LAN­KA TAGE­BUCH



TAGE­BUCH EINER FILM­PRO­DUK­TI­ON


 

TEIL 1

2012 / 2013

Film auf Papier…

 

Film im Kopf und wie­der auf Papier und wie­der.…. 

 

22.11.2013    Seit 30 Tagen auf gepack­ten Kof­fern. Rei­se­päs­se in Genf beim Gene­ral­kon­su­lat. War­ten auf Dreh­ge­neh­mi­gung und Visa. Heu­te neue Mel­dung aus dem sri­lan­ki­schen Aus­sen­mi­nis­te­ri­um: «Ein­rei­se geneh­migt, aber noch nicht erteilt…»

25.11.2013  Wie­der ein Wochen­en­de vor­bei — wir müs­sen wei­te­re Drehs mit div. Prot­ago­nis­tIn­nen absagen/verschieben. Dreh­bü­cher und Dreh­plä­ne sind nice to have, aber wir hal­ten es mit dem deut­schen Gene­ral­feld­mar­schall v. M.: «Kein Plan über­lebt die ers­te Feind­be­rüh­rung.»

26.11.2013  Wun­der dau­ern immer etwas län­ger: 10.05 Uhr CET / 14.35 LAN­KA TIME —  Schwei­zer Bot­schaft Colom­bo mel­det — Aus­sen­mi­nis­te­ri­um Sri Lan­ka  erteilt pro­vi­so­ri­sche Dreh­be­wil­li­gung — Visas kön­nen aus­ge­stellt wer­den und soll­ten mor­gen per Velo­ku­rier bei uns sein — Ori­gi­nal­ton Gene­ral­kon­su­lat Sri Lan­ka Genf: «This must be an incredi­ble moment for you…»  Yes, inde­ed!

27.11.2013  Velo­ku­rier ist eben mit Päs­sen die Trep­pe bei uns hoch­ge­rannt..

29.11.2013Take off expec­ted ZRH Air­port 21.45

 
Air­bus 320–200 Emi­ra­tes-Flug von Dubai nach Colom­bo. Wir sind fast die ein­zi­gen Flug­gäs­te.

 

30.11.2013  Lan­dung in Sri Lan­ka  

Von wegen Son­nen­pa­ra­dies — Colom­bo Luft­feuch­tig­keit 100%, Tem­pe­ra­tur 31 Grad Cel­si­us, tro­pi­scher Regen­guss  

01.12.2013  Am Vor­mit­tag als ers­tes Sri Lan­ki­sche SIM-Kar­ten besorgt: Ohne Smart­pho­ne geht hier gar nichts. Schon gar nicht, wenn man vier Wochen Dreh­ar­bei­ten zu orga­ni­sie­ren hat. Fein­pla­nung ist in vol­lem Gang: Zuerst wägen, dann wagen. Haupt­pro­blem: Durch­schnitts­ge­schwin­dig­keit 30km/h — und wir haben im Sinn, die gan­ze Insel zu umrun­den!


Bol­ly­wood-Träu­me

 Colom­bo, 02.12.2013 


Von einem Amt zum nächs­ten. Vor­läu­fi­ger Höhe- und Schluss­punkt: Die Natio­nal Film Cor­po­ra­ti­on.

 


 Geschafft: Unse­re Pres­se­aus­wei­se!

04.12.2013  Bei der Natio­nal Film Cor­po­ra­ti­on end­lich das ent­schei­den­de Dreh­ge­neh­mi­gungs-Doku­ment abge­holt — danach freie Fahrt Rich­tung Osten mit Etap­pen­ziel Bat­ti­ca­loa. Mit im Gepäck der Rat von einem Press Offi­cer, der weiss wovon er spricht — ent­spre­chend wer­den wir uns in den kom­men­den Wochen dar­an hal­ten (oder es zumin­dest ver­su­chen): «Haben sie Geduld mit der sri­lan­ki­schen Bevöl­ke­rung, sie ist meis­tens nicht so schnell, wie wir das von ihr erwar­ten.»

 05.12.2013  Bat­ti­ca­loa — ers­ter Dreh­tag:


Was­ser ums Haus — wir sit­zen fil­misch auf dem Tro­cke­nen — wird je wie­der die Son­ne schei­nen ?


Wir lie­gen nicht an der Lagu­ne — wir sind eine.

Aber: Wir haben einen unse­rer Haupt­dar­stel­ler, den wir vor einem Jahr getrof­fen haben, wie­der gefun­den, und er ist bereit mit­zu­ma­chen: Mor­gen fährt das Velo auf dem Film­pla­kat zum ers­ten Mal durchs Bild.

06.12.2013


Wann kommt sie end­lich, die ulti­ma­tiv foto­ge­ne Wel­le?!?!?

 

 Nach Dreh­schluss gehts wei­ter — im weih­nächt­li­chen Set­ting…

 

12.12.2013  Petrus mein­te es gut bis jetzt: Uner­war­tet viel Son­nen­schein, die gan­ze Woche. Lan­ge, inten­si­ve Tage — vie­le schö­ne Bil­der, ab und an auch unüber­wind­ba­re Hin­der­nis­se…


Road block

 


 Am Strand von Pas­siku­dah 

 


Im «Iglu»-Dorf»: Hap­py ride…

 


 …mit hap­py Girl!

 


Häu­ser mit ver­bar­ri­ka­dier­ten Fens­tern, Dör­fer ohne Trink­was­ser

 


Gefragt aller­dings wären wahr­lich ande­re Visio­nen…

 


Indi­scher Oze­an — rough

 


Zwi­schen­halt am Nila­ve­li Beach — kur­zer Augen­schein…

17.12.2013  Inten­si­ve Tage: Von Dreh­ort zu Dreh­ort — nach Bat­ti­ca­loa zuerst süd­wärts: Aru­gam­bay, ges­tern Abend dann schla­fen in Trinco­ma­lee und heu­te erst­mals eine hal­be Stun­de Sight­see­ing — in Jaff­na…

 


…Jaff­na! Nach zwei Wochen eine hal­be Stun­de ohne Per­so­nal und Prot­ago­nis­ten — what a fee­ling!!!

18.12.2013  Ein ver­lo­re­ner Tag am Ende der Welt: Wun­der­ba­re Bil­der, doch die Kame­ra muss im Auto blei­ben. Da hilft auch stun­den­lan­ges Ver­han­deln nicht wei­ter.


Erfolg­lo­se Tele­fon­ver­su­che: Wenn das Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um nicht will, ist nichts zu wol­len.

 

 
Zeit für under­co­ver Reko. Neue Häu­ser, neue Hoff­nung…

19.12.2013  Ner­ven­krieg ohne Ende — im Nor­den hat die Armee das Sagen — und Uni­for­mier­te sind nicht à prio­ri Freun­de des beweg­ten Bil­des. Unser Dreh­ort ist seit Mona­ten bekannt und etwa 75 Auto-Minu­ten von unse­rer Pen­si­on ent­fernt. Also sit­zen wir auch heu­te dreh­be­reit in der Nähe der Wie­der­auf­bau­pro­jek­te und trin­ken Tee — als Abwechs­lung und fürs Gemüt besich­ti­gen wir DEZA-Schul­haus-Bau­stel­len.

 

Wir set­zen uns und unse­rer Auf­se­he­rin ein neu­es Ulti­ma­tum. 15.30 Uhr. Um 15.31 Uhr kommt die Clearan­ce: Wir dür­fen ges­tern, heu­te und mor­gen im äus­sers­ten Nord­os­ten dre­hen!


Ein­drück­li­cher Tsu­na­mi-Fried­hof am ein­sa­men Strand

 

 Bene­fi­cia­ries

 

 

 

 

21.12.2013  Jaff­na — Weli­ga­ma: 580 Kilo­me­ter, 12 Stun­den Fahrt — 100 Jah­re älter. Aber schliess­lich heil ange­kom­men und tief geschla­fen.

22.12.2013  Weli­ga­ma — wir zün­den das Schluss­feu­er­werk — in 4 Stun­den grös­se­rer Fil­mertrag als in 40 Stun­den zuvor. Wir haben einen Bösen, vie­le Gute und einen Armen im Fischer­netz. Aber schon droht Gefahr: das gibt wie­der mal kei­nen Schwarz­weiss-Off­road-Film, son­dern etwas ziem­lich Viel­schich­ti­ges. Aber genau so ist es halt — bald 10 Jah­re nach dem Tsu­na­mi.

 

Spät­schicht: Über­set­zen! Viel Arbeit. Denn sie reden gern, viel und schnell — jene die reden…

24.12.2013  Weih­nach­ten ein­mal anders: Start auf dem Fisch­markt — anschlies­send Lehr­stück über mut­lo­se Beam­te, die sich hin­ter Papier­kram und Regle­men­ten ver­schan­zen. Zum Glück gibt es auch die ande­ren. Jene die hin ste­hen und sagen, was Sache ist.

25.12.2013 Tsu­na­mi-Dorf im Hin­ter­land. Und wie­der sind uns die Wet­ter­göt­ter hold: Am Mor­gen giesst’s in Strö­men — anfäng­lich fin­den die Sequen­zen des­halb not­ge­drun­gen im Com­mu­ni­ty Cen­ter statt. Doch bald klart es auf — ab sofort wird auch wie­der draus­sen gedreht. Heu­te mit Nis­ha­ra, dem Tsu­na­mi-Sozio­lo­gen von der Colom­bo Uni­ver­si­ty.


Wow! Weih­nächt­li­cher Son­nen­un­ter­gang

 

26.12.2013  Der 9. Tsu­na­mi-Jah­res­tag.


Der Traum­strand ganz in der Nähe… Zuschla­gen! Sofort! Denn die Boden­prei­se stei­gen rasant.

 

27.12.2013  Noch ein­mal ein rand­vol­ler Dreh­tag — noch ein­mal das ver­dien­te Fei­er­abend­bier…

 

 


Ein letz­ter Mor­gen­gruss vom Pal­men­strand

 

Der Strand lockt ver­ge­bens: Dre­hen bis zur letz­ten Minu­te — und zwi­schen­durch schnell mal packen.

28.12.2013  Hoch­sai­son in Weli­ga­ma. Ab heu­te zie­hen auch in unse­re Zim­mer Tou­ris­ten ein. Der ers­te Teil ist abge­dreht. Am Mor­gen vor­pa­cken im Hotel.
Unter­wegs noch ulti­ma­ti­ve Bil­der. Kurz vor dem Ein­che­cken am Flug­ha­fen folgt die fach­ge­rech­te, sprich flug­si­che­re Bestü­ckung von Kof­fern und Kis­ten.

29.12.2013  Kurz vor Mit­tag lan­den wir in Zürich — 20 Minu­ten zu früh. Bis wir daheim sind dau­ert es trotz­dem län­ger: zwei Mate­ri­al­kis­ten feh­len. Eine kom­pli­zier­te Geschich­te: Wir dür­fen nur ein­füh­ren, was wir tat­säch­lich dabei haben — also müs­sen wir den Zöll­ner in sei­ner Sonn­tags­ru­he stö­ren. Pos­ten für Pos­ten gehen wir die Mate­ri­al­lis­te durch — als wir end­lich durch sind, Ent­war­nung: Die Kis­ten sind auf­ge­taucht. Damit hat sich — wie schon so vie­le zuvor — auch das letz­te Pro­blem die­ser Rei­se in Luft auf­ge­löst…


ENDE TEIL 1


 

TEIL 2

17.04.2014  In einem Monat geht es wie­der los: Dreh­ar­bei­ten in Sri Lan­ka, Teil 2. Flü­ge gebucht, Über­ge­päck allo­wed, Rei­se­päs­se mit Jour­na­lis­tIn­nen-Visa auf dem Nacht­tisch bereit.

22.05.2014  Wie­der in Sri Lan­ka unter­wegs — dies­mal sogar mit Dau­er-Spe­zi­al­be­glei­ter der Staats­si­cher­heit. Wir kön­nen also nicht ver­lo­ren gehen. Film­ar­bei­ten haben gut ange­fan­gen, die Wet­ter­be­din­gun­gen sind die übli­chen: Son­ne und Gewit­ter­stür­me rich­ten sich nicht nach der Wet­ter­vor­her­sa­ge. Dem­nächst in Gal­le, dann in Miris­sa.

Sri Lan­ka am Mor­gen…

 

…Sri Lan­ka am Abend

 

Pro­du­cer und Assi­stant ver­sor­gen die Film­crew mit Essen

24.05.2014  Sri Lan­ka-Müs­ter­li 1: Wir trin­ken hier in einem Tag soviel wie wäh­rend einer hal­ben Woche in der Schweiz. Um auf­zu­tan­ken, besu­chen wir den No.1-Shop in «Ger­man Hari­tha­ga­ma», einem Tsu­na­mi-Wie­der­auf­bau-Dorf fern vom Mee­res­strand in einer Kau­tschuk­plan­ta­ge gele­gen. Lei­der hat der Shop-Kee­per nur einen lee­ren Geträn­ke­schrank vor­zu­zei­gen — also heisst es war­ten, bis unser Fah­rer, der die gros­sen Mit­tags- Rei­s­por­tio­nen für die ein­hei­mi­schen Män­ner unse­rer Film­crew aus der Stadt holt, zurück ist. Nach fünf Minu­ten fährt der Shop-Kee­per mit dem Motor­rad vor und bringt uns aus sei­nem pri­va­ten Kühl­schrank von zuhau­se eine Fla­sche mit einer rosa­ro­ten Flüs­sig­keit. Geschmacks­no­te — irgend­was zwi­schen Tiki und Bazoo­ka. Bezah­lung käme einer Belei­di­gung gleich.

Müs­ter­li 2: Wir soll­ten eine unbe­denk­li­che Aus­sen­auf­nah­me von der gros­sen Hol­cim-Fabrik in Sri Lan­ka machen. Wird plötz­lich zum gros­sen Pro­blem, weil die Hol­cim-Ange­stell­ten zum unbe­fris­te­ten Streik auf­ge­ru­fen haben und das Fabrik­tor bela­gern: sie ver­lan­gen anstän­di­ge Arbeits­ver­trä­ge vom Schwei­zer Mul­ti. Jetzt wird unser Auf­pas­ser zum ers­ten Mal aktiv. Die­se poli­ti­sche Akti­on sei auch gegen die Regie­rung gerich­tet, des­halb dürf­ten wir nicht fil­men. Wir geben nicht so schnell auf und schrei­ten mit unse­rem Regie­rungs­mann meh­re­re Stand­or­te ab. Vom Dach des Hotels gegen­über geht nichts, weil der Recep­tio­nist Schiss hat. Wir eini­gen uns auf eine Vor­bei­fahrt mit dem Auto, über eine Brü­cke, 200 m vom Ein­gangs­tor ent­fernt, wo man die Fabrik mit dem Hol­cim-Logo eini­ger­mas­sen sehen und fil­men kann. Mor­gen Nach­mit­tag wer­den wir das ver­su­chen. «Unser» Auf­pas­ser-Poli­zist ist in gros­sen Loya­li­täts­nö­ten: er möch­te es weder mit sei­nem Chef noch mit uns ver­der­ben: « You aren’t angry with me, isn’t it ?»

Regie­an­wei­sung an die For­schung

25.05.2014  Zurück in Weli­ga­ma. Wir sind die ein­zi­gen Gäs­te — welch wohl­tu­en­der Kon­trast zum Rie­sen­durch­ein­an­der an Weih­nach­ten 2013 als wir bereits dort zu Gast waren! Nach drei Tagen Feld-For­schung geht’s mor­gen in die Schu­le. Früh­start um 6.30 Uhr — damit wir nicht zu spät kom­men!

Impres­sio­nen von unse­rem zwei­tä­gi­gen Schul­be­such:

Mor­gen-Appell :  Vor­wärts marsch!!

 

Unser Auf­pas­ser-Offi­cer — für ein­mal als Musi­ker

 

Kame­ra auf Augen­hö­he

 

Hit­zi­ge Wet­ter­pro­gno­se

Foto­ter­min

 


 

Kame­ra-Assis­ten­tin

 

Über­set­ze­rin, Schul­haus­ar­chi­tek­tin und Film­au­torin

 

 Mobile­pho­ne Tank­stel­le

27.05.2014  Schicht­wech­sel: Heu­te bei den Auf­pas­sern. Mor­gen bei den Über­set­ze­rin­nen. Von Sin­gha­le­sisch wech­seln wir zu Tamil. Wohl­ge­merkt: Nur bei den Über­set­ze­rin­nen. Ob unser neu­er Beob­ach­ter Tamil ver­steht, wird sich bald zei­gen. Schon heisst es wie­der Abschied neh­men von Weli­ga­ma. Jetzt geht es an die Ost­küs­te. Affen­heiss sei es, teilt uns unse­re Schwei­zer Prot­ago­nis­tin aus Bat­ti­ca­loa mit. Sie ist schon mal am Akkli­ma­ti­sie­ren…

29.05.2014  Fahr­zeug­wech­sel in Aru­gam­bay. Wir waren mit dem Ersatz-Van nicht zufrie­den. Vom Keil­rie­men über die Zen­tral­ver­rie­ge­lung bis zur klem­men­den Schie­be­tür. Die Ablö­sung des Fah­rers geht nicht ohne lau­te Wor­te und Trä­nen des Fah­rers über die Büh­ne: Wir müs­sen kräf­tig nach­hel­fen, damit er zu sei­nem ver­dien­ten Lohn kommt. Er hat einen Super­job gemacht, aber sein Boss ist ein Arbeit­ge­ber Mar­ke Hol­cim. -

Für Hol­cim- und Schmidhei­ny-Fans:

Hol­cim Sri Lan­ka beschäf­tigt 500 Mit­ar­bei­ter seit 15 Jah­ren ohne Fest­an­stel­lung und ohne Über­stun­den­zu­schlag. Dazu kom­men noch zahl­rei­che kurz­fris­ti­ge Tem­po­r­ä­r­ar­bei­ter. Ver­ständ­lich, dass die Gewerk­schaf­ter vors Fabrik­tor sit­zen — Resul­tat: kein Hol­cim-Cement mehr in den Bau­märk­ten. Und als Schwei­zer schä­men wir uns ziem­lich fremd, wie sich Hol­cim in Sri Lan­ka auf­führt. Affai­re à suiv­re.

Memo­ry­spiel über die Sprach und Kul­tur­gren­zen hin­weg

30.05.2014 
Gibt es das ver­las­se­ne Tsu­na­mi-Dorf? Oder sind es bloss Geschich­ten und Gerüch­te? Jeder erzählt etwas ande­res, die aus­ge­streck­ten Arme zei­gen in alle Him­mels­rich­tun­gen. Wir geben nicht auf — suchen. Und fin­den…

Abends Ankunft in Bat­ti­ca­loa. Wie­der im Rivie­ra-Resort — ist fast ein wenig wie Heim­kom­men. Jetzt heisst es, die letz­ten Sequen­zen in den Kas­ten krie­gen. Mor­gen noch ein­mal eine neue Prot­ago­nis­tin, extra aus der Schweiz ein­ge­flo­gen. Eine Woche bleibt uns noch, dann ist abge­dreht.

Gibt es die­ses Dorf oder gibt’s es nicht?

01.06.2014  

Früh­stück

Mor­gen Abend kommt Auf­pas­ser Nr. 3 und löst Nr. 2 ab, der gera­de dabei ist, das Fina­le der indi­schen Cri­cket-Meis­ter­schaft am Hotel-TV zu ver­fol­gen. Pun­jab gegen Kal­kut­ta — das Spiel kann bis zu 20 Stun­den dau­ern, very bri­tish. Falls es soweit kommt, wür­den wir ihm natür­lich ger­ne frei geben, damit er die Match-Ent­schei­dung mit­be­kommt… Ges­tern haben wir drei umge­sie­del­te Fami­li­en im Retor­ten­dorf Thi­rai­ma­du besucht, zusam­men mit der Schwei­zer Eth­no­lo­gin, die hier nach dem Tsu­na­mi ihre Dok­tor­ar­beit gemacht hat. Wir krie­gen Ein­blick in erfreu­li­che und tra­gi­sche Schick­sa­le, und immer sind Kin­der mit betrof­fen. Abends dann eine Über­ra­schung. Suja­ta, unse­re Tamil-Über­set­ze­rin, hat Geburts­tag. Sie und ihr Mann Navan laden uns For­eig­ners zu einem Bar­be­cue am Strand ein — so wie sie es mit ande­ren (Hilfs­werks-) West­lern zwei Mal erlebt, aber noch nie sel­ber orga­ni­siert haben. Wir fah­ren zum zap­pen­dus­te­ren Strand, wo wir im Schein der Auto­schein­wer­fer das Bar­be­cue-Feu­er zum Bren­nen brin­gen. Fisch ist ange­sagt — direkt vom Fischer — aber noch nicht da, weil der Fischer sei­nen Tages­fang bereits an den Zwi­schen­händ­ler gelie­fert hat. Also muss Navan mit dem Motor­rad dort vor­bei. Inzwi­schen wird aus dem Feu­er Glut, wohin­ge­gen die Petroll­am­pen, die die Auto­schein­wer­fer-Beleuch­tung erset­zen sol­len, nicht so recht wol­len. Schliess­lich fällt uns ein, dass wir im Kof­fer­raum unser legen­dä­res Bat­te­rie-Film-LED-Licht dabei haben (Brenn­dau­er über 8 h!) — kaum ist das dis­kre­te Licht auf­ge­baut, fah­ren die Bar­be­cue­fi­sche auf dem Motor­rad vor. Die Beach­par­ty kann begin­nen.

Navan und Suja­ta

 

Beach­par­ty is over

03.06.2014  Jeden Mor­gen legen wir einen Extra-Halt vor einem Hin­du­tem­pel ein, wo unse­re tami­li­schen Mit­ar­bei­te­rIn­nen ein kur­zes Gebet an die zustän­di­gen Gott­hei­ten rich­ten, damit unser Tage­werk ein glück­li­ches wer­de. Fern von unse­rem Off­road Reports Betriebs­hei­li­gen San Giu­sep­pe di Cup­er­ti­no neh­men wir das dan­kend an und müs­sen geste­hen: wir haben auf unse­rer zwei­ten Film­rei­se schon fast unver­schäm­tes Glück gehabt. Wäh­rend auf der West­sei­te der Insel — wo wir vor 10 Tagen bes­tes Wet­ter vor­ge­fun­den haben — hef­tigs­te Regen­schau­er nie­der­pras­seln ver­bun­den mit Über­flu­tun­gen  zahl­rei­che Erd­rut­schen und Toten, ist an der Ost­küs­te von alle­dem nichts zu spü­ren. Ganesh dem Ele­fan­ten­gott sei Dank.

Auf­pas­ser Nr. 3 ist kon­di­tio­nell und in Eng­lisch und Tami­lisch nicht ganz so stark wie Nr. 2, muss aber durch­hal­ten, weil wir nun mit eini­gem Auf­wand die feh­len­den rest­li­chen Puz­zle­stü­cke zum fer­ti­gen Film fin­den müs­sen. Weil wir aber ein anstän­dig bezahl­tes Team haben, legt sich sogar der Fah­rer ins Zeug, um das zu fin­den, was wir suchen. Mit Erfolg. Heu­te krie­gen wir als Geschenk des Him­mels ein beein­dru­cken­des Long­net-Fishing: 20 Män­ner und Frau­en zie­hen zwei Stun­den lang ein meh­re­re hun­dert Meter lan­ges Gross­netz an Land. Der Fang ist beschei­den. Das ist unse­re Les­son learnt in Sri Lan­ka: Fisch ist nicht ein­fach im Über­fluss da, um gefan­gen zu wer­den. Die Mehr­zahl der Fischer, mit denen wir gedreht haben, keh­ren oft­mals mit kar­gem Ertrag an Land zurück.

Film­au­torin und Gleis­kon­trol­leur

 

Sieht aus wie Radar­kon­trol­le — ist aber bloss unse­re Kame­ra (im Hin­ter­grund rechts)  Kame­ra­mann im Kreis der milchtrin­ken­den Kin­der­gärt­ler

 

Tran­skri­bie­ren — Wort für..

…Wort

 

Catch of the day

Am Sams­tag Rück­fahrt nach Colom­bo (7 Stun­den für 330 Kilo­me­ter), wo wir die not­wen­di­gen Papie­re für die Aus­fuhr bekom­men soll­ten (gemäss Rap­port unse­rer drei Auf­se­her), dann gibt’s noch etwas Über­set­zungs­ar­beit von sin­gha­le­si­schen Inter­views und schließ­lich einen Abschieds­be­such beim Schwei­zer Bot­schaf­ter.

Rück­flug Colom­bo-Dubai-Zürich am 11. Juni.

03.06.2014  Ges­tern Abend am Ufer stun­den­lang auf die Rück­kehr des Motor­boots unse­res Haupt­dar­stel­ler-Fischers gewar­tet  (er hat­te sein Mobil­te­le­fon zuhau­se ver­ges­sen..). In stock­dunk­ler Nacht mit Taschen­lam­pen-Beleuch­tung  und unse­rem Bar­be­cue-erprob­ten Film­licht gelin­gen uns schö­ne Auf­nah­men vom Tages­fang der Fischer und des­sen unver­züg­li­cher Ver­mark­tung an die Fisch­händ­ler. 34 Kilo Fisch erge­ben 80 Fran­ken Tages­ver­dienst brut­to für drei Mann.

Heu­te fol­gen die Film­auf­nah­men, die im fer­ti­gen Film vor dem Fisch­ver­kauf ste­hen wer­den — ist bei uns an der Tages­ord­nung, dass vor­her und nach­her nicht chro­no­lo­gisch, son­dern kreuz und quer gefilmt wer­den. Haupt­pro­blem: die Dar­stel­ler müs­sen an bei­den Dreh­ta­gen, die im Film zu einem ein­zi­gen Tag ver­schmel­zen, die glei­chen Klei­der tra­gen und dür­fen unter­des­sen nicht zum Coif­feur. Gros­ses Auf­at­men auf Sei­ten der Film­crew als die Fischer­boots­be­sat­zung im glei­chen Tenu wie am Vor­tag erscheint und zum Fisch­fang los­fährt.

Unser Film ist damit abge­dreht: 25 Stun­den Film­ma­te­ri­al (inkl. sehr lan­ger Über­set­zun­gen) kom­men zu den 30 Stun­den hin­zu, die wir im ver­gan­ge­nen Dezem­ber heim gebracht haben. Die Filet-Stü­cke erge­ben dann den 55-minü­ti­gen SRF-Dok-Film. Die­ser Schlacht­vor­gang heisst auf film­deutsch: Kill your dar­lings.

Nun folgt die rest­li­che Fein­über­set­zung vor Ort mit Suja­ta unse­rer Tami­lisch-Schnell­spre­che­rin. Für uns ist nach wie vor rät­sel­haft, wo die Tami­len Punkt und Kom­ma machen (Sprech­ge­schwin­dig­keit Tami­lisch = Biel-Bern­deutsch x 12).

Unse­re tami­li­sche Task­force

 

Spass beim Visio­nie­ren

 

06.06.2014  Der Film nimmt lang­sam Gestalt an…

Ist die Lösung das Pro­blem oder das Pro­blem die Lösung ?

Spät­abends — Fla­sche leer

08.06.2014  Zurück in Colom­bo, 320 km quer durch die Insel gefah­ren, mit unzäh­li­gen Über­hol­ma­nö­vern, die in der Schweiz unwei­ger­lich zu einem Crash füh­ren wür­den. In Sri Lan­ka reicht’s aber meis­tens um ein paar Mil­li­me­ter. Trotz­dem fah­ren wir an eini­gen Unfäl­len vor­bei, die sich kurz vor unse­rer Durch­fahrt ereig­net haben. Der spek­ta­ku­lärs­te betrifft aller­dings den Schie­nen­ver­kehr par­al­lel zu unse­rer Stras­se — ein dick­häu­ti­ger Spa­zier­gän­ger hat die Warn­si­gna­le des her­an­na­hen­den Express-Zuges miss­ach­tet.

Die Repor­te­rin immer nahe am Gesche­hen

Der Express­zug ist gemäss Zeu­gen­aus­sa­gen unver­letzt geblie­ben und wei­ter gefah­ren.

Erwäh­nens­wert, wie wir mit unse­rem Pro­duk­ti­ons­fahr­zeug durch das Ver­kehrs­ge­wühl in Colom­bo ans Ziel gelangt sind. Auf dem Bei­fah­rer­sitz der nur sin­gha­le­sisch spre­chen­de Inves­ti­ga­ti­ons-Offi­cer, am Steu­er der nur tami­lisch spre­chen­de, haupt­be­ruf­li­che Fischer. Kom­mu­ni­ka­ti­on klapp­te bes­tens: unzäh­li­ge Spur­wech­sel im letz­ten Moment per Hand­zei­chen und sri-lan­ki­schem hori­zon­ta­lem Kopf­ni­cken, der Fischer beschleu­nigt wie mit dem Motor­boot. Wir lan­den punkt­ge­nau bei der Zen­tra­le der Natio­nal Film Cor­po­ra­ti­on und erhal­ten zwei Tage zu früh (!) unse­re Aus­rei­se­pa­pie­re, die bestä­ti­gen, dass wir nichts Uner­freu­li­ches zu Sri Lan­ka auf­ge­zeich­net haben und der Aus­rei­se unse­rer Film­auf­nah­men nichts im Wege steht.

Das Sing­ha­la-Über­set­zungteam

10.06.2014  Zum Schluss noch ein­mal ein Über­set­zungs­ma­ra­thon — nach zehn  Tagen Tamil nun wie­der Sin­gha­le­sisch-Eng­lisch. Bud­dhi­ni von <href”http://www.watermelonfilms.com/services.htm”>Watermelon Pro­duc­tions Colom­bo und ihr Mann legen gros­sen Wert dar­auf, uns nicht nur dür­re Wor­te, son­dern dar­über hin­aus kul­tu­rel­le Deu­tun­gen zu ver­mit­teln. Unser spon­ta­ner Kino-Besuch vom Vor­abend — ein <href”http://www.youtube.com/watch?v=qZlUUYL96Qk”>Sri Lan­ki­scher Action Film ohne Unter­ti­tel (!) — nach Bol­ly­wood-Mus­ter inklu­si­ve Mord- und Tot­schlag à dis­cre­ti­on, Lie­bes­ge­schich­ten mit schwin­del­erre­gen­den Tanz­sze­nen und einem laut­stark mit­ge­hen­den Publi­kum — ent­lockt den bei­den die Bemer­kung, sie hät­ten uns schon kul­tu­rell wert­vol­le Tipps geben kön­nen… Wir glau­ben aber trotz aller Film­kli­schees, dass wir wie­der ein Stück mehr über den sin­gha­le­si­schen Teil der Sri Lan­ki­schen Gesell­schaft begrif­fen haben.

Beim gest­ri­gen Besuch auf dem Gemü­se-Früch­te-Fleisch-Schuh-Klei­der-Coif­feur-Haus­halt­ge­rä­te-Unter­hal­tungs­elek­tro­nik-Markt, gera­ten wir plötz­lich an eine «ech­te» Schlä­ge­rei, wie im erwähn­ten Action­film gese­hen. Plötz­lich hören die Män­ner auf mit dem Gezänk — ein fet­ter Film-Regis­seur greift ins Gesche­hen ein. Vier Kame­ra­leu­te kon­trol­lie­ren, ob die Action-Sze­ne für den nächs­ten Kino­hit im Kas­ten ist. Die­sen Film wer­den wir in Euro­pa wohl kaum zu sehen bekom­men.

 
Dann letz­ter Spa­zier­gang zum «Bundeshaus»-Brunnen Colom­bo. Wer hat’s erfun­den?

 
11.06.2014  Flug­ha­fen Colom­bo

6 Kilo­gramm Über­ge­päck — kein Durch­kom­men beim Dra­chen  am Check in-Schal­ter



ENDE
       

 

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