hät­ten und es drin­gend not­wen­dig sei, ihnen bald­mög­lichst wie­der Begeg­nun­gen mit ihren Liebs­ten zu ermög­li­chen. Die­ser Appell ver­hall­te unge­hört. – Noch am Frei­tag, 29. Mai, einen Tag vor sei­nem Tod, muss­te unser Vater von Heim­lei­ter Mül­ler hören, er sol­le sich gedul­den — «wir wol­len einen ruhi­gen Kopf bewah­ren und nichts überstürzen.»

Das ein­zi­ge Ziel der Heim­lei­tung war, «coro­nafrei» über die Run­den zu kom­men. Wie sehr die Men­schen unter die­sem Regime lit­ten, war von unter­ge­ord­ne­tem Inter­es­se. Die Tat­sa­che, dass in die­ser Zeit im Heim Men­schen gestor­ben sind, die ihre Ange­hö­ri­gen wäh­rend Wochen weder sehen noch spü­ren oder mit ihnen einen Kaf­fee trin­ken konn­ten, wird in kei­ner Coro­na-Sta­tis­tik auf­ge­führt und scheint des­halb für die Ver­wal­te­rIn­nen der Alten­pfle­ge nicht von Belang. Weil sie nicht direkt «an oder mit Coro­na» gestor­ben sind…

Statt den Bewoh­ne­rIn­nen und ihren Ange­hö­ri­gen die ange­kün­dig­te wei­te­re Locke­rung für Ende Mai in einem posi­ti­ven, opti­mis­ti­schen Ton zu kom­mu­ni­zie­ren, ver­teil­te Heim­lei­ter Mül­ler am Don­ners­tag, 28. Mai den Bewoh­ne­rIn­nen der Vil­la Sut­ter ein Schrei­ben, das mit Fug und Recht als Droh­brief bezeich­net wer­den kann.

Unser ansons­ten so ruhi­ger und beson­ne­ner Vater war ganz aus­ser sich, als er uns kurz nach des­sen Erhalt anrief. Für den Inhalt die­ses Schrei­bens, sag­te er, gebe es nur ein Wort: «Frei­heits­be­rau­bung.»

Trotz­dem freu­te er sich auf den Spa­zier­gang mit sei­ner Toch­ter, die sich für Frei­tag ange­mel­det hat­te. Er infor­mier­te die Heim­lei­tung dar­über, dass er ger­ne mit ihr auch einen Kaf­fee trin­ken möch­te – nicht in einem Restau­rant, aber im Gar­ten der Vil­la. Was ja aus BAG-Sicht völ­lig unpro­ble­ma­tisch gewe­sen wäre.

Heim­lei­ter Mül­ler nahm in sei­ner Ant­wort das Stich­wort Restau­rant auf und teil­te mei­nem Vater und allen Anwe­sen­den mit, dass es in der Tat nicht rat­sam sei, zum aktu­el­len Zeit­punkt ein Restau­rant zu besu­chen. Er hät­te dies in den ver­gan­ge­nen Tagen getan – und rate allen ande­ren drin­gend davon ab, weil der Ser­vice im betref­fen­den Restau­rant ohne Mas­ke gear­bei­tet habe.

Ein Affront, nicht nur gegen­über den Heim­be­woh­nen­den, son­dern ins­be­son­de­re auch gegen­über dem übri­gen Heim­per­so­nal, das seit Wochen dazu ange­hal­ten wur­de, kei­ne öffent­li­chen Orte und Restau­rants zu besu­chen, um das Risi­ko einer Anste­ckung zu mini­mie­ren. Aber es kam noch schlimmer.

Als unser Vater glei­chen­tags vom Spa­zier­gang mit sei­ner Toch­ter zurück­kehr­te, wur­de ihnen der lang ersehn­te ers­te gemein­sa­me Kaf­fee nach über zwei Mona­ten im Gar­ten (mit Sicher­heits­ab­stand) ver­wei­gert. Ver­bo­ten. Von oben. Punkt. Kei­ne Dis­kus­si­on. Es wäre der letz­te Kaf­fee mit einem sei­ner Kin­der gewesen…

Dies sind Vor­fäl­le, die unser Vater in einem Schrei­ben an die Heim­lei­tung, das er über Pfings­ten ver­fas­sen woll­te, beschrie­ben hät­te. Sein Ziel war stets, einen mass­vol­len, ver­nünf­ti­gen und gerech­ten Umgang mit der für alle schwie­ri­gen Situa­ti­on zu fin­den. Er hat­te lau­fend Vor­schlä­ge gemacht, auf Unge­rech­tig­kei­ten hin­ge­wie­sen, für Ver­bes­se­run­gen gekämpft…

Dass er von der Heim­lei­tung immer wie­der abge­wim­melt und ver­trös­tet wur­de, hat ihn sehr gekränkt. Zu Recht fühl­te er sich nicht ernst genom­men, ent­mün­digt und ent­rech­tet. Dar­un­ter hat er sehr gelit­ten. Er, der als 13jähriger Bub in Deutsch­land hat erle­ben müs­sen, wie sein Vater nach der Kris­tall­nacht von den Nazis in «Schutz­haft» genom­men wur­de und nach zehn Tagen im KZ als gebro­che­ner Mann heim­ge­kehrt ist.

Unser Vater hin­ge­gen war alles ande­re als ein gebro­che­ner Mann. Mit sei­nen fast 95 Jah­ren konn­te er auf sei­ne gros­se Lebens­er­fah­rung zurück­grei­fen und blieb bis zuletzt äus­serst wach und krea­tiv, wenn es dar­um ging, nach Lösun­gen und Ver­bes­se­run­gen zu suchen. Damit pass­te er wohl nicht ins Bild, das sich die Domic­il Bern AG von ihrer betag­ten, «schutz­be­dürf­ti­gen» Kli­en­tel macht…

Nie hät­ten wir uns vor­stel­len kön­nen, dass unser Vater am Ende sei­nes enga­gier­ten, umsich­ti­gen Lebens der­mas­sen ent­rech­tet wür­de, dass er – «zu sei­nem Schutz» – von sei­nen Liebs­ten weg- und in der Vil­la Sut­ter ein­ge­sperrt wer­den könnte…

Wir wis­sen, dass wir mit unse­rem Leid nicht allei­ne sind. Vie­len ande­ren Heim­be­woh­ne­rIn­nen und Ange­hö­ri­gen ist es ähn­lich ergan­gen – ergeht es viel­leicht immer noch so. Des­halb kla­gen wir die­se Miss­stän­de, die­se feh­len­de Empa­thie der Lei­tungs­per­so­nen an. Seit dem Tod unse­res Vaters haben wir von der Domic­il Bern AG nichts mehr ver­nom­men. Wir war­ten noch auf eine letz­te Rech­nung. Damit dürf­te für sie der Fall erle­digt sein. Das Busi­ness as usu­al muss wei­ter gehen…

Gabrie­la, Peter und Mari­an­ne Neuhaus

 

19. Juli 2020 – Nachtrag:

Mitt­ler­wei­le ist die erwar­te­te Rech­nung von der Domic­il Bern AG ein­ge­trof­fen. Im stol­zen Betrag von ins­ge­samt CHF 8’435.40 ent­hal­ten sind – nebst den Miet­kos­ten für das Zim­mer bis und mit dem letz­ten laut Ver­trag ver­re­chen­ba­ren Ter­min – tat­säch­lich auch die Geträn­ke, die man uns am Abend, als unser Vater gestor­ben ist sowie anläss­lich der Ein­sar­gung, in der Vil­la «offe­riert» hatte…

Die­se Rech­nung war die ein­zi­ge «Ant­wort» von Heim­lei­ter Heinz W. Mül­ler auf unse­ren offe­nen Brief. Ansons­ten kein Lebens­zei­chen aus der Vil­la Sut­ter in Nidau. Eine Ant­wort-Mail erhiel­ten wir hin­ge­gen weni­ge Tage nach unse­rem Schrei­ben von Andrea Hor­nung, CEO der Domic­il Bern AG. Sie recht­fer­tigt dar­in in gewohnt selbst­si­che­rer und beleh­ren­der Art und Wei­se die Coro­na-Mass­nah­men in ihren Betrieben.

Dem­ge­gen­über haben wir unzäh­li­ge Reak­tio­nen weit über den Freun­des- und Fami­li­en­kreis hin­aus erhal­ten, die zei­gen, wie bren­nend aktu­ell das The­ma ist, weil vie­ler­orts ähn­li­che Miss­stän­de herrsch(t)en. Aber auch, dass es durch­aus ande­re Wege und Mög­lich­kei­ten gege­ben hät­te, mit der Situa­ti­on umzugehen.

So über­nah­men etwa die Pal­lia­ti­ve-Cair-News unse­ren offe­nen Brief und publi­zier­ten den Link auf ihrer Lan­ding­pa­ge — mit dem Kom­men­tar: «Ein herz­zer­reis­sen­der Blog­ein­trag belegt, wie krass ein­zel­ne Pfle­ge­hei­me auf die Coro­na-Kri­se reagier­ten und wie ent­wür­di­gend ein­zel­ne, nicht alle Heim­lei­tun­gen die Bewoh­nen­den und deren Ange­hö­ri­ge behandelten.»

Eine Aus­wahl wei­te­rer Kom­men­ta­re, die uns erreicht haben:

«Mein Vater, noch sehr rüs­tig, jedoch etwas dement, ver­starb 98 jäh­rig Ende Mai im Alters­heim, weil er ver­such­te, aus­zu­bre­chen. In der Nacht dar­auf wur­de er sediert, stürz­te, hat­te eine gra­vie­ren­de Kopf­ver­let­zung und starb 5 Tage spä­ter. (…) Da ich kei­ne Blog­ge­rin bin, schrei­be ich Ihnen per Mail, sie spre­chen mir aus dem Her­zen. Toll, haben Sie einen offe­nen Brief geschrie­ben. Ich hät­te mei­nen Brief an Dani­el Koch auch öffent­lich machen müs­sen.»


«Das kal­te Geschäft, die Poli­tik der “Schuld­lo­sig­keit”, ist so grau­sam und in so gros­sem Kon­trast zur Ver­ant­wor­tung, Mensch­lich­keit und Lie­be, mit der eure Eltern mir und auch mei­nen Kin­dern ein gros­ses Vor­bild waren.»


«Ich fra­ge mich, wann end­lich ange­setzt wird zu Lösun­gen, die uns als Gesell­schaft tra­gen und uns struk­tu­rell vor­an­brin­gen. Welt­weit. Ein Armutszeugnis.»


«Dan­ke, dass Ihr das öffent­lich macht.»


«Gibt mir lei­der nur zyni­sches Den­ken, die­ser CEO-las­ti­ge Indus­trie­zweig. Das braucht eine tat­kräf­ti­ge Auf­sichts­be­hör­de und Cou­ra­ge wie Sie sie haben…»


« (…) Unse­re Mut­ter war 10 Jah­re in einem Pfle­ge­heim. Habe mich oft gefragt, wes­halb es nor­mal ist, dass wir an jeder Schu­le einen Eltern­rat haben, wo die Eltern der Kin­der etwas zu sagen haben, und dass wir unse­re Eltern in Insti­tu­tio­nen geben müs­sen, die hier­ar­chisch geführt wer­den, in denen die Bewoh­ne­rIn­nen und Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ge nichts zu sagen haben.»


«Ich bin Pfle­ge­fach­per­son und arbei­te in einem Alters- und Pfle­ge­heim. Ich habe seit März eini­ge sehr beun­ru­hi­gen­de und bedenk­li­che Beob­ach­tun­gen gemacht, einer­seits in mei­nem Betrieb, aber auch gene­rell in der Gesell­schaft (v.a. im Bezug auf älte­re Men­schen). Bei uns ist eben­falls im März mehr oder weni­ger Schlag auf Fall das Heim geschlos­sen wor­den. Die Bewoh­ner und Bewoh­ne­rin­nen durf­ten nicht mal mehr das Gebäu­de ver­las­sen, kei­nen Besuch emp­fan­gen und nicht bei­ein­an­der sit­zen. Zudem wur­de die Cafe­te­ria geschlossen. 

Ver­stös­se“ gegen die­se Rege­lun­gen wur­den mit Sank­tio­nen bestraft, z.B. 10-tägi­ge Zim­mer­iso­la­ti­on. Wir Mit­ar­bei­ten­de müs­sen rund um die Uhr Mas­ken tra­gen und Abstand hal­ten, was eine enor­me (emo­tio­na­le) Distanz zu unse­ren Bewoh­nern und Bewoh­ne­rin­nen schafft. Natür­lich ver­ste­he ich den Sinn und Zweck die­ser Mass­nah­men. Ich ver­su­che mir vor­zu­stel­len, wie es den Bewoh­nern und Bewoh­ne­rin­nen dabei geht. Ich arbei­te auf der geschütz­ten Wohn­grup­pe mit Men­schen mit Demenz, die prak­tisch nur noch emo­tio­nal kom­mu­ni­zie­ren. Eine sol­che Distanz kön­nen Sie oft nicht ein­ord­nen, neh­men Sie zum Teil auch per­sön­lich und zie­hen sich zurück. Oder wer­den aggres­siv und gewalt­tä­tig, weil Sie über­for­dert sind und in Ihren emo­tio­na­len Bedürf­nis­sen zu kurz kommen. 

Dann kom­men Men­schen mit Hör­pro­ble­men dazu, die dar­auf ange­wie­sen sind Mimik/Gestik und die Lip­pen zu lesen. Es erschwert die Kom­mu­ni­ka­ti­on unge­mein. Vor eini­gen Wochen hat die Heim­lei­tung Locke­run­gen ange­wie­sen, ziem­lich spät und lang­sam nach mei­ner Ein­schät­zung. Es gab ein Besu­cher­zelt, wo man sich mit 2m Abstand und Mas­ken für 30 Minu­ten tref­fen durf­te. Und eine Wei­le eine Ple­xi­glas­schei­be. Seit Kur­zem sind wie­der etwas län­ge­re Besu­che erlaubt und die Cafe­te­ria ist wie­der offen, unter Ein­hal­tung der Hygienemassnahmen. 

Regeln, Mass­nah­men, Sank­tio­nen etc. wur­den uns per Mail  zuge­schickt, es fand nie ein per­sön­li­cher Aus­tausch zwi­schen Per­so­nal und Kader statt (es gab regel­mäs­si­ge Coro­na-Sit­zun­gen, die nur unter dem Kader statt­fan­den). Ich haben eini­ge Male dar­auf auf­merk­sam gemacht, dass ein Aus­tausch erwünscht wäre, die Psy­che unse­rer Bewoh­ner und Bewoh­ne­rin­nen lei­det und gewis­se Mass­nah­men zwei­fel­haft sind. Ich habe nie eine Ant­wort erhal­ten. Ich mache mei­nen Job sehr ger­ne, aber ich ver­mis­se in letz­ter Zeit etwas die Menschlichkeit…»


usw. usf.

 

3 Antworten auf „Bit­te­rer Abschied“

  1. Dear Gabi, Peter & Mari­an­ne — my deepest con­do­len­ces at the loss of your father. Hans was always so kind to me when I came to Biel (to haunt Peter from Alas­ka) as was Lot­tie. His 95 years were richer than most would have had. I am sor­ry that this last final peri­od in pflei­gen­heim was so dif­fi­cult and I hope inde­ed that les­sons will have been lear­ned. Hugs from Down Under. Lindsay

  2. Lie­be Gabrie­la — welch ein trau­ri­ges Ende — mein herz­lichs­tes Bei­leid — aber auch mei­ne gröss­te Bewun­de­rung für Dei­nen Vater! Ein Kol­le­ge aus Bel­gi­en — Pro­fes­sor an der Sor­bon­ne in Paris und an der katho­li­schen Uni in Lou­vain hat mir mal etwas auf den Weg gege­ben: Do you focus on your task or do you focus on the peop­le? In 99.9% der Fäl­le soll man auf die Leu­te ein­ge­hen und die ‚Pflicht‘ zur Sei­te stel­len. Das hat die Lei­tung die­ser Insti­tu­ti­on nicht gemacht und damit beim wich­tigs­ten Punkt ihrer Auf­ga­be / ihres Man­dats kläg­lich ver­sagt. Und lei­der ist ein sol­cher Feh­ler irrever­si­bel … in Ver­bun­den­heit Dani­el Maselli

  3. nach mei­nem Mail an Herrn Schnegg von der Gesund­heits­di­rek­ti­on für den Kan­ton Bern in wel­chem ich ihn frag­te ob der Virus in ande­ren Städ­ten anders sei als im Kan­ton Bern, wur­de end­lich die Mög­lich­keit der Besu­cher­bo­xen geschaf­fen (In der Gara­ge) Vor­her wur­de uns der Kon­takt sogar durch die Schei­be im Hof verboten.

    in ande­ren Kan­to­nen war das schon län­ger mög­lich. Kan­ton Zürich seit dem 25.4.

    nach 4 Mona­ten durf­ten wir unse­re 95 jäh­ri­ge Mut­ter am 22.6. mit Mund­schutz in Ihrem Zim­mer wie­der in den Arm nehmen.
    dann haben wir ein Kaf­fe im restau­rant getrun­ken. ich bin so froh dass wir es noch erle­ben durf­ten. Das Tref­fen war sehr berüh­rend. in 70 Jah­ren war dies die längs­te Zeit in der wir von Ihr getrennt waren 🙁

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