Skip to content

Meinungsmache als Methode

Israel setzt seinen Terror im Nahen Osten fort. Tag für Tag. Auch wenn unsere Medien wenig Neues berichten, der Alltag in den Trümmern von Gaza ist ein beschwer­li­cher und im Vergleich zu unserem Alltag hier unvor­stellbar. Die israe­li­sche Armee weitet das von ihr besetzte Territorium Quadratmeter für Quadratmeter weiter aus, wäh­rend die im Ghetto von Gaza zusam­men­ge­drängten und ein­ge­schlos­senen Palästinenser:innen nach wie vor nur man­gel­haft ver­sorgt werden. Die Gewaltanwendung durch des israe­li­schen Militärs ist all­ge­gen­wärtig. Täglich gibt es Tote.

Im Westjordanland setzt das israe­li­sche Regime seine Politik der eth­ni­schen Säuberung und Landnahme unge­bremst fort. In der bei Nablus gele­genen Ortschaft Qusra bela­gerten israe­li­sche Terroristen wäh­rend Tagen palä­sti­nen­si­sche Familien, mit wohl­wol­lender Duldung (oder müsste man es Unterstützung nennen?) durch die israe­li­sche Besatzungsmacht. Die israe­li­sche Regierung macht mitt­ler­weile auch keinen Hehl mehr aus dem Ziel ihrer ille­galen Okkupationspolitik: Sie will das Westjordanland mit einst vor­nehm­lich ara­bi­scher Bevölkerung defi­nitiv als israe­li­sches Staatsgebiet für bevor­zugte israe­li­sche Siedler:innen annektieren.

Auch aus dem Südlibanon gäbe es täg­lich viel zu berichten über Israels fort­dau­ernde Zerstörung von Häusern, ganzen Dörfern und Landwirtschaftskulturen sowie täg­li­chen Mordanschlägen, die wie in Gaza und im Westjordanland zum Ziel haben, die dort ansäs­sige Bevölkerung dau­er­haft zu vertreiben.

Die Dimensionen und Auswirkungen von Israels Aggressionspolitik sind in unseren Medien jedoch höch­stens ein Randthema. Eine Übersicht oder Analyse zu dem, was Israel im Nahen Osten und dar­über hinaus bezweckt und bewirkt, sucht man vergebens.

Stattdessen lie­fern die uner­müd­li­chen Verteidiger:innen der zio­ni­sti­schen Kolonial- und Genozidpolitik fast täg­lich neue Geschichten über angeb­liche Antisemitismus-Skandale und her­bei­fan­ta­sierte anti­se­mi­ti­sche Verschwörungstheorien aus jeder noch so fernen Ecke des Erdballs. Mitglieder der Israel-Lobby-Organisation Gesellschaft Schweiz-Israel oder die «gemein­nüt­zige» Hetzplattform Audiatur werden nicht müde, jeg­liche Israel-Kritik als Ausdruck eines ewigen Judenhasses zu verunglimpfen.

zum Verwechseln ähnlich…

Die NZZ, längst kein Weltblatt mehr, son­dern eine Art Allgemeine Neue Berliner Zeitung mit AfD-Drall, wird nicht müde, stets neue Artikel aus Antisemiten- und Linken-Bashing zu zim­mern. So beklagt etwa Auslandchef Benedict Neff unter dem Titel «Israel ist allein» in der NZZ vom 13. August, für den jüdi­schen Staat würden «immer stren­gere Massstäbe gelten» und stellt dabei fest: «Israel wird zuneh­mend iso­liert. Dem Land steht ein Heer von Gegnern gegen­über: rechte und linke Gruppen sowie mus­li­mi­sche Antisemiten.»

Neff räumt zwar ein, dass Rechtsaussen-Politiker wie Ben-Gvir oder Smotrich mit der «Zelebrierung der eigenen Brutalität» dem Land enorm schaden würden, ver­steigt sich dann aber tat­säch­lich zur Behauptung, Israel über­zeuge mit einer «dis­zi­pli­nierten mili­tä­ri­schen Schlagkraft in einer ver­rohten Ecke der Welt» und unter­nehme einen grossen Aufwand, «um zivile palä­sti­nen­si­sche Opfer zu ver­meiden.» Das Resultat dieser ach so sorg­samen Kriegspolitik: Über 70’000 Tote und Zehntausende Vermisste. Unermessliches Leid und lang­fri­stige Zerstörung ganzer Landstriche.

Doch nicht genug der Einäugigkeit. In der glei­chen NZZ-Ausgabe findet sich ein wei­terer ganz­sei­tiger Artikel mit glei­cher Stossrichtung, ver­fasst von der Feuilleton-Redaktorin Claudia Schwartz. Die Ehegattin von noch-NZZ-Chefredaktor Eric Gujer, der die Zeitung in den letzten zehn Jahren auf Rechtsaussen-Kurs und zur Pro-Israel-Postille getrimmt hat, schiesst auf einen Journalisten, zielt aber auf den deut­schen öffent­lich-recht­li­chen Rundfunk. 

Als Aufhänger diente ihr der auf X viral gegan­gene Post des bekannten und unbe­quemen WDR-Journalisten Georg Restle (Ex-Monitor) zum Flüchtlingsdrama in der spa­ni­schen Exklave Ceuta. Darin ver­linkt er einen Artikel der US-ame­ri­ka­ni­schen Wochenzeitung «The Nation», wonach der Exodus von Zehntausenden Menschen aus Marokko «Teil der Bemühungen eines wach­senden US-ame­ri­ka­nisch-israe­lisch-marok­ka­ni­schen Bündnisses» gewesen sein könnte, um die pro­gres­sive isra­el­kri­ti­sche Regierung Spaniens zu schwächen.

Eine Vermutung, die der NZZ-Feuilletonistin als abwegig und nicht dis­ku­tabel erscheint, wes­halb sie sie kur­zer­hand zur «Verschwörungstheorie» dis­qua­li­fi­ziert. All jenen, die sich für gescheite Anlaysen der Weltpolitik inter­es­sieren, sei des­halb wärm­stens emp­fohlen, statt der NZZ-Schelte den Originalartikel in «The Nation» zu lesen, ver­fasst vom US-ame­ri­ka­ni­schen Politologie-Professor Stephen Zunes, Direktor des Middle Eastern Institute an der Universität von San Francisco und ein inter­na­tional aner­kannter Nahostexperte.

Seine auf pro­funder Kenntnis der Situation basie­rende Hintergrundgeschichte inter­es­siert Schwartz jedoch nicht – sie schwingt lieber die Antisemitismuskeule: «Die Behauptung, dass Israel den Einfall in Ceuta initi­iert haben soll, rückt in die Nähe der Idee von der jüdi­schen Weltherrschaft.» Sie unter­mauert ihre Etikettierung von Zune und Restle als anti­se­mi­ti­sche Gerüchteverbreiter mit einem Zitat von Theodor Adorno, Antisemitismus sei «das Gerücht über die Juden».

Pikanterweise hat der Israel-Lobbyist Sacha Wigdorovits auf seiner Propaganda-Plattform «Fokus Israel» aus­ge­rechnet am Tag, als die NZZ-Feuilletonistin für ihr Pamphlet in die Tasten griff, genau dieses Zitat auf seiner Website publi­ziert – als Titel eines von ihm mit KI-gene­rierten Fake-Interviews mit dem Geist des toten Adorno.

Ein Schelm, der da auf böse Ideen kommt. Nur Frau Schwartz weiss, woher sie ihre Inspirationen bezieht…

Doch es gibt Hinweise: Sie zitiert in ihrem Artikel näm­lich gleich noch­mals aus einem wei­teren auf «Fokus Israel» publi­zierten Artikel eines gewissen Mohamed Diwan, der gemäss Angaben auf der FI-Plattform ein ara­bi­scher Politanalyst sein soll, der in der Schweiz lebt.

Der Schwartz-Artikel ist kein Einzelfall: Regelmässig finden sich Beispiele für die Verbindung zum Israel-Spin-Doctor und dessen Fütterung der NZZ: So schreibt etwa Jan Kapusnak, freier «Journalist» und Israel-Lobbyist in Tel Aviv regel­mässig sowohl für die NZZ wie für ein wei­teres – eben­falls von Wigdorovits gegrün­detes – Propaganda-Organ, näm­lich «Audiatur Online».

Das ist jedoch bloss die Spitze des immensen Propaganda-Eisbergs in den Schweizer Medien. Besonders stos­send an der Geschichte ist, dass die ganzen auf­ge­bauschten Antisemitismus-Erzählungen, die eine Daueraufregung zur Bedrohungslage von Jüdinnen und Juden her­auf­be­schwören, nichts anderes sind als ein per­fides Ablenkungsmanöver:

Statt vom aktuell auch in der Schweiz gras­sie­renden Rassismus gegen Muslim:innen und der tat­säch­lich lebens­be­droh­li­chen Situation von Palästinenser:innen in Israel, im besetzten Westjordanland, in Gaza und im Süden des Libanon durch Israels Vernichtungsfeldzug, hören und lesen wir in unseren Medien (wie auch im von der NZZ umwor­benen Deutschland) vor­nehm­lich Schlagzeilen über Schmierereien, von denen sich jüdi­sche Menschen hier­zu­lande bedroht fühlen sollen sowie über israe­li­sche Tourist:innen, die in Thailand belei­digt wurden.

Das ist die wirk­lich bedenk­liche, ver­hee­rende Verzerrung der Realität, her­vor­ge­bracht durch die ein­sei­tige «Berichterstattung» in unseren Medien.


2 Antworten auf „Meinungsmache als Methode“

  1. Danke für diesen Beitrag liebe Gabriela, genauso ist es! Es geht längst nicht mehr um Berichterstattung, Wahrheit und Glaubwürdigkeit, denn letz­tere hat Israel längst ver­loren, son­dern darum, wer das Narrativ kon­trol­liert. “Drop Site News” hat erst kürz­lich den Beitrag “Israel Is Paying Millions to Train AI Chatbots How to Talk About Gaza. It’s Working.” ver­öf­fent­licht. Das Internet wird mit so vielen bezahlten Beiträgen gefüt­tert, ‑dabei spielt es noch nicht einmal eine Rolle, ob sie gelesen werden- bis die künst­liche Intelligenz sie als Wahrheit auf­nimmt. Die oben genannten Beiträge reihen sich durchaus in diese Taktik mit ein. Ein Networking, das sich inzucht­mässig gegen­seitig zitiert und auf­ein­ander beruft , fährt so ein Konstrukt hoch bis es geglaubt wird. Es geht längst nicht mehr darum zu glauben was wahr ist, son­dern darum, was wir zu glauben haben. Das ist beängstigend.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Zeichenzahl: 0/1000
Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.