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Schlagzeilen statt Recherchen

Die Sachlage war eigentlich schon lange klar – und ist in den letzten Wochen gerichtlich und politisch bestätigt worden: Das Einreiseverbot, die Verhaftung und die Ausschaffung des US-ameri­ka­nische Journalisten Ali Abunimah im Januar 2025 waren illegal. Dies bestä­tigte gestern auch das Bundesverwaltungsgericht, das eine Beschwerde Abunimahs gegen die vom Fedpol betriebene Kriminalisierung eines engagierten Journalisten guthiess.

Die Reaktion der Deutschschweizer Medien? Statt einer sachlichen Berichterstattung, hauen sie allesamt noch einmal in die gleiche Kerbe wie schon vor einem Jahr. Und versuchen erneut, das Opfer zum Täter zu machen. Die für die illegale Ausschaffung Verantwortlichen sind von beiden Gerichten in den Senkel gestellt worden. Sie heissen della Valle und Mario Fehr. Darum geht es.

Aber die NZZ kann es nicht lassen und verbreitet erneut das rassi­stische Zitat des Zürcher Polizeidirektors Fehr, mit dem sie die Kampagne gegen Abunimah noch vor dessen Reise in die Schweiz losge­treten hatte. Dieser liess sich damals mit den markigen Politikerworten zitieren: «Einen islami­sti­schen Judenhasser, der zu Gewalt aufruft, wollen wir nicht in der Schweiz.»

Ali Abunimah, ein weltweit bekannter Journalist, der 2001 die News-Plattform The Electronic Intifada mitge­gründet hat und als deren Executive Director fungiert, wird seither in den Schweizer Medien regel­mässig auf die Rolle eines «Anti-Israel-» und «Pro-Palästina-Aktivisten» festge­nagelt und reduziert.

So auch in der aktuellen «Berichterstattung»: Im Rendez-vous am Mittag vom 6. März betitelte zum Beispiel Radio-SRF-Gerichtsberichterstatterin Sibilla Bondolfi den Beschwerdeführer als «ameri­ka­ni­schen Pro-Palästina-Aktivisten», der dank einer Crowd-Funding-Kampagne die Schweizer Behörden habe vor Gericht ziehen können. Auf die Nennung des Namens verzichtete sie hingegen – genauso, wie auf eine Einordnung seiner journa­li­sti­schen Arbeit.

Am schlimmsten trieben es diesmal jedoch die CH-Media-Blätter mit dem reisse­ri­schen Titel «’Islamistischer Judenhasser’ wird finan­ziell entschädigt». Wer den Artikel liest, stellt sich unver­mittelt die Frage, ob der Journalist Andreas Maurer die Aussagen und das Wirken Abunimahs aus Unwissenheit oder absichtlich so verkürzt und verdreht, um das von Israelfreund Mario Fehr in die Welt gesetzte Bild weiter zu kolportieren. 

Mit dieser tenden­ziösen Berichterstattung wird Ali Abunimah in eine Ecke gestellt, in der er eigentlich nichts, aber gar nichts zu suchen hat: Die von ihm 2001 mitbe­gründete News-Plattform Electronic Intifada leistet nämlich journa­li­stische und analy­tische Arbeit auf einem Niveau, das man sich von unseren Medien nur wünschen könnte.

Ja, die Electronic Intifada hat einen anderen Zugang, eine andere Perspektive auf die Ereignisse im Nahen Osten als unsere Mainstream-Medien. Sie stützt sich bei ihrer Berichterstattung nicht – wie hierzu­lande üblich – in erster Linie auf israe­lische und westliche Quellen, und vor allem unter­steht sie nicht einer ständigen quasi-Zensur durch Antisemitismus-Bekämpfer:innen. Aber natürlich steht sie auf der schwarzen Liste einer anderen, einer zioni­stisch finan­zierten Plattform, die sich NGO-Monitor nennt…

Die Electronic Intifada versteht sich selber als «unabhängige Online-Nachrichtenpublikation und Bildungsressource, die sich auf Palästina, seine Bevölkerung, Politik, Kultur und Stellung in der Welt konzen­triert.» Ihr Chefredaktor Ali Abunimah leitet ein inter­na­tio­nales Team engagierter Journalist:innen und Analyst:innen, die ihrer­seits über ein weitver­zweigtes Netz direkter Beziehungen in die Region und darüber hinaus verfügen. Seine Stellvertreterin ist Jüdin, wie auch weitere Mitglieder der etwa 20-köpfigen Redaktion.

Wie haltlos die Unterstellungen von Gewaltverherrlichung und Judenhass in Bezug auf Ali Abunimah sind, wird schnell deutlich, wenn man sich die Mühe macht und einen Originalartikel oder eine von ihm moderierte Sendung anklickt: Der erfahrene Journalist verfügt nicht nur über fundiertes Wissen aus erster Hand, er ist auch ein Analytiker, der geopo­li­tische Zusammenhänge aufzeigen und einem breiten Publikum anschaulich vermitteln kann.

Eine der aktuell aktivsten Journalistinnen auf Electronic Intifada ist die jüdische Mitherausgeberin Nora Barrows-Friedman. Auf die Frage nach ihrer Herkunft, hat sie eine klare, eindeutige Antwort: «Ja, ich bin jüdisch – aber der Fokus muss auf der Zerstörung des Zionismus als Ideologie liegen. Es geht um Palästina…», fasste sie zum Beispiel in einem Online-Interview zusammen. Der Genozid schade dem Judentum – aber letzt­endlich inter­es­siere sie die Befindlichkeit der Jüdinnen und Juden nicht, solange in Gaza «das Schlimmste passiert, was man sich vorstellen kann.»

Was die Electronic Intifada betreibt, ist nicht mehr und nicht weniger als anwalt­schaft­licher Journalismus. Eine Disziplin, die auch bei uns einst hoch im Kurs stand. Leider hat die überwie­gende Mehrheit der Journalist:innen hierzu­lande heutzutage damit nichts mehr am Hut.

Im Fall von Ali Abunimah begnügen sie sich, trotz anders­lau­tenden Gerichtsurteilen und politi­schen Einschätzungen, immer noch auf Copy Paste und die Weiterverbreitung von Lobby-gesteu­erten Mainstream-Verlautbarungen zum Nahen Osten – statt die Chance zu ergreifen, The Electronic Intifada als zusätz­liche Quelle zu nutzen. Vielleicht würde sonst manch Einer und Eine endlich den Unterschied zwischen Antisemitismus und Kritik am zioni­sti­schen Israel begreifen.


Eine Antwort auf „Schlagzeilen statt Recherchen“

  1. Schweizer Medien: Die Handlanger der Lüge
    Illegale Ausschaffung, rassi­stische Hetze, richter­liche Demontage – und was machen NZZ, SRF & CH-Media? Sie lügen weiter. Statt Fehr und della Valle zur Rechenschaft zu ziehen, kolpor­tieren sie deren Propaganda: „Islamistischer Judenhasser“ wird entschädigt. Als wäre Gerechtigkeit ein Skandal. Dabei ist Abunimahs Electronic Intifada das, was Schweizer Journalismus längst nicht mehr ist: unabhängig, mutig, fakten­ba­siert. Dass seine Stellvertreterin Jüdin ist? Egal. Dass Gerichte die Ausschaffung für illegal erklärten? Egal. Hauptsache, die zioni­stische Erzählung bleibt heil.
    Die Wahrheit? Diese Medien sind keine Wächter der Demokratie. Sie sind Komplizen. Sie wieder­holen Lügen, statt zu recher­chieren. Sie schützen Täter, statt Opfer. Und sie beweisen mit jeder Zeile: Ihr Journalismus ist tot.

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