Erst wenn der letz­te Fluss…

Um es gleich vor­weg zu neh­men: Mei­ne JA-Stim­me, sowohl für die Pes­ti­zid- wie für die Trink­was­ser­initia­ti­ve, ist gesetzt. Was mich aller­dings total ver­un­si­chert ist die Fra­ge, wo ich künf­tig ein­kau­fen, wel­chen Pro­duk­ten und Labels ich noch ver­trau­en kann.

Bis anhin war für mich klar: Gemü­se, Salat, Früch­te, Fisch und Fleisch sind am bes­ten frisch vom Markt, gekauft bei den Bäue­rin­nen und Pro­du­zie­ren­den mei­nes Ver­trau­ens. Bei den Gross­ver­tei­lern ach­te ich auf das Bio-Label und natür­lich immer auch dar­auf, woher das Pro­dukt kommt.

Nach­denk­lich stimm­te mich bereits ein vor­ös­ter­li­cher Spa­zier­gang über Land: Von zahl­rei­chen Bau­ern­häu­sern prang­ten uns Pla­ka­te ent­ge­gen, die aggres­siv für ein dop­pel­tes Nein gegen die «extre­men Agrar-Initia­ti­ven» war­ben. Als ob die For­de­rung nach einem wirk­sa­men und nach­hal­ti­gen Schutz unse­rer Böden und unse­res Trink­was­sers ein Ver­bre­chen wäre…

Nach­dem die Agrar-Lob­by­is­ten zusam­men mit den Expo­nen­ten des Bau­ern­ver­bands im Par­la­ment bereits die drin­gend not­wen­di­ge Agrar­re­form ver­senkt haben, schal­ten Bau­ern­prä­si­dent Rit­ter + Co nun selbst­be­wusst noch einen Gang höher und zie­hen alle Regis­ter. Nichts las­sen sie aus, von Unter­gangs­dro­hun­gen über bäu­er­li­ches Selbst­mit­leid bis zu Beschö­ni­gun­gen betref­fend Trink­was­ser­qua­li­tät in der Schweiz. Das war nicht anders zu erwar­ten: Die aktu­el­le Füh­rung des Bau­ern­ver­bands hat wie­der­holt gezeigt, dass sie mit har­ten Ban­da­gen und allen Mit­teln für den Erhalt alt­be­währ­ter Pri­vi­le­gi­en und spru­deln­der Geld­quel­len kämpft.

Um das eige­ne Porte­mon­naie geht es auch bei Bio­Suis­se: Deren Dele­gier­ten­ver­samm­lung hat am 14. April mit gros­sem Mehr die NEIN-Paro­le zur Trink­was­ser-Initia­ti­ve beschlos­sen. Mit der Begrün­dung, die­se wür­de zu einer (von Bio­Suis­se!) uner­wünsch­ten Zunah­me von Bio-Betrie­ben füh­ren und in der Fol­ge  zu einem Preis­zer­fall bei Bio­pro­duk­ten aus Schwei­zer Anbau.

Dies ist nun wirk­lich die defi­ni­ti­ve Bank­rott­erklä­rung von Bio­Suis­se: Ursprüng­lich zum Schutz von Natur und Gesund­heit ins Leben geru­fen, ver­kommt die Bio-Knos­pe so zu einer blos­sen Eti­ket­te, hin­ter der kurz­fris­ti­ger Pro­fit höher gewich­tet wird als Umwelt und Nachhaltigkeit.

Tat­sa­che ist: In der Schweiz sind laut dem Prä­si­den­ten von Bio­Suis­se aktu­ell gera­de mal 16 Pro­zent der Land­wirt­schafts­be­trie­be bio­zer­ti­fi­ziert. Befrem­dend, dass sich da aus­ge­rech­net jener Ver­ein, der sich der För­de­rung der Bio­land­wirt­schaft ver­schrie­ben hat, vor wei­te­ren Bio­be­trie­ben fürch­tet. Zumal sich der Kon­sum von Bio­pro­duk­ten hier­zu­lan­de ste­ti­ger Zunah­me erfreut.

Tat­sa­che ist aber auch: Nur ein Bruch­teil des Mehr­prei­ses, den Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten für Bio­pro­duk­te bezah­len, kommt den Pro­du­zen­tin­nen und Pro­du­zen­ten zugu­te. Ins­be­son­de­re die Gross­ver­tei­ler schla­gen hohe Mar­gen auf Bio­pro­duk­te, um ihre Bil­lig-Ange­bo­te aus kon­ven­tio­nel­lem Anbau und indus­tri­el­ler Land­wirt­schaft noch güns­ti­ger zu vermarkten.

Ein dop­pel­ter Schlag ins Gesicht der Bio­pro­du­zen­tIn­nen. Umso wich­ti­ger wäre es, fai­re und nach­hal­ti­ge Pro­duk­ti­ons- und Absatz­be­din­gun­gen für alle zu schaf­fen. Ein Pro­zess, der auch von Bio­be­trie­ben nicht Halt machen darf, denn auch dort gibt es vie­ler­orts Ver­bes­se­rungs­po­ten­zi­al: So ist etwa weder der Import von (bio-zer­ti­fi­zier­ten) Fut­ter­mit­teln aus Über­see nach­hal­tig, noch der län­ger­fris­ti­ge Ein­satz von Kup­fer-Spritz­mit­teln. Pro­ble­me, die  durch ange­pass­te Pro­duk­ti­on sowie wei­te­re Ent­wick­lung und For­schung ent­schärft und gelöst wer­den können.

Genau dafür bie­ten die bei­den Initia­ti­ven eine ein­ma­li­ge Chan­ce: Die Trink­was­ser­initia­ti­ve ver­knüpft künf­ti­ge Sub­ven­tio­nen in der Land­wirt­schaft mit der For­de­rung nach nach­hal­ti­ger Pro­duk­ti­on.  Und die Initia­ti­ve, die ein Ver­bot von syn­the­ti­schen Pes­ti­zi­den will, führt dazu, dass Bio in der Schweiz zur Nor­ma­li­tät und zum Stan­dard wird. Zum Vor­teil aller.

Wie lau­te­te doch der dem Häupt­ling Seat­tle zuge­schrie­be­ne bekann­te Slo­gan: «Erst wenn der letz­te Baum gero­det, der letz­te Fluss ver­gif­tet, der letz­te Fisch gefan­gen ist, wer­det ihr mer­ken, dass man Geld nicht essen kann.» 

 

 

Wo bleibt die Auf­klä­rung? Wo die Solidarität?

«Wie steht’s bei euch mit der Imp­fung?» frag­te heu­te mei­ne Freun­din aus Lon­don anläss­lich unse­res Zoom-Tref­fens. Sie durf­te sich über die Fest­ta­ge weder mit Mit­glie­dern eines ande­ren Haus­halts tref­fen noch die Stadt ver­las­sen. Dies die stren­gen Restrik­tio­nen im UK, seit der Ent­de­ckung einer Virus-Muta­ti­on, die mög­li­cher­wei­se wesent­lich anste­cken­der sei als das bis­her bekann­te Virus.

Ver­ständ­lich, dass unter sol­chen Umstän­den die Sehn­sucht nach einer erlö­sen­den Imp­fung wächst – und man unge­dul­dig dar­auf war­tet, bald­mög­lichst die ver­spro­che­ne Dosis intus zu bekom­men. Obschon man noch nicht sicher weiss, ob die­se Imp­fung auch vor dem mutier­ten Virus schützt.

Trotz­dem – auch hier­zu­lan­de ist die Impf-Fra­ge in aller Mun­de. Poli­ti­ke­rIn­nen, Viro­lo­gIn­nen und Pro­mis rüh­ren die Wer­be­trom­mel. Auf Face­book brüs­tet man sich mit dem Bekennt­nis «Imp­fen? Ja klar!», pos­tet weiss auf schwar­zem Hin­ter­grund die Auf­for­de­rung «Just do it» oder gibt sei­nem Ärger mit saf­ti­gen Wor­ten Aus­druck, weil einem die gefor­der­te sofor­ti­ge Ver­pas­sung einer Sprit­ze ver­wei­gert wurde. 

Alte und beson­ders vul­nerable Men­schen haben ers­te Prio­ri­tät. So die Impf-Poli­tik in der Schweiz. Bis im Som­mer sol­len laut Ansa­ge alle, die es wol­len, gegen Coro­na geimpft sein. Man rech­net mit min­des­tens zwei Drit­teln der Bevöl­ke­rung. Je höher der Pro­zent­satz der Geimpf­ten in einer Gesell­schaft, des­to bes­ser die Per­spek­ti­ve für die Über­win­dung der «Coro­na-Kri­se», dies das Versprechen.

Ein Ver­spre­chen, das aller­dings nicht über­all ein­ge­löst wer­den kann. Bis Mit­te Dezem­ber haben sich die rei­chen Staa­ten mit einem Anteil von gera­de mal 13 Pro­zent der Welt­be­völ­ke­rung über die Hälf­te der im nächs­ten Jahr vor­aus­sicht­lich ver­füg­ba­ren Impf­do­sen reser­viert. Zahl­rei­che Län­der wer­den vor­läu­fig leer aus­ge­hen. Hin­zu kommt, dass der ers­te im Wes­ten zuge­las­se­ne Impf­stoff, der aktu­ell auch in der Schweiz gespritzt wird, bei einer Tem­pe­ra­tur von minus 70 Grad gela­gert wer­den muss. Die dafür not­wen­di­gen Kühl­an­la­gen sind in vie­len Län­dern gar nicht verfügbar.

Bestre­bun­gen und For­de­run­gen für eine gerech­te­re Ver­tei­lung der Impf­stof­fe blie­ben bis­her ohne Wir­kung, ange­sichts der Hams­ter­käu­fe der rei­chen Län­der. Die WTO schmet­ter­te einen Antrag für die Auf­he­bung des Patent­schut­zes für die zum gröss­ten Teil öffent­lich finan­zier­ten Pro­duk­te ab – weil den Indus­trie­län­dern der Schutz ihrer Arz­nei­mit­tel­in­dus­trie wich­ti­ger ist als die Gesund­heit der Men­schen in den ärme­ren Län­dern, wie die WOZ berichtet.

Immer­hin soll der Impf­stoff des schwe­disch-bri­ti­schen Phar­ma­kon­zerns Astra­Ze­ne­ca, der an der Uni­ver­si­tät Oxford ent­wi­ckelt wur­de, für erschwing­li­che 2.50 USD pro Dosis zur Ver­fü­gung gestellt wer­den. Dies ent­spricht einem Bruch­teil der Prei­se für die Impf­stof­fe von Biontech/Pfizer oder Moder­na, die zwi­schen 16 bis 37 USD pro Dosis liegen.

Über die tat­säch­li­chen Prei­se kann jedoch oft nur spe­ku­liert wer­den, die Abkom­men der Staa­ten mit den Her­stel­lern sind zum Teil geheim. Schwei­gen auch, wenn es um die Pro­duk­ti­ons- und vor allem um die Lager­stand­or­te geht. So berich­te­te etwa der Tages Anzei­ger die­se Woche über die ers­te Impf­stoff­lie­fe­rung an die Schweiz, wel­che «an einem gehei­men Über­ga­be­ort an der Lan­des­gren­ze in Emp­fang genom­men, kon­trol­liert und an eben­so gehei­men Orten in der Schweiz zwi­schen­zeit­lich gela­gert» werde.

Weil Impf­stoff Man­gel­wa­re sei, müs­se er vor Dieb­stahl geschützt wer­den, lau­tet die Begrün­dung des geheim­nis­tue­ri­schen Umgangs mit den Hun­dert­tau­sen­den von Impf­do­sen, die in den kom­men­den Wochen und Mona­ten von der Schwei­zer Armee in Emp­fang genom­men wer­den sollen…

Ob die Imp­fe­rei auf die­ser Basis tat­säch­lich eine Chan­ce bie­ten kann, die welt­wei­te Coro­na-Pan­de­mie zu über­win­den und einen Start in eine bes­se­re Zukunft zu ermög­li­chen? Zwei­fel sind angebracht.

Hin­zu kommt die simp­le Tat­sa­che, dass nie­mand weiss, ob und wie nach­hal­tig die­se Impf­stof­fe tat­säch­lich wir­ken. Der fran­zö­si­sche Phar­ma­kon­zern Sano­fi muss­te die­se Woche sei­nen ange­kün­dig­ten Impf­stoff wie­der zurück­zie­hen, weil er bei alten Men­schen offen­bar zu wenig Wir­kung zeig­te. Astra­Ze­ne­ca ver­spricht 70-pro­zen­ti­gen Schutz, muss aber bei Fra­gen der Dosie­rung noch ein­mal über die Bücher. Trotz­dem wur­de der Impf­stoff im UK soeben zugelassen.

Was mich aber am meis­ten scho­ckiert, ist die Tat­sa­che, dass nie­mand davon spricht und nie­mand danach fragt, wie lan­ge so ein Impf­schutz denn anhal­ten wird…

Da zu die­ser zen­tra­len Fra­ge weder kla­re Aus­sa­gen noch ein­deu­ti­ge Anga­ben zu fin­den sind, muss ange­nom­men wer­den, dass man es schlicht und ein­fach nicht weiss.

Nur: Was nützt ein Impf­stoff, von dem ich nicht weiss, wie lan­ge er mich schützt? Was, wenn die ers­ten die heu­te geimpft wer­den, in weni­gen Mona­ten schon wie­der eine neue Dosis benötigen?

Fra­gen über Fra­gen. Lei­der haben es die Medi­en bis­her ver­passt, die­se drän­gen­den Fra­gen zu stel­len. Statt­des­sen betä­ti­gen sie sich ein­mal mehr als blos­se Hand­lan­ger von Behör­den und Indus­trie. Und rüh­ren die Wer­be­trom­mel der Impf­pro­pa­gan­da eif­rig mit.

Min­e­s­t­ro­ne oder das Haar in der Suppe

Mit­woch­mor­gen – Märit in Oer­li­kon! Der Nebel bricht auf, ein paar Son­nen­strah­len. Es gibt nichts schö­ne­res, als an der fri­schen Luft in Geh­di­stanz fri­sche Waren ein­zu­kau­fen. Um dann mor­gen oder über­mor­gen dar­aus eine fei­ne Min­e­s­t­ro­ne zu kredenzen.

Ich ach­te dar­auf: Nur Gemü­se aus loka­ler Pro­duk­ti­on: Zwie­beln, Lauch, Wirz, Kar­tof­feln, Stan­gen­sel­le­rie – direkt vom Bau­ern, aus hei­mi­schem Anbau. Ganz nach unse­rer Devi­se: Lokal und sai­so­nal – das ist gut und gesund für Mensch und Wirtschaft.

Dann bei Coop: Die Bor­lot­ti-Boh­nen schei­nen aus­ge­gan­gen, also grei­fe ich nach einer Packung roter Kid­ney-Boh­nen – sogar in Bio­qua­li­tät! Auch das ent­spricht unse­ren Vor­sät­zen – sehr gut. Daheim dann aber das böse Erwa­chen: Ein zwei­ter Blick auf die Ver­pa­ckung zeigt – in klei­ner fei­ner Schrift, auf der Rück­sei­te, beim Ver­fall­da­tum steht: China.

Autsch! Das gibt es doch nicht! Boh­nen aus Chi­na – nein danke!

Sofort eine Inter­net­re­cher­che. Bei Goog­le «Kid­ney-Boh­nen Schweiz» ein­ge­ben. An ers­ter Stel­le die Anzei­ge von Coop. Abge­bil­det genau­so ein Pack Boh­nen, wie ich sie nach­hau­se gebracht habe. Und der Hin­weis: Pro­duk­ti­ons­land Schweiz – Roh­stoff­her­kunft (sprich: Red Kid­ney-Boh­nen) China.

Hal­lo?

Fest steht: Wir wol­len kei­ne aus Chi­na impor­tier­ten Boh­nen – egal ob Bor­lot­ti oder Red Kid­ney! Also wei­ter recher­chiert: Damit ich beim nächs­ten Mal weiss, ob und woher ich ein­hei­mi­sche oder zumin­dest euro­päi­sche Boh­nen bezie­hen kann.

Hier eine Zusam­men­fas­sung der Internetrecherche:

Coop führt in sei­nem Sor­ti­ment Bio-Bor­lot­ti-Boh­nen mit dem Ver­merk Pro­duk­ti­ons­land Schweiz. Kann man davon aus­ge­hen, dass damit auch die «Roh­stoff­her­kunft» gemeint ist? Wie auch immer – die Bor­lot­ti-Bio-Boh­nen waren in der Filia­le, wo ich ein­ge­kauft habe, nicht ver­füg­bar. Die Büch­sen-Bor­lot­ti-Boh­nen – nicht Bio – von Coop kom­men aus Ita­li­en, jene von Migros aus China.

Aus Chi­na kom­men auch die roten Bio-Boh­nen von Manor – ver­packt in Basel. Der Ayur­ve­da-Online­shop ver­kauft Red Kid­ney Boh­nen der Mar­ke Cos­mo­ve­da aus Indi­en – laut Label aus Fair Tra­de Pro­jek­ten. Euro­päi­sche rote Boh­nen lies­sen sich auf die Schnel­le kei­ne fin­den. Was hin­ge­gen auf­fällt: Sowohl bei her­kömm­li­chen wie auch bei Bio-Boh­nen ist oft kei­ne Her­kunfts­de­kla­ra­ti­on zu finden.

So fehlt etwa auch auf der Ver­pa­ckung der Red Kid­ney-Boh­nen des deut­schen Bio­un­ter­neh­mens Rapun­zel der Her­kunfts­hin­weis. Der «Ursprung der Haupt­zu­tat» für die Dosen-Vari­an­te stammt aus «Nicht EU-Land­wirt­schaft» — was auf Chi­na deu­ten lässt. Her­ge­stellt wird das Pro­dukt – laut Inter­net­in­for­ma­ti­on – in Italien.

Die Neu­gier ist nun defi­ni­tiv geweckt: Woher stam­men die­se nahr­haf­ten Boh­nen über­haupt? Die rote Boh­ne – ihrer Form und Far­be wegen bekannt unter den Namen Red Kid­ney-Boh­ne – stammt laut Wiki­pe­dia aus Peru. Von wo sie in der Kolo­ni­al­zeit den Weg nach Euro­pa gefun­den habe. Für das Wachs­tum bevor­zu­ge sie ein feuch­tes Kli­ma, «wes­halb die Boh­ne haupt­säch­lich in Ame­ri­ka und Afri­ka ange­baut wird. Doch auch in Chi­na gibt es sie mitt­ler­wei­le häufig.»

Die Hei­mat der rot-weiss gespren­kel­ten Bor­lot­ti-Boh­ne hin­ge­gen ist Mit­tel- und Süd­ame­ri­ka. 1528 wur­de sie von Papst Cle­mens VII in Ita­li­en ein­ge­führt, wo man sie bis heu­te als Zutat für zahl­rei­che ita­lie­ni­sche Spe­zia­li­tä­ten ver­wen­det. Des­halb fin­det man auch hier­zu­lan­de Bor­lot­ti-Boh­nen aus ita­lie­ni­scher Produktion.

Und ein­hei­mi­sche Pro­duk­te? – Sowohl Red Kid­ney- wie Bor­lot­ti-Boh­nen könn­te man in der Schweiz pro­blem­los anbau­en. So hat der Bio-Saat­gut­pro­du­zent Sati­va in sei­nem Sor­ti­ment sowohl Samen für rote Boh­nen – lus­ti­ger­wei­se unter dem Mar­ken­na­men Cana­di­an Won­der – sowie vier (!) unter­schied­li­che Vari­an­ten von Borlotti-Bohnen.

Das Fazit des Fehl­kaufs von heu­te Vor­mit­tag bei Coop: Die Sache mit dem loka­len und sai­so­na­len Ein­kauf wird schnell kom­pli­ziert. Ent­we­der, wir zie­hen nächs­tes Jahr auf dem Bal­kon sel­ber Bor­lot­ti- und Red Kid­ney-Boh­nen – oder wir müs­sen künf­tig auf Chi­li-Gerich­te und Boh­nen in der Min­e­s­t­ro­ne verzichten.

 

Ver­kauf­te Demokratie

Der Abstim­mungs­kampf rund um die Kon­zern­ver­ant­wor­tungs­in­itia­ti­ve (KVI) zei­tigt immer unge­heur­li­che­re Blü­ten. Nament­lich die Geg­ner der Initia­ti­ve zie­hen noch­mal alle Regis­ter. Ohne Rück­sicht auf Fak­ten, schre­cken sie auch vor Dif­fa­mie­run­gen und Ver­leum­dung nicht zurück. Tat­kräf­tig unter­stützt von den gros­sen Medi­en­kon­zer­nen hierzulande.

Das jüngs­te Mach­werk prang­te heu­te auf der Front­sei­te ver­schie­de­ner Tame­dia-Blät­ter (neu TX Group AG). Es befasst sich – ein­mal mehr – mit der Fra­ge nach den Kam­pa­gnen­kos­ten. Auf­grund von fak­ten­frei­en, aben­teu­er­li­chen Hoch­rech­nun­gen und Ver­mu­tun­gen kommt der ehe­ma­li­ge BAZ-Jour­na­list und heu­ti­ge TA-Wirt­schafts­re­dak­tor Domi­nik Feu­si zum Schluss, die KVI-Befür­wor­ter hät­ten mehr als das Dop­pel­te der Geg­ne­rIn­nen inves­tiert und «rund 13 Mil­lio­nen für ein Ja» ausgegeben.

Und wenn dem nun tat­säch­lich so wäre? Wo wäre dann das Problem?

Ist es nicht viel­mehr ein ermu­ti­gen­des Zeug­nis für unser Land und unse­re Demo­kra­tie, dass so vie­le Spen­den zusam­men­ge­kom­men sind? Dass sich so vie­le Men­schen für die berech­tig­ten Anlie­gen der Kon­zern­ver­ant­wor­tungs­in­itia­ti­ve engagieren?

Wäh­rend die Kam­pa­gne der Geg­ner, dar­un­ter mäch­ti­ge Lob­by­ver­bän­de wie eco­no­mie­su­is­se oder Swiss­hol­dings aus der Por­to­kas­se der mil­li­ar­den­schwe­ren Kon­zer­ne bezahlt wird, finan­zie­ren sich die NGOs, wel­che die KVI lan­ciert haben, mehr­heit­lich über Spen­den­gel­der von Bür­ge­rin­nen und Bürgern. 

Auch ich habe wie­der­holt einen Bei­trag an die Kam­pa­gnen­kos­ten geleis­tet. Genau­so, wie ich jene NGOs mit Spen­den unter­stützt habe und wei­ter­hin unter­stüt­zen wer­de, die Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen und Umwelt­zer­stö­run­gen im In- und Aus­land bekämpfen.

So oder so ist die Fra­ge der Kam­pa­gnen­fi­nan­zie­rung ein abstru­ser Neben­schau­platz, der an Stamm­ti­schen und in den Medi­en hoch­ge­spielt wird. Dem­ge­gen­über gebär­den sich die gros­sen Medi­en­kon­zer­ne hier­zu­lan­de erstaun­lich zurück­hal­tend, wenn es um die wirk­lich wich­ti­gen, inhalt­li­chen Fra­gen im Zusam­men­hang mit der Kon­zern­ver­ant­wor­tungs­in­itia­ti­ve geht.

Der Grund dafür heisst – genau wie bei den Rohstoff‑, Nah­rungs­mit­tel- oder Agrar­kon­zer­nen – Gewinn­ma­xi­mie­rung: Recher­chen über Geschäfts­me­tho­den inter­na­tio­nal täti­ger Kon­zer­ne, wie sie in der Kon­zern­ver­ant­wor­tungs­in­itia­ti­ve zur Debat­te ste­hen, sind auf­wän­dig und teu­er. Sol­che Inves­ti­tio­nen in einen guten Jour­na­lis­mus leis­ten sich gewinn­ori­en­tier­te Medi­en­kon­zer­ne wie TX Group AG heut­zu­ta­ge nur noch sel­ten. Viel lie­ber über­lässt man ent­spre­chen­de Recher­chen den auf Men­schen­rech­te und Umwelt­fra­gen spe­zia­li­sier­ten NGOs. Oder man greift auf Mate­ri­al zurück, das von den PR-Abtei­lun­gen der Kon­zer­ne pro­du­ziert und den Medi­en gra­tis zur Ver­fü­gung gestellt wird.

Hin­zu kom­men wei­te­re für die Medi­en­kon­zer­ne kos­ten­güns­ti­ge For­ma­te, die ins­be­son­de­re in den letz­ten Wochen ein­ge­setzt wur­den: In ganz- oder mehr­sei­ti­gen Inter­views durf­ten die CEOs der gros­sen Kon­zer­ne ihre eige­nen Geschäfts­ge­ba­ren loben und die Kon­zern­ver­ant­wor­tungs­in­itia­ti­ve in Grund und Boden reden. Genau­so, wie der (auf wes­sen Kos­ten?) aus Bur­ki­na Faso ein­ge­flo­ge­ne Han­dels­mi­nis­ter. Jour­na­lis­ti­sche Ein­ord­nung? Geschenkt. Genau­so bei den Dut­zen­den von Mei­nungs­ar­ti­keln, in wel­chen Befür­wor­te­rIn­nen und Geg­ne­rIn­nen der Initia­ti­ve ihre Paro­len end­los wiederholen.

Und wenn dann doch mal hier oder dort ein Arti­kel mit einer jour­na­lis­tisch inter­es­san­ten Eigen­leis­tung zu fin­den ist, wird er direkt kon­kur­ren­ziert von markt­schreie­ri­schen Wer­be­bot­schaf­ten. Inse­ra­te – für oder gegen die Kon­zern­in­itia­ti­ve – buh­len sowohl in den gedruck­ten Zei­tun­gen wie online um die Auf­merk­sam­keit der Lese­rIn­nen. Damit lässt sich effi­zi­en­ter Geld ver­die­nen als mit Qualitätsjournalismus.

Die Tren­nung zwi­schen redak­tio­nel­len Leis­tun­gen und Wer­be­bot­schaf­ten? – Längst Geschich­te. So schal­tet etwa die TX Group AG bereits seit Anfang Jahr Anzei­gen der PR-Agen­tur fur­r­er­hu­gi, die als jour­na­lis­ti­sche Bei­trä­ge getarnt ten­den­ziö­se Behaup­tun­gen der Initia­tiv-Geg­ner als «Fak­ten» verbreiten.

Der Pres­se­rat rüg­te die­se Machen­schaf­ten: Damit wür­de der Jour­na­lis­ten­ko­dex ver­letzt. Das Ver­wi­schen der Gren­zen zwi­schen redak­tio­nel­len Inhal­ten und poli­ti­scher Wer­bung sei demo­kra­tie­po­li­tisch bedenk­lich: «Die man­geln­de Trans­pa­renz scha­det nicht nur der Glaub­wür­dig­keit des Medi­ums, son­dern auch der demo­kra­ti­schen Wil­lens­bil­dung der Bür­ge­rin­nen und Bürger.»

Weder die TX Group AG noch fur­r­er­hu­gi oder deren Auf­trag­ge­ber (eco­no­mie­su­is­se + Co) lies­sen sich von die­ser Rüge beein­dru­cken: Laut Recher­chen des Online­ma­ga­zins Repu­blik haben sich die Initiativ­gegnerInnen min­des­tens für die letz­ten drei Mona­te der Kam­pa­gne bei sämt­li­chen Titeln der TX Group AG das Exklusiv­recht gesi­chert, Popup-Inse­ra­te zu allen Online­artikeln zu schal­ten, die die Initia­ti­ve betreffen.

Aus einer Kor­re­spon­denz mit den Initi­an­tIn­nen, die eben­falls Inse­ra­te beim Medi­en­kon­zern TX Group AG buchen woll­ten, gehe her­vor, dass fur­r­er­hu­gi basie­rend auf einer Lis­te sämt­li­che Arti­kel defi­nie­ren kann, wel­che die PR-Agen­tur exklu­siv bewer­ben will. «Ihr Kon­kur­rent», heisst es in der Kor­re­spon­denz, die der Repu­blik vor­lie­ge, «ope­riert mit einem mas­siv höhe­ren Budget.»

Ob Wirt­schafts­re­dak­tor Feu­si die­se Aus­ga­ben der Initia­tiv-Geg­ner­schaft in sei­ne Rech­nung mit­ein­be­zo­gen hat? Zumin­dest in die­sem Fall müss­te er ja auf Fran­ken und Rap­pen genau her­aus­fin­den kön­nen, wie­viel sein Arbeit­ge­ber für den Ver­kauf die­ser kost­ba­ren Wer­be­plät­ze kassiert.

Im Zusam­men­hang mit der Kon­zern­ver­ant­wor­tungs­in­itia­ti­ve zeigt sich ein­mal mehr, dass die Behaup­tung der Medi­en­häu­ser, sie sei­en für die Demo­kra­tie sys­tem­re­le­vant, völ­li­ger Non­sens ist. Wer poli­ti­sche Wer­bung ein­fach an den Meist­bie­ten­den ver­kauft, ver­hält sich bezüg­lich der Demo­kra­tie genau­so fahr­läs­sig, wie dies eini­ge Kon­zer­ne im Süden bezüg­lich Men­schen­rech­te und Umwelt tun.

Zu hof­fen ist, dass die Kon­zern­ver­ant­wor­tungs­in­itia­ti­ve am 29. Novem­ber trotz­dem ange­nom­men wird. Als nächs­ten Schritt müss­te man sich anschlies­send die Lan­cie­rung einer Medi­en­kon­zern­ver­ant­wor­tungs-Initia­ti­ve über­le­gen. Zum Schutz von Demo­kra­tie und Journalismus.

 

 

Zer­stö­re­ri­scher Verdichtungswahn

Seit einem Monat kün­di­gen erneut Bau­pro­fi­le auf einem Nach­bar­grund­stück Ungu­tes an. Sie ragen beson­ders hoch in den Him­mel, weil das neue Bau­re­gle­ment der Stadt Zürich zuguns­ten von Ver­dich­tung auch in unse­rem Quar­tier die maxi­ma­le Gebäu­de­hö­he um ein Geschoss her­auf­ge­setzt hat. Zum Nach­teil aller umlie­gen­den, bereits bestehen­den Liegenschaften.

In den letz­ten zehn Jah­ren muss­te zuerst die statt­li­che Tan­ne vor unse­rem Schlaf­zim­mer­fens­ter einem Neu­bau wei­chen. Im Wes­ten, wo ein Nach­kriegs-Mehr­fa­mi­li­en­haus durch ein vier­stö­cki­ges Ren­di­te-Objekt ersetzt wur­de, hat man uns die Abend­son­ne gestoh­len. Der Blick von unse­rer Woh­nung im obers­ten Stock über eine einst leben­di­ge Dächer­land­schaft ist längst Geschich­te. Alte Back­stein­bau­ten, ehe­ma­li­ge Gewer­be­lie­gen­schaf­ten – kurz­um, die eins­ti­ge Gebäu­de­viel­falt eines gewach­se­nen Quar­tiers, wur­de durch Varia­tio­nen von immer­glei­chen Beton­klöt­zen ersetzt, mit wel­chen man aus jedem Grund­stück das Maxi­mum an Pro­fit her­aus­zu­ho­len sucht.

Das dürf­te auch das Ziel der 3A Immo­bi­li­en AG sein, die das Nach­bar­grund­stück erwor­ben hat. Hin­ter einer mäch­ti­gen Trau­er­wei­de ver­steckt, über­ragt von einer hohen Tan­ne mit aus­la­den­den Ästen steht ein zwei­stö­cki­ges Holz­haus mit 7 Zim­mern mit­ten in einem wun­der­schö­nen, üppi­gen Gar­ten – in bes­tem Zustand.

Es ist das letz­te einer Rei­he von Cha­lets, die einst hier stan­den – bewohnt von Ange­stell­ten der gros­sen Fabri­ken in Oer­li­kon. Die Cha­lets ver­brei­te­ten einen Hauch von Roman­tik und präg­ten das Gesicht der Stras­se, die nach ihnen benannt wur­de, so wie auch die nahe­ge­le­ge­ne Bushaltestelle.

Das Haus am Cha­let­weg 3 ist einer der letz­ten Zeu­gen his­to­ri­scher Archi­tek­tur im Quar­tier. In unmit­tel­ba­rer Nähe wur­de bereits vor einem Jahr ein wun­der­schö­nes Arbei­ter-Back­stein­häus­chen zer­stört, um einem Beton-Ver­dich­tungs­pro­jekt Platz zu machen.

Die Zer­stö­rung die­ser Zeu­gen der Ver­gan­gen­heit tut mir per­sön­lich weh. Noch viel schwe­rer wiegt hin­ge­gen der mit der über­mäs­si­gen Ver­dich­tung ein­her­ge­hen­de Ver­lust von grü­nen Oasen im Quar­tier. Dach­be­grü­nun­gen sind kein Ersatz für die Grün­räu­me, die ver­schwin­den, wenn Grund­stü­cke bis an den Rand bebaut und die Gär­ten mini­ma­li­siert wer­den, so dass sie gera­de noch so gross sind wie der Rand einer Briefmarke.

Das üppi­ge Grün, wel­ches das letz­te Cha­let umgibt, ist nicht nur eine Augen­wei­de, es ist ein klei­nes Para­dies der Bio­di­ver­si­tät, mit­ten in einer Beton­land­schaft. Els­tern ver­sam­meln sich in der Trau­er­wei­de, vom Wip­fel der Tan­ne singt die Amsel, abwech­selnd mit den Rot­kehl­chen, die sich etwas wei­ter unten im Geäst ein­ge­rich­tet haben… Das alles soll nun einem vier­stö­cki­gen Beton­klotz mit zehn wei­te­ren Woh­nun­gen weichen?

Das darf nicht sein! Gera­de heu­te, in Zei­ten des Kli­ma­wan­dels muss städ­ti­schen Grün­räu­men Sor­ge getra­gen wer­den. Bäu­me haben viel­fäl­ti­ge Funk­tio­nen – und ein leben­di­ges Quar­tier braucht viel­fäl­ti­ge For­men des Woh­nens und des Lebens. Was am Cha­let­weg 3 droht, ist genau das Gegen­teil: Ver­dich­ten im Namen des Pro­fits heisst Zer­stö­rung. Sinn­vol­le Ver­dich­tung geht anders: Sie nimmt Rück­sicht auf eine über Jahr­zehn­te gewach­se­ne Umge­bung und ermög­licht inno­va­ti­ve For­men des Tei­lens und Zusam­men­le­bens bei gleich­zei­ti­gem Erhalt oder sogar Aus­deh­nung bestehen­der Grün­flä­chen im Quartier.

Die­ses war der ers­te Streich (im Quar­tier), doch der nächs­te folgt sogleich:

Und gleich noch einer: