
Gerade in der heutigen Zeit, wo Meldungen über Kriegsgräuel und Aufrüstungs-Debatten die Schlagzeilen in unseren Medien dominieren, hätte man sich gewünscht, dass wenigstens anlässlich der Berichterstattung rund um die traditionellen Ostermärsche über Alternativen zur aktuellen Politik und Frieden berichtet würde.
Doch weit gefehlt! Die mehr als 2000 Menschen, die anlässlich des Ostermarschs in Bern und dem Bodensee-Friedensweg in Bregenz am Ostermontag für «Friedensfähig statt kriegstüchtig» plädierten, waren den meisten Medien keine Zeile wert. Dies, obschon in Bern mit Swisspeace-Direktor Laurent Goetschel eine wichtige Stimme der Schweizer Friedensforschung zu den Rednern zählte.
In Bregenz zeigte die aus Wien angereiste Klimapionierin Helga Kromp-Kolb in ihrem eindrücklichen Referat auf, wie eng die fortschreitende Klimakatastrophe mit Krieg und Aufrüstung verknüpft ist – und welche Lösungsansätze dringend notwendig sind, um diese tödliche Eskalationsspirale zu stoppen.
Die Organisator:innen des Bodensee-Friedenswegs hatten ein vielseitiges Programm auf die Beine gestellt, das die Zusammenhänge zwischen Aufrüstung, Kriegstreiberei, Klimaerhitzung und Ressourcenverschwendung vor Augen führte. Interdisziplinäres Denken und Wissen, die es kaum je in unsere Mainstream-Medien schaffen.
Diese verzichteten denn auch weitgehend auf eine Berichterstattung über den Anlass*. Stattdessen missbrauchte der Moderator der SRF-Tagesschau das Bild einer Osterdemo und den aktuellen pazifistischen Slogan «Friedensfähig statt kriegstüchtig» als Hintergrund für die Anmoderation eines Berichts über eine Promo-Veranstaltung der deutschen Bundeswehr.
Und in den TA-Medien im Raum Bern erhielt Ex-GSoA-Vorstandsmitglied und Vor-vielen-Jahren-einmal-Pazifist Peter Sigerist eine fast ganzseitige Plattform, um zu erklären, warum er sich von der Friedensbewegung abgesetzt hat.
Es ist nicht das erste Mal, dass sich der pensionierte Gewerkschaftssekretär und einstige Mitbegründer des Grünen Bündnis Bern medial mit seinem Gesinnungswandel brüstet und sich herablassend über sein früheres Umfeld äussert, das sich weiterhin für Frieden und Abrüstung engagiert.
Sigerist, der für das Pressebild vor der ukrainischen Botschaft posierte, macht sich für die Aufrüstung der Schweizer Armee «im Bereich von Drohnen, Fliegerabwehr und Cyberkrieg» stark, wohingegen schwere Waffen in die Ukraine zu liefern seien, «dorthin, wo die Demokratie verteidigt wird.» – Heuchlerischer geht es nimmer. Im Klartext heisst das nämlich nichts anderes, als dass die ukrainischen Soldaten und die dortige Zivilbevölkerung weiterhin als Kanonenfutter zur Verteidigung «unserer» Demokratie geopfert werden sollen…
Damit nicht genug. «Die regelbasierte Weltordnung fällt auseinander», stellt Sigerist im Interview weiter fest und folgert daraus, dass der von der UNO verabschiedete Atomwaffenverbotsvertrag Makulatur sei. Das Engagement für die von der SP, den Grünen und einer breiten Koalition weiterer Organisationen lancierten die Atomwaffenverbotsinitiative, die den Bundesrat zur Unterzeichnung des Atomwaffenverbotsvertrags verpflichten will, bezeichnet er denn auch als «vergebliche Liebesmüh».
Es ist absolut unverständlich und ärgerlich, dass Sigerist seine Thesen unwidersprochen und ohne Nachfrage von Seiten des Journalisten medial verbreiten kann. Ihn mit der Frage zu konfrontieren, wie denn seiner Meinung nach ein Atomkrieg zu verhindern ist, wäre angesichts der aktuellen Situation journalistische Pflicht gewesen.
Fakt ist nämlich: Gerade weil die Weltordnung auseinanderzufallen droht, braucht es die Stärkung der UNO und internationaler Vertragswerke. Das ist heute nicht anders als es in den 1950er Jahren war, als sich Wissenschaftler:innen und Friedenspolitiker:innen weltweit der Aufrüstungsspirale widersetzten. Dieser Widerstand ist heute genauso nötig und gerechtfertigt wie damals.

Die gute Nachricht: Diesen Widerstand gibt es, genauso wie vielfältige Ansätze für einen gewaltfreien Umgang mit Konflikten. Diese Stimmen werden aber von den Mainstream-Medien sowie vielen Politiker:innen nicht ernst genommen. Statt dass man ihnen das notwendige Gehör verschafft, werden sie unterdrückt – und lächerlich gemacht.
So auch in der mageren Berichterstattung über die gestrige Demo in Bern, die sich darin gefällt, die Friedensbewegung erneut zu disqualifizieren und Teilnehmerinnen am Ostermarsch mit Suggestivfragen dazu zu bringen, sich selber der Naivität bezichtigen. «Dann bin ich halt naiv, doch ich kann nicht aufhören, mich für den Frieden einzusetzen», wird etwa eine Teilnehmerin vom Berner Ostermarsch in Bund und BZ zitiert.
Vielleicht ist ja gerade das Gegenteil der Fall? Genauso gut – oder vielleicht sogar noch zutreffender — könnte man nämlich all jene fragen, die jetzt wieder nach Kriegstüchtigkeit, Aufrüstung und nuklearer Abschreckung rufen, ob ihr Kalkül nicht auf falschen Hoffnungen beruht und es nicht naiv sei, sich davon mehr Sicherheit zu versprechen.
Fakt ist, dass wir uns die aktuell angesagte Aufrüstung und das endlose Weiterkriegen gar nicht leisten können. Weder finanziell noch ökologisch. Wir brauchen andere Wege, um unsere Probleme und Konflikte zu lösen. Auch die gegenwärtigen Freundinnen und Freunde der Aufrüstung werden aufstöhnen , wenn es ihnen, angesichts der neuen, irrsinnigen Militärausgaben, schon bald ans eigene Portemonnaie geht. Erfahrungsgemäss liegt dieses nämlich den meisten näher, als «Demokratieverteidigung», weit weg vom eigenen Gärtli.

*Eine Ausnahme gibt es: Auf Infosperber hat Hans Steiger, ehemaliger Zürcher SP-Kantonsrat und bis heute überzeugter Friedensaktivist, einen ebenso inspirierenden wie informativen Essay geschrieben, über «Ostermanifestationen für den Frieden: Eine politische Tradition in schwieriger Zeit»:

Pazifismus in Ehren – zur aktuellen Weltlage liefert er aber statt einer hilfreichen Antwort nur schöngeistige Gemeinplätze.
Dass all die Rüstungsgelder umwelt- und klimaschädlich sind und eigentlich besser für gescheitere Zwecke verwendet würden, ist eh allen klar – dazu braucht es keine Friedensmärsche.
Allerdings: Die gegenwärtige westliche Aufrüsterei ist allein dem aggressiven Kremlherrscher zuzuschreiben. Auch das unverdächtige Friedensforschungsinstitut Sipri sagt: Russland vergrössert derzeit seine Kriegsmaschinerie weit über die Erfordernisse der Ukraine-Eroberung hinaus (“Echo der Zeit” 22.4.25). Ob Putin weitere Feldzüge im Schilde führt, weiss nur er selber. Aber genügend militärische Abschreckung ist sinnvoll. Unter die Kontrolle eines totalitären, reaktionären Regimes à la Russland wollen wir jedenfalls nicht geraten, oder?
Und nun komme man nicht mit dem geopolitischen Geschwurbel von den “legitimen Sicherheitsinteressen” Russlands: Von der Nato – die im Baltikum schon längst an das Land grenzt – hat Russland gewiss keine Invasion zu befürchten. Der Kapitalismus macht nämlich lieber Business als Krieg (mal abgesehen von den Aktionären der Rüstungsindustrie). Wenn Putin sich einfach um das Wohlergehen seines Volkes kümmern würde, gäbe es die westliche Aufrüstungswut nicht.
Richtig ist allerdings auch, dass es auf die Art dieser Aufrüstung ankommt: Defensive Systeme sind richtig – Offensives wie Langstreckenraketen, die Moskau erreichen können, sind kontraproduktiv und falsch.
Lieber Frédéric
danke für deinen ausführlichen Kommentar und deine Gedanken! – Mir ist bewusst, dass keine und keiner von uns das Böse aus dieser Welt schaffen kann. «Gott verlangt nicht von uns, dass wir die Welt auf unseren Schultern tragen», hat kürzlich eine christliche Friedensaktivistin aus Burundi zu mir gesagt. «Er erwartet von uns aber, dass wir stören, überraschen und dadurch die Welt verbessern.»
Der Glaube an Gott und Jesus ist kein Ersatz dafür, sich für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen. Im Gegenteil: Es kommt nicht von ungefähr, dass zahlreiche kirchliche Organisationen und gläubige Christ:innen seit Jahrzehnten in der Friedensbewegung aktiv sind und die Ostermärsche entscheidend mitgestalten. – Auch der gestern verstorbene Papst Franciscus wurde nicht müde, die Menschen zum Verhandeln und zum Frieden zu ermahnen. In diesem Sinn sehe ich keinen Widerspruch zwischen deinen Ausführungen über Sünde und Christentum und unseren irdischen Verpflichtungen, namentlich in Bezug auf Menschenrechte und Solidarität.
Hallo Gabriela,
nous asprions tous à la paix, mais malheureusement l’Homme n’en n’est pas capable. L’Humanisme, aussi beau que nous voudrions le faire paraître, n’arrivera jamais à atteindre les objectifs désirés.
Pourquoi ? parce que nous sommes gangrénés par le péché et que la plupart des humains refusent de le reconnaître. Nous n’aimons pas parler du péché, il reflète certainement trop notre égoïsme. Et nous sommes tous les mêmes à ce sujet. Peut-être parce que par définition, le péché est un acte, une pensée ou une omission qui va contre la volonté de Dieu. Et de nos jours, citer le péché et Dieu produit des réactions assez poussées chez certaines personnes.
Pourtant, nous avons la chance d’avoir reçu une solution pour ce côté sombre qui nous habite tous, et osons le nommer par son nom “le péché”. Pour remédier à ce problème, même si certaines personnes prétendent que ce n’en est pas un (??), Dieu nous a donné le moyen d’en être délivré, libéré, au travers de son fils Jésus-Christ.
Car Dieu a tant aimé le monde qu’il a donné son Fils unique, afin que quiconque croit en lui ne périsse point, mais qu’il ait la vie éternelle. Dieu, en effet, n’a pas envoyé son Fils dans le monde pour qu’il juge le monde, mais pour que le monde soit sauvé par lui.… (La Bible – Jean 3:16–17). Ceci produit en nous une paix intérieur qui vient de Dieu. Et la Paix de Dieu, c’est la tranquillité intérieure que Dieu donne, indépendamment des circonstances.
Dans ce monde bouleversé dans lequel nous vivons, nos efforts de paix sont tellement limités. Alors oui, nous pouvons créer des mouvements pour la paix, faire des manifestions pour la paix … mais malheureusement sans grands succès et dès qu’il y a un succès quelque part, un autre problème resurgit ailleurs. C’est pour cette raison que Dieu nous averti – la terre chancelle comme un homme ivre, Elle vacille comme une cabane; Son péché pèse sur elle, Elle tombe, et ne se relève plus – et nous n’aimons pas cela et pensons pouvoir par nous-même changer le monde. Désolé de devoir te décevoir Gabriela, mais malheureusement nous n’y arriverons pas par nous-même, il faut que le coeur de l’Homme change en premier. Et cette compétence nous ne l’avons pas par nous-même, même avec toute la peine que nous pourrions nous donner. Alors oui, nous pouvons nous “améliorer” mais changer notre coeur, seul Dieu peut le faire par Jésus-Christ, le Sauveur du monde.
Dieu nous aime, qui que nous soyons, mais c’est à nous d’accepter son amour et son pardon qui produit la paix.
Avec mes salutations les meilleures et un retour (facultatif) me ferait plaisir.
Frédéric Moser