
Heute Nachmittag habe ich meine Abstimmungszettel für den 30. November ausgefüllt… Vielleicht ist ja in Sachen Demokratie doch noch nicht aller Tage Abend? – Eine leise Zuversicht kommt auf, angesichts der Tatsache, dass die Wählerinnen und Wähler in den Niederlanden dem rechtsextremen Hetzer Geert Wilders endlich eine klare Absage erteilt haben.
Es war eine Wahl zwischen Hoffnung und Hass. «Ihr habt euch gegen Negativität und Hass entschieden und positive Kräfte gewählt, die uns einen Blick in die Zukunft ermöglichen», kommentierte der 38jährige Rob Jetten den erstmaligen Sieg seiner linksliberalen Partei D66 am Wahlabend.

Nur wenige Tage nach den Niederlanden, entschieden sich auch die Wähler:innen in New York mit deutlicher Mehrheit für eine Neuausrichtung der Politik – wenigstens in ihrer Stadt. Mit Zohran Mamdani haben sie einen jungen, überzeugenden Bürgermeister gewählt – mit klaren Vorstellungen, wie er die Metropole wieder bezahlbar und lebenswert für alle machen will.
Mit seiner Rede nach dem überwältigenden Wahlsieg vom 4. November machte Mamdani einmal mehr deutlich, wie sehr sich sein Auftreten und seine Haltung vom Hetzen nach Trump’schem Muster unterscheiden. «Wir haben gewonnen, weil die New Yorker:innen es sich herausgenommen haben, zu hoffen, dass das Unmögliche möglich wird. Und wir haben gewonnen, weil wir nicht mehr zulassen, dass uns Politik aufgezwungen wird. Ab jetzt ist sie etwas, das wir selbst gestalten» – so der frisch gewählte Mamdani.

Im Zentrum seiner Vision für eine Politik, die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientiert: Bezahlbare Mieten, günstiger oder kostenloser ÖV, kostenlose Kinderbetreuung sowie städtische Supermärkte, vergleichbar den CARITAS Shops bei uns. Finanzieren will Mamdani diese für eine Mehrheit der Bevölkerung nötigen Entlastungen mit einer Steuererhöhung für «das reichste Prozent» der New Yorker:innen.
Ob dies gelingen wird, ist offen und mehr als fraglich. Der Entscheid darüber liegt bei der Gouverneurin des Staates New York – weder der Bürgermeister noch seine Wähler:innen können dabei direkt mitreden.
Ganz anders wir in der Schweiz: Bei Annahme der Juso-Initiative «Für eine soziale Klimapolitik – steuerlich gerecht finanziert» würde für die reichsten der Reichen eine (für sie absolut verkraftbare) Erbschaftssteuer eingeführt.
Bei einer Umsetzung der Vorlage, hätten direkte Erbinnen von Millionär:innen und Milliardär:innen zwar immer noch einen Freibetrag von 50 Millionen Franken, den sie nicht versteuern müssten. Nur was darüber liegt, würde einer einmaligen Erbschaftssteuer von 50 Prozent unterliegen. Ein vernünftiger Vorschlag, zumal die Einnahmen aus dieser Steuer zweckgebunden in den dringend notwendigen Klimaschutz fliessen soll.

Obschon laut Angaben des Bundesrats gerade mal 2500 superreiche Schweizer:innen von dieser Erbschaftssteuer betroffen wären und die überwiegende Mehrheit der Stimmberechtigten niemals auch nur annähernd ein Vermögen über 50 Millionen anhäufen wird, ist zu erwarten, dass die Initiative trotzdem haushoch verworfen wird.
Dies nicht zuletzt, weil Superreiche wie etwa der SVP-nahe Stadler-Rail-Boss Peter Spuhler oder Alfred Gantner von der Geldhortungs- und ‑vermehrungsfirma «Partners Group» seit Monaten Stimmung machen gegen die Initiative und mit ihrer Abwanderung drohen. Es erstaunt nicht, dass gerade jene Medienkonzerne, die Multimillionären gehören, bei der Kampagne gegen die Initiative an vorderster Front mitmischen. Mit Drohszenarien, die suggerieren, dass unser Land den Wegzug von ein paar Schweizer Erbschaftssteuer-Flüchtlingen nicht verkraften würde…
Wie sehr diese Milliardäre das Ruder in unserem Land längst übernommen haben, zeigt die Zusammensetzung der «Schweizer Wirtschaftsdelegation», die diese Woche – mit Unterstützung durch das Seco – nach Washington gereist ist und von Trump im Oval Office empfangen wurde. Sechs Firmenbosse, alles Interessensvertreter von internationalen Konzernen, die ihre Hauptsitze in der Schweiz haben, weil man von hier besonders diskret und unbehindert geschäften kann.
Zu Recht kritisiert etwa Tamedia-Bundeshauskorrespondent Konrad Staehelin, dass «Financiers und Ölhändler im Namen der Schweiz» mit Trump gesprochen hätten – ohne Vertretung der Schweizer Regierung: «Das Vorgehen gemahnt an Oligarchien – und sollte eigentlich nicht die Art sein, wie zwei der ältesten Demokratien der Welt miteinander verkehren.»
Haarsträubend hingegen, dass er gleich im nächsten Satz das Ganze mit den Worten rechtfertigt, wir hätten aktuell halt «sonderbare Zeiten». Staehelin ist in diesen Tagen nicht der einzige, der den Kniefall der Schweiz vor Trumps Erpressungspolitik, notabene auf Kosten rechtsstaatlich verankerter Prinzipien, schönzuschreiben versucht.

Fakt ist: Die im Namen unseres Landes in die USA gereisten Oligarchen aus der Schweiz, Italien und Südafrika, beladen mit in Geschenkpapier gewickeltem Goldbarren und Rolexuhr, haben dem amerikanischen König gehuldigt. Was im «Büro Trump» ausgehandelt wurde, um die 39%-Steuern auf Schweizer Exporte in die USA abzuwenden, bleibt (vorläufig) geheim. Oligarchen, wie die neapolitanischen MSC-Eigentümer mit Sitz in Genf halten es mit der Transparenz gleich wie die Mafia. Schweigen ist Gold.
Wovon wir jedoch ausgehen können: Die Bedürfnisse und Interessen der Menschen in der Schweiz spielten beim Buckeln der «Schweizer» Wallfahrergruppe im Oval Office, keine Rolle. Ihr unterwürfiges Flirten mit Trump mag nützlich sein für ihre Geschäfte, unter dem Stricht richtet es für uns aber mehr Schaden an, als dass es nützt.
«Es geht hier um die eigene Haltung, um das Mindset. Ich bin der Meinung, dass die Schweiz eines der besten und stärksten Länder der Welt ist», sagt dazu Nick Hayek in einem Interview mit Tamedia. Er ist einer der wenigen Unternehmer in der Schweiz, die sich dem Buckeln vor Trump verweigerten. «Wir sollten diese Position ausspielen. Wir sollten unsere Kultur verteidigen und für unsere Ansichten kämpfen.»
Dazu gehört auch, dass wir unserer Demokratie Sorge tragen. Indem wir die Geschicke unseres Landes nicht Oligarchen, Mafiösen und Multimilliardären überlassen, sondern – nach dem Vorbild der Wähler:innen in den Niederlanden und in New York – das Heft selber in die Hand nehmen und uns von aufgebauschten Wegzugs-Androhungen nicht einschüchtern lassen. In Bezug auf die Abstimmung zur Juso-Initiative heisst dies klar und deutlich: JA zur Einführung einer Erbschaftssteuer für Superreiche.







Unsere Verfassung wird in immer mehr Bereichen äusserst kreativ interpretiert. Da müssen wir geradezu den “Unterwerfungsvertrag” mit der EU herbeisehnen.
Zur Aussenpolitik hält die Bundesverfassung fest, dass diese eigentlich eine Aufgabe der Bundesbehörden sei:
“Art. 54 Auswärtige Angelegenheiten
1 Die auswärtigen Angelegenheiten sind Sache des Bundes.”
Tönt logisch und nachvollziehbar. Natürlich gibt es daneben auch ungeschriebene Gesetze. Zum Beispiel: Dass nur Wirtschaftsparteien aus dem rechten Lager die erforderlichen Kompetenzen und das Format hätten, eine erfolgreiche Aussenpolitik zu betreiben.
In der Praxis vertreten FdP und SVP jedoch die Interessen ihrer Klientel nicht, sie lassen diese Geldsäcke gleich selber agieren. In der Wahrnehmung des MAGA-Kults ist Gianni Infantino unser Außenminister. Und Üli Maurer Sondergesandter zur Vernetzung mit unappetitlichen Rechtsextremen und Sonderbotschafter für chinesische Angelegenheiten.
Derweil beklatschen sich die überforderten Bundesratsmitglieder dieser zwei Parteien für das bahnbrechende Beispiel einer “private public partnership” in der Aussenpolitik.
Last exit: Abwählen.