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Wenn Elefanten nicht mal
eine Maus gebären

Schon ist wieder eine Woche vorbei, seit dem Blitzflug unseres «Umweltministers» Albert Rösti an die Klimakonferenz in Belém. Gerade mal für zwei Tage ist er um die halbe Welt gejettet, um für die Schweiz an der COP30 irgend etwas zu bewirken. Ausgerechnet ein SVP-Bundesrat und langjäh­riger Auto- und Öllobbyist.

Auf inter­na­tio­naler Ebene gilt sein beson­deres Interesse dem Abschluss von Abkommen mit Drittweltländern, die billig finan­ziert aus Schweizer Geldern Klimazertifikate produ­zieren. Diese lässt sich unser Land der eigenen Klimabilanz gutschreiben, statt die vertraglich festge­legten CO2-Reduktionen wirksam direkt in der Schweiz zu erzielen.

Was vor 30 Jahren an der Umweltkonferenz von Rio hoffnungsvoll als globale Vision einer nachhal­tigen Zukunft begonnen hatte, ist mittler­weile zu einem peinlichen Theater verkommen, das hinter und vor den Kulissen von Handlangern der Wirtschafts- und Öl-Lobby dominiert wird.

Kein Wunder also, dass trotz sich häufender klima­be­dingter Katastrophen auch die COP30 – wie schon die Klimakonferenzen der letzten paar Jahre – letzt­endlich eine Nullnummer war. Daran konnte auch das ambitio­nierte Engagement der brasi­lia­ni­schen Gastgeber nichts ändern. – Allen Schönredner:innen zum Trotz: Eine Abschlusserklärung, die nicht einmal eine Absichtserklärung zum Ausstieg aus den fossilen Energien enthält, geschweige denn einen verbind­lichen Fahrplan dafür, ist ihr Papier nicht wert.

«Klimakonferenz: Rösti ist enttäuscht» verkün­deten denn auch die CH-Media Blätter am Montag, nachdem die zweiwö­chige Klimakonferenz trotz Verlängerung bis in die frühen Sonntag-Morgenstunde ohne handfeste Resultate zu Ende gegangen war. «Die Situation ist an einem schwie­rigen Punkt, grosse Differenzen machen sich bemerkbar», lässt sich unser Bundesrat zitieren. Die Schweiz, so Rösti, hätte eine Road-Map für den Ausstieg aus den fossilen Energien begrüsst und sich dafür stark gemacht.

Schöne Worte fürs heimische Publikum, die sich leicht daher­sagen lassen, niemandem wehtun und gut klingen. Zumal von vornherein klar war, dass ein für alle verbind­licher Fahrplan für die Energiewende keine Chance hatte. So war es denn auch ein Leichtes, die Schuld am Versagen der Konferenz den renitenten ölpro­du­zie­renden Staaten wie Saudiarabien und Russland sowie den in unseren Medien immer noch als «Schwellenländer» bezeich­neten Industriemächten China und Indien in die Schuhe zu schieben.

Aber seien wir ehrlich: Unter Bundesrat Rösti haben Klimaschutz und das Engagement gegen die Auswirkungen der Klimaerhitzung auch in der Schweiz einen margi­nalen Stellenwert. Darüber liess der SVP-Politiker auch in Belém keinen Zweifel aufkommen, als er anlässlich einer Medienkonferenz klarstellte, dass die Schweiz nicht bereit sei, weitere Mittel für eine inter­na­tional gerechte Energiewende bereit­zu­stellen – steigende Ausgaben für Militär, Infrastruktur oder Soziales würden unseren Staatshaushalt schon genug belasten, so Rösti.

Während er gross­zügig Mittel locker macht für Studien zur Rechtfertigung des (notabene von der Bevölkerung abgelehnten) weiteren Autobahnausbaus oder für (ebenfalls vom Volk verworfene) neue AKWs, zeigte sich unser «Umweltminister» in Bezug auf Klimaschutz bereits im Vorfeld der COP30 knausrig und schickte nur eine Mini-Delegation aus seinem Departement an die Verhandlungen nach Brasilien. Mit entspre­chenden Konsequenzen, wie etwa die Reporter von Radio DRS aus Belém im Tagesgespräch vom 20. November berichteten.

Die Schweiz durfte eine kleine Verhandlungsgruppe leiten, die jedoch kein Gewicht hatte und kaum wahrge­nommen wurde, wie die beiden SRF-Redaktoren Klaus Amman und Christian von Burg vor Ort beobachten konnten. Letzterer begleitete den deutschen Umweltminister Carsten Schneider auf eine Exkursion in den Regenwald.

Resultat: Deutschland verspricht, sich am von Brasilien initi­ierten Waldschutzfonds mit einer Milliarde Euro betei­ligen. Die Schweiz hingegen brillierte diesbe­züglich mit grösster Zurückhaltung und leistete anlässlich der COP30 gerade mal eine bescheidene 5‑Millionen-Spende an den Amazonien-Fonds.

Das kommt nicht von ungefähr: Als in Belém die Verhandlungen zum Klimaschutz bereits in vollem Gange waren, hatte unser «Umweltminister» Wichtigeres zu tun. So etwa am 14. November, als er im «Autohaus Hutter Dynamics» in Schaffhausen zu einem Auftritt vor Autoliebhaber:innen einge­laden war.

Als Festredner zur Präsentation des neusten BMW-SUVs (immerhin ein Elektromodell), referierte Rösti zum Thema «Mobilität der Zukunft». Bei dieser Gelegenheit verkündete er dem erfreuten Motorfahrpublikum unter anderem, das vor einem Jahr an der Urne verworfene Autobahnprojekt in Schaffhausen sei nicht vom Tisch und werde neu aufgelegt. 

Kein Einzelfall: Rösti wird nicht müde, mit viel Elan am Volkswillen vorbei­zu­re­gieren. Sowohl in der Verkehrspolitik wie auch bei der Umweltpolitik und beim Thema Energiewende bleibt er auch als Bundesrat der versierte Lobbyist, der auf Teufel komm raus Wachstum und Infrastrukturausbau voran­treiben will.

Nicht so kraftvoll legt sich der Departementsvorsteher des UVEK hingegen ins Zeug, wenn es um (persön­lichen) Umweltschutz und Vorbildwirkung geht. Die Schweizer Delegation (mit Ausnahme von Rösti) flog in der Economyklasse nach Brasilien, was gemäss myclimat pro Teilnehmer:in mit einem CO2-Fussabdruck von je 2,9 Tonnen zu Buche schlug. Unser Umweltminister hingegen flog im Bundesratsjet und prodzierte damit für die gleiche Strecke über 108 Tonnen CO2. Ein Elefant, im Vergleich mit den Delegationsmäuschen…

Eine Antwort auf „Wenn Elefanten nicht mal
eine Maus gebären“

  1. Alfred E. Neumann (als Politiker nennt er sich Albert Rösti) ist vollkommen scham­be­freit. Als Vertreter eines der reichsten Staaten scheut er sich nicht, die Knausrigkeit der Schweiz bzgl. Klimamassnahmen mit der “hohen Belastung unseres Budgets” zu begründen. Das ist nicht nur provokant, sondern ignorant und in dreierlei Hinsicht kreuzfalsch:
    1) Die Schweiz ist vom Klimawandel akut bedroht (nicht nur, weil der Nachschub von Kokosnüssen gefährdet ist). Die Alpen (mythen­be­la­denes Faltengebirge in Zentraleuropa) sind am zerbröseln. Blatten, Brienz GR. Viele weitere Siedlungen im Alpenraum haben ihr Haltbarkeitsdatum ebenfalls überschritten. Über Neumanns Heimatdorf Kandersteg kreisen auch bereits die Geier.
    2) Die teuren und noch nicht finan­zierten Investitionen in dringend erfor­der­liche Infrastruktur entspringen Neumanns Wundertüte mit der Aufschrift “Welche falschen demokra­ti­schen Entscheide muss ich canceln?”
    Als Ölbert bzw. Strombert (zwei weitere Tarnidentitäten) hebelt er syste­ma­tisch Volksentscheide zum Autobahnausbau aus. Den Ausbau erneu­er­barer Energien kontert er keck mit einer strate­gi­schen Neuausrichtung: Rückbesinnung auf die “saubere” Atomenergie. Vermutlich hat sein Vertrauter Rostislav Sergeijewitsch Kjuppel in Absprache mit Alice der Schrecklichen bereits exklusive Lieferverträge für russi­sches Уран gesichert.
    3) Gemäss einem Forschungskonsortium (GFZ Helmholtz Centre for Geosciences, Nasa and the University of Texas at Austin) führt der Klimawandel zu Wassermangel in ganz Europa. Südeuropa wird zur Halbwüste. Auch Rumänien und die Ukraine werden austrocknen. Besonders unangenehm: Die Niederschläge gehen auch in der Schweiz stark zurück. Stärker als in A, D, F…
    Was tun mit Staumauern, die nichts mehr stauen? Kletterwände?

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