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Widerstand lohnt sich!

Man kann es nicht oft genug wie­der­holen: Schweigen ist keine Option. Die Komplizenschaft und Kooperation unserer Regierungen mit dem Terrorstaat Israel kann nur von uns Bürgerinnen und Bürgern durch stö­renden, wirk­samen Widerstand gestoppt werden. Doch das ist schneller gesagt als getan und braucht einen langen Atem.

Überall im Westen setzen rechts­po­pu­li­sti­sche Kreise in Kooperation mit Israel-Lobbyist:innen jeg­li­cher Couleur alles daran, Israel-Kritik und Engagement für Palästina zu kri­mi­na­li­sieren. Dabei schrecken sie nicht vor mas­siven Einschränkungen der sonst bei jeder Gelegenheit so hoch gelobten Meinungs- und Demonstrationsfreiheit zurück. Nicht nur hier­zu­lande wurden wie­der­holt Veranstaltungen ver­boten, Redner:innen dis­kre­di­tiert und Demonstrierende bedroht.

Für viel Aufsehen sorgte letzten Sommer der Entscheid der bri­ti­schen Regierung, welche die Aktivistengruppe «Palestine Action» PA als «ter­ro­ri­sti­sche Organisation» ein­ge­stuft und ver­boten hat.

Dies, obschon die 2020 gegrün­dete Aktionsgruppe keinen ein­zigen Terroranschlag verübt oder geplant hat! Sie fokus­siert einzig und allein auf gezielte Sabotageakte gegen Rüstungsunternehmen, die Waffen für Israel pro­du­zieren – mit dem Ziel, deren Produktion und Lieferketten zu stören. Frei nach dem von David Graeber geprägten Motto: «Mit Protesten bit­test du die Machthaber, einen Brunnen zu graben. Die direkte Aktion gräbt den Brunnen und for­dert sie heraus, dich zu stoppen.»

So kenn­zeich­neten Aktivist:innen von «Palestine Action» regel­mässig Produktionsstandorte des israe­li­schen Rüstungskonzerns Elbit Systems sowie dessen Zulieferer mit blut­roter Farbe. Für beson­ders dicke Schlagzeilen sorgte im Sommer 2024 eine Aktion, bei der es sechs Aktivist:innen gelang, in eine Elbit-Fabrik bei Bristol ein­zu­bre­chen und dort für den Kriegseinsatz kon­stru­ierte Quadcopter zu beschä­digen. Sie wurden dar­aufhin fest­ge­nommen und wegen «schweren Diebstahls», «Sachbeschädigung» und «gewalt­tä­tiger Unruhen» ange­klagt. Von Terrorismus jedoch war auch hier nie­mals die Rede. 

Als Reaktion auf das rigo­rose Terror-Verdikt der Regierung Starmer, pro­te­stierten seit dem Sommer 2025 Hunderttausende in den Strassen Englands. Dies, obschon Mitgliedschaft oder Unterstützung von «Palestine Action» infolge der Terror-Einstufung mit einer Gefängnisstrafe von bis zu 14 Jahren geahndet werden konnte.

Schon ein Schild mit der Aufschrift «Ich bin gegen Genozid und unter­stütze Action for Palestine» reichte für eine Festnahme und Anklage. Die Polizei knüp­pelte die Demonstrierenden regel­mässig brutal nieder, Tausende wurden ver­haftet und ange­klagt. Unter den Protestierenden waren auch auf­fal­lend viele Rentner:innen, die der Polizei sto­isch die Stirn boten, indem sie pas­siven Widerstand lei­steten und immer wieder auf die Menschenrechte auf­merksam machten, die von der Staatsmacht buch­stäb­lich mit Füssen getreten wurden.

Die Protestbewegung zugun­sten «Palestine Action» zog immer wei­tere Kreise. Eine Gruppe von inhaf­tierten Aktivist:innen trat im November 2025 in den Hungerstreik. Was zur Folge hatte, dass nun auch all jene kri­mi­na­li­siert wurden, welche die Hungerstreikenden mit Transparenten in den Strassen Englands unter­stützten. Unter ihnen Greta Thunberg, die sich im Dezember 2025 in London mit einem Protestschild vor das Gebäude einer Versicherung, die Elbit Systems ver­si­chert, setzte – und umge­hend ver­haftet wurde.

Am letzten Freitag, dem 13. Februar 2026 dann der grosse Paukenschlag: Der Oberste Gerichtshof in London erklärte die Einstufung von «Palestine Action» als Terrororganisation für «rechts­widrig und unrecht­mässig», das von der bri­ti­schen Regierung erlas­sene Verbot müsse auf­ge­hoben werden!

Damit hat das Gericht die Klage der «Palestine Action»-Mitbegründerin Huda Ammori gegen das Verbot und die Kriminalisierung der Organisation gut­ge­heissen – und die Regierung deut­lich in ihre Schranken ver­wiesen. Zwar hat diese mitt­ler­weile bereits erklärt, sie wolle das Gerichtsurteil wei­ter­ziehen. Ob sie es dann tat­säch­lich tun und damit auch Erfolg haben wird, ist jedoch offen.

Zehn Tage vor dem Urteil des London High Court sind näm­lich bereits die sechs Aktivist:innen des Anschlags von Bristol von allen Anklagepunkten frei­ge­spro­chen worden. Dies, obschon fünf der sechs Angeklagten zuge­geben hatten, dass sie die Fabrik unbe­fugt betreten und Geräte von Elbit beschä­digt hätten, gab es keine Verurteilungen.

Die Aktivist:innen sind nun, nach 18 Monaten im Gefängnis, wieder auf freiem Fuss. Nach dem Urteil kom­men­tierte die Mutter eines Freigesprochenen gegen­über dem Guardian: «Unsere Angehörigen haben es gewagt, diesem Monster (gemeint ist Elbit – Anm. Red.) die Stirn zu bieten – des­halb wurden keine Kosten gescheut, sie zu über­wa­chen, straf­recht­lich zu ver­folgen und ohne Gerichtsverfahren zu inhaf­tieren. – Stellen Sie sich vor, die Regierung hätte den­selben Geldbetrag, die­selben Ressourcen und den­selben poli­ti­schen Willen in die Verhinderung eines Völkermords gesteckt…»

Auch in diesem Gerichtsverfahren ist noch nicht das letzte Wort gespro­chen. Widerstand braucht einen langen Atem. Trotzdem zeigt sich, dass die Justiz in unseren Rechtsstaaten Fehlleistungen der Politik zumin­dest ein Stück weit kor­ri­gieren und dem Recht zur Durchsetzung ver­helfen kann. So, wie dies in der Schweiz auch im Fall des seiner Freiheit beraubten Journalisten Ali Abunimah geschehen ist.

Und noch eine ermu­ti­gende Nachricht erreicht uns aus England: Die bri­ti­sche Regierung hat, wohl auch auf­grund des mas­siven Drucks, nicht zuletzt auch der Hungerstreikenden, einen Grossauftrag in der Höhe von 2 Milliarden Pfund zum Training eng­li­scher Truppen nicht wie ursprüng­lich geplant an Elbit Systems vergeben.

Übrigens: Elbit Systems hat auch eine Niederlassung in der Schweiz, sowie eine Reihe von Zulieferfirmen. Darüber hinaus hat die Schweizer Armee beim israe­li­schen Rüstungskonzern für 600 Millionen Franken Drohnen und Funkgeräte ein­ge­kauft. – Bislang konnten weder par­la­men­ta­ri­sche Vorstösse noch Petitionen oder Demonstrationen die mili­tä­ri­sche Zusammenarbeit zwi­schen dem israe­li­schen Terrorstaat, seiner Rüstungsindustrie und der Schweiz bremsen, geschweige denn stoppen…


Kommentar im Guardian vom 16. Februar 2026 zur Aufhebung des Verbots von «Palestine Action» durch das Londonder Gericht:

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5 Antworten auf „Widerstand lohnt sich!“

  1. Grossbritannien ist seit dem Brexit ein Land im Abstieg. Bei den näch­sten Wahlen droht gar eine Mehrheit für die rechts­extreme Partei “Reform UK” von N. Farage.
    Aber noch ist Starmer am Drücker, leider. Als Person ist er ein gren­zen­loser Opportunist. Als Politiker eine Enttäuschung. Er hat sich mit einem linken Regierungsprogramm die Nomination von Labour abgeholt.
    Effektiv betreibt er eine zahn- und mut­lose Politik, mehr Tony Blair als Corbyn. Linke Unterhausabgeordnete werden aus der Fraktion aus­ge­schlossen oder ver­lassen sie frei­willig. Corbyn war der Erste.
    Jüngst gab es etwas Wind aus den Kreisen der Labourlinken: Sie wollen unter dem Namen “YourParty” eine Partei links von Labour gründen. Ob sowas gelingen kann, ist frag­lich: Der Gründungskongress war chao­tisch. Zudem sind die Grünen im Aufwind. Die Tories stehen auch mit dem Rücken zur Wand.
    Aus meiner Sicht ist das UK ein Sanierungsfall. Gut, dass wenig­stens die Rechtssprechung noch funktioniert.

  2. Terrorismus. RAF-Bomben zer­rissen Körper. Leichenteile auf Asphalt. Baader-Meinhof lähmte Deutschland in blu­tiger Panik. Italiens Rote Brigaden mor­deten. ETA-Sprengsätze jagten Spanien in Schockstarre. Echtes Blut.
    Heute. Farbkleckse auf Elbit-Fassaden. Sabotierte Drohnen. Schon Terrorist. 14 Jahre Knast. So stirbt ein Wort. Baader-Meinhof und Farbbeutel gleich­ge­setzt. Terrorist bedeutet nichts mehr.
    Und in dieser Leere ver­steckt sich der echte Terrorist. Einst hieß er Widerstand. Frankreich die Résistance. Die Ukraine ihre Partisanen. Denkmäler. Nationalstolz. Heute kri­mi­na­li­siert der Staat den Widerstand. Nennt ihn Terrorist. Damit nie­mand hinschaut.
    Denn der Staat begeht Demozid. Staatlich. Legal. Gefördert. Er tötet Tausende für Waffenverträge. Der neue Terrorist trägt keinen Rucksack. Er unter­zeichnet sie.
    So stirbt Demokratie. Nicht durch Farbbeutel. Durch Regierungen, die Demozid begehen und es Sicherheitspolitik nennen.
    Schweigen ist Verrat.

    1. Der Gipfel des Ganzen: Israel und die euro­ame­ri­ka­ni­sche Sphäre betrachten PalästinenserInnen grund­sätz­lich als Terroristen. Obwohl sie völ­ker­recht­lich dazu befugt sind, sich gegen den israe­li­schen Besatzer auch bewaffnet zu wehren.
      Es gibt zu diesem Thema echt kranke Reden. Diese hier, zum Beispiel: von Moshe Feiglin, ex-Knesset-Abgeordneter:
      https://youtu.be/gr9X0bDmi‑Q?si=3Hmo_9YirHDdHxDR
      Der Glaubenssatz “Wir sind das aus­er­wählte Volk Gottes” macht blind für die Realität. Immerhin spricht er das Wort “Kolonisierung” aus. Wenn ich das sagen würde, wäre ich ein “Antisemit”. Case resolved.

  3. Es gibt noch wei­tere erfreu­liche Infos betr. Widerstand:
    Ali Abunimah hat mitt­ler­weilen auch gegen die Schweizer Ex-Fedpol-Chefin Nicoletta della Valle Strafanzeige wegen Amtsmissbrauch eingereicht.
    Und bereits im September 2025 haben inter­na­tional renom­mierte Menschen- und VölkerrechtlerInnen zusammen mit dem (bri­tisch-ira­ki­schen) israe­li­schen Historiker Prof. Avi Shlaim, seines Zeichens eme­ri­tierter Professor für inter­na­tio­nale Beziehungen (Universität Oxford), bei der eng­li­schen Regierung im Namen von 15 PalästinenserInnen, die alle von der Nakba und der Naksa tan­giert sind, eine Petition: https://​www​.bri​taino​wes​pal​e​stine​.org/ betr. Reparationen eingereicht:
    “The ongoing suf­fe­ring in Palestine can be directly traced to Britain’s vio­la­tions of inter­na­tional law bet­ween 1917 and 1948.
    We need your sup­port in urging the British Government to for­mally ack­now­ledge Britain’s role, issue a sin­cere apo­logy, and pro­vide meaningful repa­ra­tions to the Palestinian people.”

    1. Danke T.E. Genau das muss gesagt werden.
      Der Rechtsstaat bröckelt. Was della Valle tat, war kein Verwaltungsfehler. Es war poli­ti­scher Auftragsmissbrauch im Dienst fremder Interessen. Dass sie kurz danach zur israe­li­schen Investmentfirma Champel Capital wech­selte, sagt alles über die Tiefe dieser Verstrickung. Ali Abunimah zwingt sie zur Rechenschaft.
      Dasselbe Muster zeigt die bri­ti­sche Petition. Zwei Kings Counsel, inter­na­tio­nale Völkerrechtler und der Historiker Prof. Avi Shlaim benennen, was Regierungen jahr­zehn­te­lang ver­wei­gerten: Nakba und Naksa waren keine Naturkatastrophen. Sie hatten Architekten. Und die sassen in London.
      Deutschland zahlte. Südafrika ent­schul­digte sich. Nur Palästina bleibt die Ausnahme. Weil die Täter noch immer liefern.
      Straflosigkeit kennt keine Ewigkeit.

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