Schluss mit dem Krieg – aber nicht mit der Nothilfe!

Seit Wochen errei­chen uns uner­träg­li­che Bil­der und Mel­dun­gen aus Gaza. Tag für Tag wer­den dort Men­schen von israe­li­schen Gra­na­ten und Pro­jek­ti­len getö­tet oder ver­letzt. Über 25’000 Men­schen wur­den bereits getö­tet, zwei Mil­lio­nen – 85 Pro­zent der Bevöl­ke­rung des Gaza­strei­fens – aus ihren Woh­nun­gen und Häu­sern ver­trie­ben. Kin­der, Frauen und alte Men­schen, alle Hamas­kämp­fer oder Schutz­schil­der, wie die israe­li­schen Pro­pa­ganda der Welt weis­ma­chen will.

Und es hört nicht auf. Der Inter­na­tio­nale Gerichts­hof hat letzte Woche deut­lich gemacht, dass Israel sich ans Völ­ker­recht zu hal­ten hat und künf­tig Hand­lun­gen ver­mei­den muss, die gegen die UN-Kon­ven­tion gegen Völ­ker­mord verstossen.

Nun folgt der näch­ste Schlag: Grosse inter­na­tio­nale Geld­ge­ber stel­len ihre Zah­lun­gen an das UN-Hilfs­werk für Palä­sti­nen­si­sche Flücht­linge UNRWA ein und gefähr­den so die über­le­bens­wich­tige Ver­sor­gung der im Gaza­strei­fen ein­ge­kes­sel­ten Menschen. 

Dies, weil die Kriegs­par­tei Israel zwölf Mit­ar­bei­tende des UNRWA bezich­tigt, am Ter­ror­akt vom 7. Okto­ber 2023 betei­ligt gewe­sen zu sein. Eine schwere Anschul­di­gung, auf wel­che die Lei­tung des Hilfs­werks umge­hend reagiert hat: Sie hat die Beschul­dig­ten frist­los ent­las­sen und gegen sie eine Unter­su­chung bei der höch­sten UN-Instanz in Auf­trag gegeben.

Wich­tige west­li­che Geber-Staa­ten und Medien war­ten das Ergeb­nis der Unter­su­chung jedoch erst gar nicht ab. Sie dre­hen dem UNWRA bereits jetzt den Geld­hahn zu – ein Ent­scheid, der in einem kli­ma­ti­sier­ten Büro weit weg des Elends im Nahen Osten, schnell gefällt ist.

Für die Men­schen im Ghetto von Gaza hin­ge­gen geht es um Leben und Tod. Die Ein­stel­lung der Unter­stüt­zung für das UNRWA beschleu­nigt den Geno­zid an der palä­sti­nen­si­schen Bevöl­ke­rung. Die men­schen­ge­machte huma­ni­täre Kata­stro­phe nimmt ihren Lauf.

Auch die Schweiz, die mit Phil­ippe Laz­z­a­rini den Prä­si­den­ten des UNRWA stellt und das Hilfs­werk seit Jah­ren unter­stützt, spielt unter der «Feder­füh­rung» von Aus­sen­mi­ni­ster Igna­zio Cas­sis eine unrühm­li­che Rolle. 

Jüng­ster Höhe­punkt ist der letzte Woche bekannt gewor­dene Raus­schmiss von DEZA-Vize­di­rek­to­rin Andrea Stu­der, die im Gegen­satz zu ihrem poli­ti­schen Vor­ge­setz­ten, für einen sorg­fäl­ti­gen Umgang mit Vor­wür­fen gegen palä­sti­nen­si­sche und israe­li­sche NGOs ein­ge­stan­den ist.

Wie beim UNRWA ging es auch dort um Zah­lungs­ein­stel­lun­gen an NGO’s, weil diese sich laut Medi­en­be­rich­ten (!) nicht genü­gend vom Hamas-Ter­ror­akt distan­ziert hät­ten. Mitt­ler­weile hat die DEZA ihre dies­be­züg­li­chen Unter­su­chun­gen abge­schlos­sen und fest­ge­stellt, dass die ursprüng­lich ange­schwärz­ten Orga­ni­sa­tio­nen keine Vor­ga­ben ver­letzt hätten.

In Bezug auf das UNRWA hat die Schweiz ihre dies­jäh­rige Zah­lung in der Höhe von 20 Mil­lio­nen Fran­ken vor­läu­fig sistiert: Sie will wei­tere Infor­ma­tio­nen betref­fend die von Israel vor­ge­brachte Ver­mu­tung der Mit­tä­ter­schaft beim Hamas-Ter­ror abwar­ten, wie die Medi­en­stelle des EDA ver­lau­ten lässt. 

Der­weil geht das Ster­ben in Gaza wei­ter. Und der UNRWA droht der Kol­laps. «Die Welt muss sich schä­men», sagte dazu die 93jährige Holo­caust-Über­le­bende Eva Erben. Sie hat am 7. Okto­ber den Über­fall der Hamas-Ter­ro­ri­sten in ihrem Haus in Asch­kelon haut­nah mit­er­lebt und ist für kurze Zeit in ihre alte Hei­mat nach Prag geflohen.

Nun ist sie wie­der zurück in Israel und in gros­ser Sorge ange­sichts des andau­ern­den Kriegs und der aktu­el­len Ent­wick­lun­gen. Im Tages­ge­spräch von Radio SRF am 19. Januar hat sie Klar­text gespro­chen und für ihr Land vehe­ment Neu­wah­len gefor­dert: «Israel kri­ti­sie­ren ist kein Anti­se­mi­tis­mus, diese Regie­rung rich­tet Israel zugrunde», klagt sie an. 

«Wo ist jemand mit Ver­stand? – Da ist nur Gewalt…», stellt Eva Erben fest. Und for­dert für die Palä­sti­nen­se­rin­nen und Palä­sti­nen­ser einen Staat, wo auch sie ein gutes Leben haben und spü­ren, dass das Leben lebens­wert ist.

Worte, die ans Herz gehen. Aus­ge­spro­chen von einer Frau, deren Leben von den Nazis zer­stört und bedroht wor­den ist. Die als 11jährige nach The­re­si­en­stadt, spä­ter nach Aus­schwitz depor­tiert wurde und nach dem Krieg mit ihrem Mann nach Israel aus­ge­wan­dert ist. Um dort ein Leben in Frie­den aufzubauen… 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.