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Unheimliche Netzwerke

Bald sind es 50 Jahre, seit der Erstauflage des Standardwerks «Die unheim­lichen Patrioten». Das Buch, welches die Machenschaften der rechts­na­tio­nalen, reaktio­nären Netzwerke in unserem Land ans Licht brachte, wurde rasch zum Klassiker. 1998 legten die beiden Co-Autoren Peter Niggli und Jürg Frischknecht noch einmal nach: In «Rechte Seilschaften» zeigten sie auf, wie sich die früheren Kalten Krieger nach dem Untergang der Sowjetunion neu orientierten.

Mit dem Kollaps der kommu­ni­sti­schen Herrschaft in Russland brach für die Rechtspopulist:innen ihr Feindbild Nr. 1 weg. Das hinderte sie aber nicht daran, ihre Machenschaften unver­mindert vorwärts­zu­treiben. Mehr noch: Sie haben ihre unheim­lichen Netzwerke nicht nur weiter­ge­sponnen, sondern auch ihre Instrumente verfeinert und ausgebaut.

Wie schon vor 50 Jahren, dienen heute wiederum Russland und die herauf­be­schworene Kriegsbedrohung aus dem Osten als Vorwand, um die Rüstungsindustrie hochzu­fahren und Milliarden in sogenannte «Sicherheitsprojekte» zu pumpen – Beispiele dafür sind der Kauf von US-ameri­ka­ni­schen F‑35 Kampfjets und israe­li­schen Drohnen für die Schweizer Armee.

Mit diesem Kontext eng verknüpft, kommt ein zusätz­liches Instrument zum Einsatz, das insbe­sondere seit dem 7. Oktober 2023 enorme Wirkung zeigt: Die Antisemitismus-Keule. Wie in Deutschland, wird sie auch in der Schweiz mit viel Elan und Vehemenz geschwungen, um jegliche Kritik an der Genozid-Politik der rechts­extremen Regierung Israels niederzuknüppeln.

Dabei geht es vielen der angeblich so besorgten Schützer:innen von jüdischem Recht und Leben letzt­endlich um ganz Anderes. So haben sich unter dem grossen Dach der Israel-Lobbyisten eine ganze Reihe neuer, unheim­licher Allianzen gebildet, die alle das gleiche Ziel verfolgen: Unter dem Deckmantel der Antisemitismus-Bekämpfung wird der drohende Untergang des Abendlandes verkündet, und gegen alles gekämpft und angeschrieben, was der Schaffung des ordoli­be­ralen Paradieses im Weg steht.

Dies gelingt mit erschreckender Effizienz. Nicht zuletzt, weil die Israel-Lobby auch die Medien weitgehend im Griff hat. Das einst bürgerlich-weltoffene Blatt NZZ ist mittler­weile zum Zentralorgan der selbst­er­nannten rechts­po­pu­li­sti­schen Antisemitismus-Bekämpfer:innen mutiert. Kaum ein Tag vergeht ohne Stimmungsmache gegen Kritiker:innen an der israe­li­schen Politik.

Jüngstes Beispiel dafür ist etwa das am 26. Januar 2026 publi­zierte ganzseitige Interview mit dem briti­schen Publizisten Douglas Murray, der harmlos als «streit­barer Konservativer» einge­führt wird. In Tat und Wahrheit handelt es sich bei Murray aber um einen rechten Kampfprediger, der den Genozid der Nazis an den Juden auch schon dahin­gehend relati­viert hat, dass sich die Hamas – im Gegensatz zu den Nazis – am Töten aufge­geilt hätten…

Murray war Ende Januar, zusammen mit Natasha Hausdorff, der Präsidentin der briti­schen Lobby-Organisation «UK Lawyers for Israel», Stargast einer Benefizveranstaltung der Organisation Keren Hajessod («Stärkung der israe­li­schen Gesellschaft und der jüdischen Identität»), die in Zürich vor ausver­kauften Rängen über die Bühne ging.

Die beiden briti­schen Anti-Palästina-Speaker konnten wie es sich gehört problemlos in die Schweiz einreisen, und kamen anschliessend in den Genuss der in unserem Land nach wie vor gültigen Redefreiheit. Dies steht aller­dings in unschönem Gegensatz zum Umgang der Schweizer Behörden mit Referent:innen, die sich für die Freiheit und das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser:innen einsetzen. Zwei Beispiele zur Erinnerung: Im Juni 2025 wurde eine Veranstaltung von Amnesty International mit der UN-Sonderbeauftragten Francesca Albanese aus der Aula der Uni Bern verbannt – wie wir heute wissen, aufgrund einer Intervention von Jonathan Kreutner, dem Präsidenten des Schweizerisch Israelitischen Gemeindebunds SIG.

Die geset­zes­widrige Verhaftung und Ausschaffung des US-ameri­ka­ni­schen Journalisten Ali Abunimah im Januar 2025 war das Resultat einer gemein­samen Intervention der damaligen Fedpol-Chefin Nicoletta della Valle und des Zürcher Polizeidirektors Mario Fehr – beides lautstarke Israel-Fans und ‑Lobbyisten.

In den sozialen Medien posten sowohl della Valle wie Fehr mit zuver­läs­siger Regelmässigkeit Beiträge, die ihre ungebro­chene Unterstützung für Israel unter­mauern. So stand etwa auf Facebook zu lesen, dass Mario Fehr auf seiner jüngsten Israel-Reise im Januar 2026 die Gastfreundschaft des langjäh­rigen Co-Präsidenten der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich geniessen durfte – auch er ein Hardliner, wenn es um die Diffamierung von Israel-Kritiker:innen geht.

Fehr, der wegen inner­par­tei­licher Differenzen 2021 aus der SP ausge­treten ist, wurde in den nachfol­genden Wahlen als Parteiloser mit einem Spitzenresultat gewählt. Aufschlussreich ist dabei die Namensliste seines Unterstützungskomitees, auf der nebst dem bekannten Israel-Lobbyisten Sacha Wigdorovits auch auffallend viele SVP- und EVP-Politiker:innen aufge­führt sind sowie zahlreiche Grünliberale.

Einer von ihnen ist der Zürcher Stadtrat Ronny Siev, der wegen seiner islam­feind­lichen Posts auf Social Media von seiner Partei eben erst einen Verweis kassiert hat. Nach der jüdischen Benefizveranstaltung mit den beiden briti­schen Anti-Palästina-Agitatoren in Zürich posierte der grünli­berale Politiker auf Facebook stolz zusammen mit der «weltweit konzi­sesten Völkerrechtlerin Nathalie Hausdorff» und schwärmte von der «Ikone» Douglas Murray, wofür er Beifall von Regula Stämpfli erntete, und eine Einladung ins «Maison du Futur» für einen Podcast als wohlfeile Plattform im Vorfeld der Zürcher Gemeinderatswahlen.

Die Zeiten, als die Historikerin Regula Stämpfli, die mit schroffem Parlieren ein Dauergast bei den Mainstream-Medien war, sind vorbei. Nicht ohne Grund: Ihre provo­ka­tiven und mittler­weile extre­mi­sti­schen Äusserungen zum Weltgeschehen sind bloss noch ideolo­gi­sches Programm – pseudo-femini­stisch, islam­feindlich – von wissen­schaft­licher Analyse keine Spur.

Das ist ganz im Stil von Roger Köppels Weltwoche, wo sie immer mal wieder mit wortreichen Kaskaden stempelt und stämpfelt. Wie Mario Fehr, ist auch sie kürzlich einer Einladung nach Israel gefolgt, was sie zu einer Doppelseite Schwärmerei über Tel Aviv und die dortige «hinreis­sende Mischung von Geschichte, Überleben und Utopie» veran­lasst hat – im Gleichklang mit Mario Fehrs Post auf Facebook.

Selbstverständlich geht das bei Stämpfli nicht ohne obligate Seitenhiebe gegen «meine engsten SP-Freunde, grosse Teile der Intellektuellen, Kulturschaffende und sogenannte Leitmedien», die laut der Weltwoche-Autorin alle das Wesen Israels verkennen würden.

Ganz im Gegensatz zu den von Stämpfli aktuell bevor­zugten Seilschaften: Bereits im Sommer 2025 tuckerte sie in einer vom Erfinder des Maison du Futur organi­sierten Veranstaltung gegen «Antisemitismus im Kulturbetrieb» über den Zürichsee. Mit von der Partie war damals auch Hannah Einhaus – eine zum Judentum konver­tierte Historikerin und Journalistin aus Bern, die ebenfalls gern die Antisemitismus-Keule schwingt.

Erst kürzlich zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Auswahlverfahren für eine neue Leitung der Dampfzentrale in Bern, das mit an den Haaren herbei­ge­zo­genen, konstru­ierten Antisemitismusvorwürfen in Zweifel gezogen wurde – orche­striert von Sama Schwarz, Hannah Einhaus und dem Kulturunternehmer Lukas Vogelsang.

Der Grund ist so naheliegend wie durch­sichtig: Vogelsang, der sich mit seiner Firma ebenfalls für die Dampfzentrale beworben hatte, wurde nicht berück­sichtigt. Da kam es mehr gelegen, dass die Pro-Israel-Lobby um Hannah Einhaus und Sama Schwarz schon seit langem immer wieder die links-grüne Berner Stadtregierung einer zu legeren Haltung in Bezug auf Antisemitismus bezichtigt.

Absurd, aber immer wieder für eine Schlagzeile gut. Dies nicht zuletzt, weil die Medien dem instru­men­ta­li­sierten Antisemitismus regel­mässig Plattformen bieten, während die reale gegen­wärtige Katastrophe – der fortdau­ernde Genozid in Palästina – in die Randspalten verdrängt wird.

Das ist ganz im Sinn der Antisemitismus-Front. Ihre Allianzen reichen längst weit in die Medienbetriebe und sogar in die Gewerkschaften hinein, wie die Neuauflage des Berner Medientags zeigt. Einst war dieser Anlass eine Institution, an dem sich Berner Journalistinnen und Journalisten über wichtige medien- und gesell­schafts­po­li­tische Fragen austauschten.

Doch diese Zeiten scheinen endgültig vorbei zu sein. Journalist:innen sind am diesjäh­rigen Berner Medientag bloss noch als zahlendes Publikum willkommen: Nebst dem Geschäftsführer des Vereins Öffentlichkeitsrecht, dem Direktor des BAKOM sowie einer Assistenzprofessorin für Kommunikations- und Medienwissenschaft wurde ausge­rechnet die Agitpropkanone Regula Stämpfli als Referentin eingeladen. 

Die Frage, weshalb, ist schnell beant­wortet – die unheim­lichen Liaisons sind leicht zu finden: Seit drei Jahren amtiert der umtriebige Kulturunternehmer Lukas Vogelsang und Herausgeber der Zeitschrift Ensuite auch als Präsident der «Berner Sektion syndicom – Gewerkschaft Medien und Kommunikation». In dieser Funktion hat er den Berner Medientag umfunk­tio­niert. Regula Stämpfli ist Mitglied seiner Ensuite-Redaktion…

Eine Antwort auf „Unheimliche Netzwerke“

  1. Mario Fehr ließ Ali Abunimah im Januar 2025 verhaften. Gleichzeitig empfängt der Zürcher Sicherheitsdirektor israe­lische Propagandisten mit offenen Armen. Einat Wilf und Adi Schwartz touren durch die Schweiz, um UNRWA als “terro­ri­stische Organisation” zu diffa­mieren – organi­siert von Fehr. Die Botschaft: Wer den Genozid dokumen­tiert, wird verhaftet. Wer ihn recht­fertigt, bekommt eine Bühne.

    Die Kampagne gegen UNRWA ist Beihilfe zum Massenmord. UNRWA versorgt Millionen Palästinenser mit Nahrung, Medizin, Bildung. Diese Organisation zu zerstören bedeutet, Menschen verhungern zu lassen. Während in Gaza Kinder unter Bomben sterben, arbeitet Fehr daran, ihnen die letzte Lebensader zu kappen.

    Die Schweiz – angeblich neutral – wird zur Propagandazentrale eines Völkermords. Öffentliche Gelder, staat­liche Plattformen für jene, die ethnische Säuberung als “Friedensarbeit” verkaufen. Das ist Beihilfe zum Genozid. An Widerlichkeit nicht zu überbieten.

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