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Kaffee aus Pappbechern

Ein kühl-nasser Sonntag lockt wieder einmal ins Museum. Die Ausstellung mit dem vielsa­genden Titel «Wasser. Gestaltung für die Zukunft» auf dem Toni-Areal bringt wieder ins Bewusstsein, wie abhängig das Wohlergehen der Menschen von sauberem und giftfreiem Wasser für uns Menschen, die Natur und die Landwirtschaft ist. Anhand von Beispielen aus aller Welt zeigt sie, dass ein nachhal­tiger Umgang mit Wasser möglich ist und geschä­digte oder zerstörte Ökosysteme sogar wieder geheilt werden können.

So etwa in Mexiko, wo ausge­laugte und vergiftete Böden, zerstört durch eine rücksichtslose Agrarindustrie, langsam wieder­belebt werden können – mittels intel­li­gentem Anpflanzen von einhei­mi­schen Agaven.

In Europa testen die Bewohner:innen eines Hamburger Neubauquartiers innovative Wege, wie man die kostbaren Ressourcen Wasser und Energie durch die Verknüpfung von Abwasserkreislauf und Energiegewinnung effizient nutzen kann. Und in Dübendorf, wo die Wissenschaftler:innen der EAWAG seit Jahren an umwelt­freund­li­cheren WC-Anlagen forschen, wird die No-Mix-Toilette Schritt für Schritt zur Marktreife gebracht.

Dies nur drei Beispiele aus der eindrück­lichen Palette von Engagements, Forschungen und Massnahmen im Zusammenhang mit dem lebens­wich­tigen Element Wasser. Die Entdeckungsreise durch die Ausstellung von der Eiszeit bis zur klima­er­hitzten Gegenwart und in die Zukunft, ist eine reich­haltige Fundgrube an Informationen und bietet viel Stoff zum Weiterdenken und Diskutieren.

Genau das wollen wir nach zwei Stunden und vielen neuen Erkenntnissen tun, bei einer Tasse Kaffee und etwas zum Knabbern. Voller Vorfreude steuern wir durch die zum Foyer umfunk­tio­nierte ehemalige Joghurtfabrikhalle auf die Kaffeebar zu. Beim Warten an der Theke fällt mein Blick auf die Kaffeemaschine.

Weit und breit weder Kaffeetassen noch Teegläser – einzig Wegwerf-Pappbecher in verschie­denen Grössen warten auf ihre Nutzung. Dies in einem öffent­lichen Gebäude, der Kreativ-Fabrik der Hochschule der Künste (HdK), wo junge Menschen eigentlich fit gemacht werden müssten, für eine nachhaltige Zukunft. Genauso, wie wir es vorhin in der Ausstellung gesehen haben.

Ausgerechnet in der ehema­ligen Toni-Molkerei, wo Ende der 1970er Jahre das Toni-Joghurt erfunden wurde ­– «das im Glas» – gefeiert und promoted als umwelt­freund­liche Alternative zum Joghurt im Plastikbecher.

Das Toni-Joghurt im Mehrwegglas avancierte schnell zum Verkaufsschlager und Kultprodukt. Lange hielt der Erfolg aller­dings nicht – der Milchkonzern ging Konkurs, nicht wegen dem Mehrwegglas, sondern wegen Überkapazitäten, Verschuldung und Mangel an durch­schla­genden Innovationen.

Während die Zürcher Joghurtfabrik zur Hochschule der Künste mit angeglie­dertem Museum mutierte, gelangte die Toni-Marke zum grössten Schweizer Milchkonzern EMMI. Dort wurde das Toni im Glas weiter produ­ziert, aller­dings als eines neben Dutzenden im Plastikbecher. Aus Kult wurde ein Randprodukt. Und aus dem Mehrweg- ein Einwegglas: Die Produzenten und Grossverteiler verzich­teten, auf das ökolo­gisch sinnvolle Sammeln, Waschen und Wiederverwenden der Joghurtgläser – aus Bequemlichkeit und Kostengründen…

Doch zurück in die Kaffeebar: Endlich bin ich an der Reihe. Während unser Kaffee in die Pappbecher tropft, tippt die Frau hinter der Theke meine Bestellung in die Kasse. Zufälligerweise sehe ich, dass sie mir pro Kaffee 10 Rappen für den Becher verrechnet. Erstaunt frage ich, ob es denn eine Alternative zum Pappbecher gebe…

«Wenn Sie selber eine Tasse mitbringen, können Sie sich die 10 Rappen sparen», sagt sie. Etwas ungläubig schüttle ich den Kopf und frage, weshalb man denn für jene, die vor Ort etwas trinken, kein Geschirr zur Verfügung stellen könne.

«Das hier ist eine Hochschule», klärt mich die Frau freundlich auf. «Wenn wir unsere Getränke in Tassen und Gläsern servieren, werden diese überall im ganzen Hochhaus stehen gelassen, anstatt zurück­ge­bracht, und wir müssen sie mühsam wieder einsammeln – minde­stens jene, die nicht geklaut wurden.»

Die selbst­er­nannte Umwelt-Stadt Zürich steurt eigentlich in eine andere Richtung. Mit einem Flyer appel­liert sie an die Gastronomiebranche und schreibt unter anderem: «Durch das Mehrwegangebot können Sie Kundinnen und Kunden für ein verant­wor­tungs­volles Handeln sensibilisieren.»

Einmal mehr zeigt sich, was solche Flyer und Infokampagnen taugen. Die Kaffeebar-Betreiberin auf dem Toni-Areal – das Gastro-Grossunternehmen ZFV (Zürcher Frauenverein) – rechnet und bleibt dabei: Kein Abwasch, kein Geschirr-Einsammeln. Als Alibiübung nimmt das Unternehmen pro Heissgetränk zusätzlich 10 Rappen ein, das Mehrfache des Einkaufs- und Entsorgungspreises. Im reichen Zürich mit den eh schon exorbi­tanten Kaffeepreisen ist das für die Kund:innen eh ein Klacks.

Mag sein, dass wochentags der eine oder die andere Studierende mit der eigenen Tasse vorbei­kommt. Während der halben Stunde, die wir am Sonntagnachmittag dort verbrachten, gingen sämtliche Getränke in Wegwerfbechern über die Theke…

Und wenn man bedenkt, wieviele Wegwerfbehältern bei Grossverteilern und kleinen Takeaways verkauft werden, wird klar, woher die regel­mässig überquel­lenden Abfallkörbe in der ganzen Stadt und das schmutzige Drumherum kommen. Lernen und lehren, dagegen etwas zu unter­nehmen, sollte doch keine Kunst sein, an der HdK. 

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