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SRF – das Megafon der Rüstungslobby

Letzten Freitag war ich allein zuhause, also erinnerte ich mich einer alten lieben Gewohnheit und schaltete um 12.30 Uhr nach langem wieder einmal das Rendez-vous am Mittag ein. Als der Modrator dann aber nach den Schlagzeilen bei der Themenübersicht die deutsche FDP-Politikerin und Rüstungslobbyistin Marie-Agnes Strack-Zimmermann als Gast fürs Tagesgespräch um 13 Uhr ankün­digte, traute ich meinen Ohren nicht.

Warum erhält die Vertreterin einer Partei, die in Deutschland zur Bedeutungslosigkeit geschrumpft ist, im Schweizer Radio eine halbstündige Plattform? – fragte ich mich. Weshalb ausge­rechnet diese Frau, die schon auf allen deutschen Kanälen pausenlos für Aufrüstung und Kriegstüchtigkeit wirbt, nun auch auf Radio SRF? Und: Wie kam es überhaupt zu dieser Einladung?

Fragen, die kurze Zeit später im Tagesgespräch zumindest teilweise beant­wortet werden: Wie nicht anders zu erwarten, drehte sich ein Grossteil des Gesprächs um die angeb­liche Gefahr durch Putin, China und die Mullahs im Iran, die laut Strack-Zimmermann unsere Freiheit und Demokratie akut bedrohen würden, weshalb Europa und selbst­ver­ständlich auch die Schweiz in militä­rische Stärke investieren müssten.

SRF-Interviewer David Karasek ist von seiner hochka­rä­tigen Gesprächspartnerin hörbar beein­druckt, erwähnt ihr langjäh­riges Engagement im deutschen Bundestag wie auch ihr aktuelles Mandat als Chefin des EU-Ausschusses für Sicherheit und Verteidigung. Was nicht zur Sprache kommt, sind hingegen all ihre anderen Mandate wie etwa das Vizepräsidium bei der Deutsch Atlantischen Gesellschaft, die Mitgliedschaft im Präsidium der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik oder des Förderkreises Deutsches Heer, alles militär­freund­liche Lobbyorganisationen. Ein Zufall?

Karasek, greift bei Strack-Zimmermann zu den Samthandschuhen und macht sich mit der Formulierung seiner Fragen zum Komplizen: «Sie sind mit Ihren Aussagen – in Anführungszeichen – zu einem Feindbild geworden einer neuen Friedensbewegung. Linke und Rechte nennen Sie – in Anführungszeichen – Kriegstreiberin oder Rüstungslobbyistin. Was stört Sie mehr?»

Das ist für die mit allen Wassern gewaschene Berufspolitikerin natürlich ein Steilpass, den sie eloquent nutzt, um zu erklären, dass beide Etiketten falsch seien. Weil sie mit der Rüstungsindustrie nichts am Hut habe und sich mit ihrem Wirken nicht als Kriegs- sondern als Friedenstreiberin verstehe. Je stärker man selber sei, je mehr Waffen man habe, desto abschreckender die Wirkung, so ihre Militärlogik.

Was Karasek zur hilflosen Bemerkung veran­lasst, wenn alle mehr Waffen hätten, gebe es mehr Waffen auf der Welt, was nicht alle gut fänden. Natürlich hat Strack-Zimmermann auch darauf eine Antwort, worauf das Thema erledigt ist.

Kein kriti­sches Wort, kein Nachhaken des Journalisten, nichts.

Der Grund, weshalb Strack-Zimmermann überhaupt als Tagesgast des SRF ihren Auftritt hatte, erwähnte Karasek eingangs des Gesprächs in einem Nebensatz: Die deutsche Politikerin nehme diese Woche in Zürich an einem sicher­heits­po­li­ti­schen Kongress teil, wodurch sich für das Schweizer Radio die Möglichkeit biete, mit ihr wichtige Fragen zu klären, so der Interviewer.

Die Internetrecherche zeigt: Am 5. Mai hatte das «UBS Center for Economics in Society» – ein von der Grossbank gespon­sertes Institut an der Universität Zürich – unter dem Titel «Die Schweiz im Spannungsfeld der Grossmächte» zu einem Wirtschaftspodium ins Zürcher Kongresshaus geladen. 

Gefolgt waren der Einladung, wie der Online-Plattform Inside Paradeplatz zu entnehmen ist, zahlreiche illustre Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik, unter ihnen etwa der ehemalige Nationalbankpräsident Thomas Jordan oder die Zürcher Vize-Regierungspräsidentin Silvia Steiner sowie zahlreiche Parlamentarier:innen.

Letztendlich war das Ganze ein Insideranlass der Wirtschafts- und Rüstungslobby, moderiert vom SRF-Journalisten Urs Gredig, der im Hauptjob die wöchent­liche Talk-Sendung «Gredig direkt» leitet. Als Speaker:innen traten nebst der Rüstungslobbyistin Marie-Agnes Strack-Zimmermann unter anderen auch der Schweizer Verteidigungsminister Martin Pfister auf, sowie der NZZ-Redaktor und Oberst der Schweizer Armee Georg Häsler, die Aargauer FDP-Nationalrätin und «Sicherheitspolitikerin» Maja Riniker sowie Thomas Süssli, bis Ende 2025 Chef der Schweizer Armee, der sich seither in seiner neuen Rolle des Lobbyisten weiterhin unermüdlich als Prediger für die Stärkung von Militär und Wehrkraft ins Zeug legt.

Genau dies tat er auch ein paar Tage vor dem UNI-UBS-Podium – man lese und staune: In der Sendung «Gredig direkt» – was ja wohl kaum ein Zufall sein dürfte… Gredig befragte seinen Gesprächspartner Süssli – zuerst in der Rolle des SRF-Journalisten, später als Kurzzeit-Angestellter des UBS-Center –in freund­schaftlich-wohlwol­lendem Ton und spielte ihm, wie Karasek im SRF-Tagesgespräch bei Strack-Zimmermann, den Ball immer wieder zu.

Kurzum: Die SRG nutzte die UBS-Lobby-Veranstaltung gleich für zwei Sendungen und machte sich dadurch zu deren Megafon. Dank den beiden SRF-Sendungen, die Strack-Zimmermann und Süssli eine promi­nente Plattform für ihre Aufrüstungspropaganda boten, konnten diese ihre Message weit über das Kongresshaus-Publikum hinaus verbreiten.

Ein absolutes No-Go, insbe­sondere und gerade für die öffentlich-recht­liche SRG! Deren Journalisten haben sich nicht nur zu Handlangern einer Wehrpropaganda-Veranstaltung gemacht, sondern im Fall von Gredig sogar zum Auftragnehmer, der sein SRG-Honorar im Kongresshaus moderierend aufbessern durfte. Womit er sich für eine journa­li­stisch-kritische Befragung des Ex-Armeechefs Süssli im Rahmen der SRF-Sendung eigentlich bereits disqua­li­fi­ziert hätte.

Eine journa­li­stische Berichterstattung über das Wirtschaftspodiums blieb fast vollständig aus. Einzig Inside Paradeplatz publi­zierte unter dem Titel «Krawall-Brüder stürmen Bühne mit Bundesrat Pfister» einen kurzen Bericht. Dessen Autor, der Zürcher FDP-Kantonsrat und Investor Alex Gantner, macht als einziger publik, dass eine Gruppe von Aktivist:innen beim Auftritt von Bundesrat Pfister die Bühne stürmte und ein Transparent mit der Aufschrift «Kriegsminister» ausrollte.

Eine Aktion, über die man gerne mehr erfahren hätte. Doch darüber schweigen sowohl die SRG wie alle übrigen Medien. Und beim im Internet verfüg­baren Live-Mitschnitt der Veranstaltung fehlt die Episode. Wer aber genau hinschaut, bemerkt bei Timecode 2:17:08 den chirur­gisch feinen Filmschnitt, mit dem die Veranstalter den Auftritt der Aktivist:innen ausra­diert haben…


Die Welt der Maria-Agnes Strack-Zimmermann – Auszüge aus der Uni_ZH/UBS-Veranstaltung imKongresshaus Zürich vom 5. Mai 2026:


Eine Antwort auf „SRF – das Megafon der Rüstungslobby“

  1. Danke für diesen Post. Ich denke, es ist wieder die Zeit, dass man mit witzigen, überra­schenden, gewalt­freien Aktionen die Propaganda für Krieg und Zerstörung entlarvt. Wenn die Mächtigen alles tun, um Proteste auszu­blenden , wenn Journalistinnen und Journalisten sich kaufen lassen – dann ist die Zivilgesellschaft gefragt.

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