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Wenn Gesetze Unrecht schaffen

Mit Entsetzen stelle ich immer wieder fest, wie gross die Lücken in der Berichterstattung unserer Medien sind. Gerade, wenn es um Israel und dessen Verbrechen geht. Diese werden immer drei­ster und ver­gleich­barer mit dem Agieren von Nazi-Deutschland, auf ver­schie­denen Ebenen.

So seg­nete das israe­li­sche «Sicherheitskabinett» zum Beispiel am Sonntag, 8. Februar neue Gesetze ab, die es jüdi­schen Israelis ermög­li­chen, im von Israel unrecht­mässig besetzten Westjordanland Boden zu kaufen. Sogar in den Zonen A und B, die offi­ziell unter palä­sti­nen­si­scher Verwaltung stehen.

Schon lange reissen israe­li­sche Siedler unrecht­mässig palä­sti­nen­si­sches Land an sich, indem sie die Einheimischen mit Gewalt ver­treiben, ihre Dörfer zer­stören und ihre Felder ver­wü­sten. Bereits heute leben im Westjordanland über eine halbe Million jüdi­scher Kolonialisten in illegal erstellten Siedlungen auf palä­sti­nen­si­schem Boden.

Mit der Gesetzesrevision will das israe­li­sche Regime seine völ­ker­rechts­wid­rige Annexion von Boden in der Westbank und in Ostjerusalem auf eine pseudo-legale Basis stellen und die Vertreibung und Verdrängung der palä­sti­nen­si­schen Bevölkerung weiter beschleu­nigen. Mit dem erklärten Ziel, das israe­li­sche Staatsgebiet (min­de­stens) vom Jordan bis zum Mittelmeer aus­zu­dehnen. Gross Israel – from the river to the sea…

Wir kennen das Modell aus der deut­schen Vergangenheit. Die Nazis haben treu nach dem Buchstaben ihrer men­schen­ver­ach­tenden Gesetze gehan­delt und nach dem Krieg ver­sucht, sich her­aus­zu­reden mit der unge­heu­er­li­chen Schutzbehauptung, in Nazideutschland hätten Gesetzte gegolten, denen man sich unter­zu­ordnen hatte. Genauso argu­men­tiert der Unrechtstaat Israel.

Die UNO ver­ur­teilte die Verabschiedung der neuen Gesetze umge­hend. Sämtliche israe­li­schen Siedlungen im besetzten Westjordanland und Ostjerusalem, sowie die damit ver­bun­denen Regime und die zuge­hö­rige Infrastruktur seien illegal und würden das Völkerrecht sowie wich­tige Resolutionen der Vereinten Nationen in fla­granter Weise ver­letzten, stellte UNO-Sprecher Stéphane Dujarric klar.

Israels Handeln sei in diesem Fall nicht bloss desta­bi­li­sie­rend, son­dern ein­deutig rechts­widrig und würde den einzig mög­li­chen Weg – die Verhandlungen für eine Zweistaatenlösung – end­gültig zer­stören, so der Sprecher weiter.

Und wie berichten die Schweizer «Leitmedien» über diese Verurteilung durch die UNO?

Die NZZ wid­mete den Beschlüssen des israe­li­schen Sicherheitskabinetts und deren Auswirkungen unter dem Titel «Israel baut seine Kontrolle über das Westjordanland aus» einen län­geren Artikel. Allerdings erfährt die Leserin darin nichts über Israels Missachtung des Völkerrechts – erwähnt wird einzig, Palästinenserpräsident Abbas hätte die Beschlüsse ver­ur­teilt und die Hamas würde zum Widerstand aufrufen.

Auch die CH-Media und die TA-Titel erwähnen mit keinem Wort, dass Israel mit diesem Schritt das Völkerrecht einmal mehr mit Füssen tritt. Beide Medienhäuser stützen sich bei ihrer Berichterstattung auf eine Meldung der Deutschen Depeschenagentur DPA, in wel­cher immerhin erwähnt wird, dass die EU sowie die Türkei und «andere mus­li­mi­sche Länder» die israe­li­schen Beschlüsse ver­ur­teilten, die «unter anderem Regelungen, die den Landkauf von Siedlern ver­hin­dert haben, abschaffen.»

Bei einem wei­teren Gesetz, das aktuell in Israel zur Debatte steht, geht es um die Einführung der Todesstrafe für Palästinenser:innen, bei einem Schuldspruch für Planung oder Durchführung eines Anschlags.

Die Gesetzesvorlage sieht vor, dass Täter im besetzten Westjordanland vor ein israe­li­sches Militärgericht gestellt und zum Tod ver­ur­teilt werden, wenn sie den Tod eines Menschen zu ver­ant­worten haben – egal ob beab­sich­tigt oder ein Unfall, Notwehr. In Israel und dem besetzten Ostjerusalem hin­gegen wäre ein ziviles Gericht zuständig und die Todesstrafe würde einzig fällig bei «beab­sich­tigter Tötung eines Bürgers oder Bewohners von Israel».

Bemerkenswert: Das Gesetz gilt nur für Palästinenser:innen. Jüdische Israelis, die Palästinenser:innen unter ver­gleich­baren Umständen töten, müssen keine Todesstrafe gewär­tigen… Damit unter­mauert Israel seine men­schen­ver­ach­tende gän­gige Praxis, wonach jüdi­sche Täter:innen kaum je bestraft und Palästinenser:innen für die kleinste Bagatelle, oft auch grundlos ins Gefängnis geworfen werden.

Es erstaunt denn auch nicht, dass UN-Rechtsexperten auch bei diesem Gesetz inter­ve­niert und Israel dazu auf­ge­rufen haben, die Vorlage zurück­zu­ziehen. Ihre Begründung: «Obligatorische Todesurteile stehen im Widerspruch zum Recht auf Leben. Durch die Aufhebung des Ermessensspielraums von Justiz und Staatsanwaltschaft ver­hin­dern sie, dass ein Gericht die indi­vi­du­ellen Umstände, ein­schliess­lich mil­dernder Umstände, berück­sich­tigt und eine ange­mes­sene Strafe verhängt».

Auch in Israel gibt es kri­ti­sche Stimmen gegen die geplante Einführung der Todesstrafe für Palästinenser:innen. Nichtsdestotrotz hat das Regime bereits mit Vorbereitungen zu dessen Umsetzung begonnen: Laut dem israe­li­schen TV-Sender Channel 13 plant die israe­li­sche Strafvollzugsbehörde den Bau einer spe­zi­ellen Einrichtung für die Vollstreckung von Hinrichtungen, die Festlegung der erfor­der­li­chen Verfahren und die Schulung von Personal.

Für die Unterbringung und Hinrichtung der Verurteilten, soll ein sepa­rater Komplex mit dem Namen «Israel’s Green Mile» erstellt werden. Die Todeskandidat:innen werden iso­liert ein­ge­sperrt und innert 90 Tagen durch Erhängen hin­ge­richtet – so die Gesetzesvorlage. Das Modell könnte man «Plötzensee 2» nennen.

Die UNO-Experten spre­chen in ihrer Stellungnahme Klartext: «Erhängen kommt nach inter­na­tio­nalem Recht Folter oder einer anderen grau­samen, unmensch­li­chen oder ernied­ri­genden Strafe gleich.»

Sie benennen zudem die will­kür­li­chen Verhaftungen und Verschleppungen von Palästinenser:innen durch das israe­li­sche Militär- und Justizsystem, die syste­ma­ti­schen Verstösse gegen ord­nungs­ge­mässe Verfahren, die unmensch­li­chen Zustände in den israe­li­schen Gefängnissen…

Trotzdem pro­du­ziert Israel andau­ernd neue Gesetze, um den Verbrechen des israe­li­schen Staates ein allzu durch­sich­tiges Mäntelchen umzuhängen.

Die Schweiz und ihr lei­se­tre­te­ri­scher Aussenminister werden nicht müde, im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit anderen Staaten «Good Governance» bei­zu­bringen. Im Falle von Israel braucht es jedoch weder Workshops noch Powerpoint Lektionen, son­dern das längst über­fäl­lige Sanktionieren und Abstrafen des Regimes und seiner Profiteure.


Weiterführende Lektüre: Ein erschüt­ternder Report über die Zustände und Foltermethoden in israe­li­schen Gefängnissen:

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Eine Antwort auf „Wenn Gesetze Unrecht schaffen“

  1. Ich stimme zu. Der durch­schnitt­liche Wissenstand, was die Geschichte von Palästina, aber auch den WWII anbe­langt, ist in der Schweiz bedau­er­lich niedrig.
    Wer nicht gut Englisch kann, hat im deutsch­spra­chigen Raum kaum Chancen durch die öffent­lich-recht­li­chen Medien oder durch die eta­blierten Zeitungen ange­mes­sene Informationen zu bekommen.
    Ich habe mir gestern auf YT “MakdisiStreet” ange­schaut, ein Podcast, den Edward Saids Neffen: Saree, Ussama und Karim – alle drei Professoren (Literatur, Geschichte, Geopolitik) – zwei an der UC Berkley, der dritte an der Amerikanischen Universität in Beirut, hosten.
    Zu den rund 9’100 illegal in israe­li­schen Folgergefängnissen ein­ge­ker­kerten palä­sti­nen­si­schen Verurteilten und Detainees – dar­unter Kinder, Frauen und Männer – möchte ich mich gar nicht äus­sern. Es ist schlichweg uner­träg­lich. Die Bilder der befreiten gefol­terten und ver­stüm­melten PalästinenserInnen beim Gefangenausstausch ver­folgen mich bis in meine Träume.

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