Mittag im Park

Strahlender Sonnenschein, som­mer­li­che Wärme. Jetzt ist wie­der die Zeit, da sich Menschenmassen aus Büros, Schulstuben und Ateliers in den Park und ans nahe Flussufer ergies­sen. Über Mittag für eine Stunde ein Stück Natur, statt Bürostuhl und Bildschirm. 

Allein und in Gruppen, Hand in Hand ver­träumt dahin schlen­dernd oder in ein ange­reg­tes Gespräch ver­tieft. Ob luf­ti­ges Sommerkleid, Nadelstreifenanzug, locke­re Studentenkluft – alle brin­gen sie in einer klei­nen weis­sen Tüte ihr Mittagessen mit. Soeben erstan­den in einem der zahl­rei­chen Take-aways der Umgebung, bei McDonalds oder in der Fastfood-Abteilung von Migros und Coop, eben­falls gleich um die Ecke.

Sie set­zen sich auf Bänke, Treppenstufen, ins Gras. Je nach Vorliebe sucht man sich ein schat­ti­ges Plätzchen oder brei­tet sich in der Sonne aus. Und macht sich heiss­hung­rig über das mit­ge­brach­te Mal her.

Biosalate aus Plastikschüsseln, Thai-Nudeln im Styroporbehälter – Pizza, Pasta, Perlhuhn, Pommes – zu Essen gibt es, was das Herz begehrt. Alles por­tio­nen­ge­recht vor­be­rei­tet und ver­packt fürs Picknick im Park. Inklusive Messer, Gabel oder Stäbchen – je nach Menu und ganz nach Belieben. Dazu das Getränk aus Pappbecher oder Petflasche.

Eine hal­be Stunde höchs­tens, und das Mitgebrachte ist ver­zehrt. Noch bleibt etwas Zeit, bevor die Pflicht wie­der ruft. Dann wird schnell zusam­men­ge­packt. Einwegteller, Styroporbehälter, Plastikschüssel, Papierserviette, Besteck und alles sons­ti­ge, was nicht ver­zehrt wer­den konn­te, kommt zurück in die weis­se Plastiktüte. Diese wan­dert, fein säu­ber­lich ver­knüpft oder läs­sig zusam­men­ge­knüllt, in den Abfallkübel. Wir sit­zen auf einer lau­schi­gen Parkbank, mit­ten im Geschehen. Die Abfallkübel links und rechts von unse­rer Bank wer­den nun, kurz vor halb Zwei — im Minutentakt gefüttert.

Solchermassen von den Überbleibseln des Mittagessens befreit, ver­las­sen die Menschen satt und zufrie­den den Park, um sich ihren Nachmittagsgeschäften zu wid­men. Je mehr sich Bänke und Wege wie­der lee­ren, des­to vol­ler die Kübel. Davon ste­hen Dutzende bereit, die bald schon von weis­sen Säcken überquellen.

Mittag für Mittag das glei­che Schauspiel: Tonnen von Plastik, Styropor und Papier, für ein­ma­li­gen Gebrauch aus Erdöl, Holz und ande­ren Rohstoffen pro­du­ziert, besche­ren dem moder­nen Menschen beque­me und rasche Verpflegung. Praktisch und schnell, wie es unser Alltag verlangt.

Unter dem lau­schi­gen Blätterdach einer Trauerweide hin­ge­gen, gleich neben dem Ausgang des Parks, eine Szene, wie aus einer ande­ren Zeit: Hier sind zwei am Essen, die es weni­ger eilig zu haben schei­nen, als all die andern. Vor ihnen aus­ge­brei­tet liegt ein Tuch, dar­auf ste­hen Gläser aus Glas und Teller aus Prozellan. Aus bun­ten Tupperwares schöp­fen die bei­den Köstlichkeiten und genies­sen mit ech­tem Besteck, was sie sich von zu Hause mit­ge­bracht haben.

Beim Vorbeigehen läuft mir das Wasser im Mund zusam­men: Ein Picknick, das sei­nen Namen ver­dient. Verführerisch, und mit Stil.

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