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Kriegstreiberei auf allen Kanälen – Teil 1

Während Israel und die USA mit ver­einten mili­tä­ri­schen Kräften den Nahen Osten in Schutt und Asche legen, werden die Kriegstreiber:innen hier­zu­lande nicht müde, auch die Schweizer:innen auf Militarisierung und Aufrüstung einzuschwören.

Tagtäglich errei­chen uns Horrorbilder von unfass­barer Zerstörung und Vernichtung. Das unüber­seh­bare, erschüt­ternde Leid, ver­ur­sacht durch die Eroberungsfantasien macht­be­sof­fener Kriegsherren, sollte bei uns sämt­liche Alarmglocken in Bewegung setzen. Jeder normal den­kende Mensch müsste ange­sichts der aktu­ellen Entwicklungen in den Kriegsregionen – egal ob Ukraine, Sudan oder Naher Osten – erkennen, dass Raketen, Bomben und Drohnen nur Schaden an Menschen, Infrastruktur und Umwelt anrichten.

Trotzdem scheint hier­zu­lande Aufrüstung das ein­zige Szenario gegen­über einer Welt, in der das Powerplay der Waffen als Massstab aller Dinge gilt und Frieden bringen soll. So lehnt der Bundesrat sogar die Unterzeichnung des UN-Atomwaffenverbotsvertrags ab, mit der Begründung, «ein Beitritt könnte der Sicherheit der Schweiz sogar abträg­lich sein.»

Ein Argument, das nur Kopfschütteln aus­lösen kann: Atomwaffen, die heute mehr denn je das Potenzial haben, das Leben auf der Erde, wie wir es kennen, und die ganze Menschheit aus­zu­lö­schen, sind immer und in jedem Falle eine Bedrohung. Internationale Bestrebungen, diese zu ver­bieten und zu ver­nichten, müssten gerade von Ländern wie der neu­tralen und sich so gerne als huma­ni­stisch bezeich­nenden Schweiz unter­stützt und nicht schlecht­ge­redet werden.

Doch davon will die aktu­elle Schweizer Politik nichts wissen. Vielmehr setzt die regie­rende Mehrheit alles daran, im Gleichschritt mit anderen euro­päi­schen Ländern und katz­buckelnd vor den USA die Bevölkerung auf Militarisierung und Kriegswirtschaft ein­zu­stimmen. Gegen den Parlamentsbeschluss vom letzten Herbst, der die Zulassung zum Zivildienst erschweren soll, um die Schweizer Armee mit zusätz­li­chen Soldaten zu muni­tio­nieren, wurde immerhin erfolg­reich das Referendum ergriffen. Am 14. Juni werden wir dar­über abstimmen.

Die Chance, dass das neue Gesetz bachab geht und der Zivildienst gerettet werden kann, ist offenbar noch intakt. Deshalb setzen Think Tanks, im Verbund mit den Mainstream-Medien und kriegs­freu­digen Bundespolitiker:innen bereits heute alles daran, mit dem Heraufbeschwören von Kriegsszenarien und Appellen an die «Verteidigung unserer Werte», den Boden zu bereiten für mehr Aufrüstung und Militarisierung.

Ein Beispiel dafür ist die jüngste Ausgabe des soge­nannten «Chancenbarometers» – einer Umfrage zum Thema «Schweiz in Krisenzeiten», die das Meinungsforschungsinstitut Sotomo im Auftrag der pri­vaten Stiftung «Strategiedialog21» durch­ge­führt hat.

Initiator und Leiter von «Strategiedialog21» ist der Unternehmer und Mäzen Jobst Wagner, lang­jäh­riger Verwaltungspräsident der von seinem Vater gegrün­deten Rehau-Gruppe, einem welt­weit tätigen Kunststoffverarbeiter mit Hauptsitz im steu­er­gün­stigen Muri bei Bern.

Multimillionär Wagner enga­giert sich sowohl in der Kunstszene wie seit einigen Jahren auch regel­mässig in der Politik, indem er u.a. regel­mässig für das rechts­bür­ger­liche Magazin «Schweizer Monat» Beiträge ver­fasst. «Strategiedialog21» ist laut eigenen Angaben auf der Website «der ein­zig­ar­tige Think Tank, der die Top-Entscheidungsträger:innen und Meinungsführer:innen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zusammenbringt.»

Für den aktu­ellen «Chancenbarometer», dessen Resultate am 23. März 2026 den Medien vor­ge­stellt wurden, hat Sotomo die Antworten von 5’249 Personen aus­ge­wertet, die zu Fragen wie «ist die Schweizer Armee Ihrer Meinung nach ver­tei­di­gungs­fähig?» oder «wie sicher fühlen Sie sich in der Schweiz?» Stellung genommen hatten.

Aufgrund der gestellten Fragen, ist das Resultat der Studie, die unter dem Titel «Resiliente Schweiz? Goodbye Reduit!» publi­ziert wurde, nicht weiter erstaun­lich: 80 Prozent glauben nicht, steht etwa in der Zusammenfassung, «dass die Schweizer Armee gerü­stet ist, einen hybriden Angriff abzu­wehren. 73% sind der Ansicht, dass sie gegen einen kon­ven­tio­nellen Angriff nicht ver­tei­di­gungs­fähig ist.»

Folgerichtig möchten des­halb laut der Studie 80% der Befragten, «dass die Schweiz in Rüstungs- und Sicherheitstechnologien inve­stiert, die auch zivil nutzbar sind. 58% sind der Ansicht, dass die Schweiz poli­ti­sche Hindernisse redu­zieren soll, um die eigene Rüstungsindustrie zu stärken.»

Ferner nahmen laut dem «Chancenbarometer» 58% der Proband:innen «eine nega­tive Entwicklung des Ansehens der Schweizer Neutralität im inter­na­tio­nalen Umfeld wahr» und «56% möchten eine stär­kere sicher­heits­po­li­ti­sche Kooperation mit der EU und 53% mit der NATO

Die Präsentation der Publikation, für die VBS-Bundesrat Martin Pfister das Vorwort geschrieben hat, war in medialer Hinsicht ein voller Erfolg: Zwar rela­ti­vierte Sotomo-Geschäftsführer Michael Hermann an der Medienkonferenz die Aussagen in Bezug auf das feh­lende Vertrauen in die Schlagkraft der Schweizer Armee, indem er sagte, die Umfrage zeige auch, «dass sich über 90 Prozent der Menschen eher sicher fühlen im Land» und kaum Angst hätten vor einem mili­tä­ri­schen Angriff auf die Schweiz.

Das atte­stiert dem Schweizer Volk vor­der­gründig eine schi­zo­phrene Haltung: 90% fühlen sich dem­nach bei uns eher sicher, trotzdem wollen angeb­lich 80% mehr Steuern ent­richten, um Rüstungsgüter zu pro­du­zieren. Wenn man, ganz im Sinn des Auftraggebers, die Fragen sug­ge­stiv genug stellt, kommen solche «Ergebnisse» zustande.

Die Berichterstattung in den Mainstream-Medien rückte denn auch, wie nicht anders zu erwarten war, die den Befragten vor­ge­kauten Bedrohungen und Sicherheitsdefizite ins Zentrum. So titelten etwa die CH-Media-Blätter «Schweizer zwei­feln an Verteidigungsfähigkeit» – die TX-Media-Zeitungen «Kaum Angst vor Krieg – aber Zweifel an der Armee» – und die NZZ for­derte «Mehr EU, mehr Nato, weniger Neutralität.»

Doch damit nicht genug. Die Auftraggeberin «Strategiedialog21» nahm zusätz­li­ches Geld in die Hand und dop­pelte eine Woche später auf Watson mit einer Publireportage noch einmal nach. Als Aufmacherbild eine Drohne – und mit dem unmiss­ver­ständ­li­chen Titel: «Lieber eigene Drohnen als fremde Raketen.»

Sereina Lohm vom Watson-«Vermarktungsteam» stellt in ihrem als Artikel getarnten Werbetext ganz im Sinne ihres Auftraggebers jene «Resultate» ins Zentrum, welche die Zielsetzung von «Strategiedialog21» unter­mauern. Wer bezahlt befiehlt, was in der Reportage, die gar keine ist, stehen soll. Wie etwa die Behauptung, dass die Bevölkerung kein ‘weiter wie bisher’ wolle, son­dern eine «stär­kere sicher­heits­po­li­ti­sche Zusammenarbeit mit den Nachbarländern». Die Mehrheit scheine, so Vermarkterin Lohm weiter, «ein Bewusstsein dafür zu haben, dass in einer Ära neuer Machtpolitik ein Land wie die Schweiz über eigene Kapazitäten im Rüstungsbereich ver­fügen muss». Und so weiter, und so fort…

Damit hat der aktu­elle «Chancenbarometer» knapp drei Monate vor der Abstimmung über die Einschränkung des Zivildiensts das Thema lan­ciert. Mit einer ein­deu­tigen Schlagseite zugun­sten von Aufrüstung und Militarisierung. Obschon die Umfrageresultate, trotz der sug­ge­stiven Fragen, auch eine ganz andere Interpretation zulassen würden…


Eine Antwort auf „Kriegstreiberei auf allen Kanälen – Teil 1“

  1. Vielen Dank für diesen Artikel zur Schweizer Aufrüstungsdebatte und der Abschaffung des Zivildienstes. Besonders wichtig fand ich den Link zur Chancenbarometer Umfrage und die Diskussion der Ergebnisse, sowie den Auftraggeber und dessen Hintergrund.
    Anstatt eine Rechtfertigung zu suchen für Finanzierung der Rüstungsindustrie wäre es für den Wohlstand wich­tiger in die Carearbeit und den Klimaschutz zu investieren.

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