
Während sämtliche Schweinwerfer der (westlichen) Weltöffentlichkeit nach Davos gerichtet sind, nutzt Israels rechtsextremes Regime die Situation, um sein Ziel eines jüdischen Staats «from the River to the Sea», im Schatten des World Economic Forum WEF ungehindert voranzutreiben.
Als am Dienstag, 20. Januar 2026 in Davos die ersten Speaker:innen die Bühnen betraten und das Wort ergriffen, waren in Ostjerusalem die Bulldozer bereits in Aktion: Nachdem israelische Besatzungs- und Polizeitruppen den Hauptsitz der UN-Palästinaorganisation UNRWA bereits vor Wochen widerrechtlich gestürmt und auf dem Gebäude die israelische Flagge gehisst hatten, folgte nun dessen endgültige Zerstörung.
Am Mittwoch, als Trumps Anreise nach Davos und später sein Auftritt die Weltmedien in Atem hielten, schlug die israelische Armee im Nahen Osten erneut zu – diesmal in Gaza: Laut Meldungen aus den dortigen Spitälern, tötete die israelische Armee an diesem Tag erneut mindestens elf Palästinenser:innen.
Unter ihnen Moatsem al-Sharafy, ein 13jährige Bub, den israelische Soldaten erschossen, als er Holz sammelte, damit seine Mutter Essen kochen konnte. Ein weiteres Kind wurde im Bureij-Flüchtlingslager im Osten von Gaza von einem israelischen Drohnenpiloten getötet, zusammen mit seinem Vater sowie einen 22jährigen Mann.
Am gleichen Mittwoch ermordeten israelische Soldaten schon wieder drei Journalisten, womit sich die Zahl der in Gaza getöteten Reporter:innen weiter erhöht hat – laut dem Committee to Protect Journalists CPJ auf mindestens 206 Medienschaffende.
Die drei jüngsten Opfer israelischer Angriffe auf unliebsame Berichterstatter waren in einem Auto des Egyptian Relief Committee unterwegs, um dessen Arbeit in Gaza zu dokumentieren. Unter ihnen der Foto- und Videojournalist Abdul Raouf Shaat, der auch regelmässige für Agence France-Presse AFP* gearbeitet hat.
Er gehörte zu den freien Mitarbeitern, welche auch nach der Evakuierung der festangestellten Belegschaft der Agentur weiterhin unzensurierte Nachrichten aus Gaza in die Welt sandten – unter enormem persönlichem Risiko. In einem Statement verurteilt AFP die Ermordung ihres Mitarbeiters und beschreibt Shaat als «liebenswerten Kollegen mit einem feinen Gespür für Humor und äusserst engagierten Journalisten».
Die Medienagentur verlangt, wie in solchen Fällen üblich, eine «volle und transparente Untersuchung» zum Tod der drei Journalisten – die es, wie ebenfalls üblich, wohl nie geben wird. Die immergleichen Standardausreden der israelischen Armeesprecher kennen wir längst. «Viel zu viele lokale Journalist:innen wurden in den letzten zwei Jahren in Gaza getötet», schreibt AFP weiter und kritisiert, dass Israel ausländischen Journalist:innen bis heute den freien Zutritt nach Gaza verwehrt.
Dies mit voller Absicht, wie weitere Berichte zeigen, die uns trotz der versuchten Nachrichtensperre, aus der Region erreichen: So hat etwa die BBC aufgrund von Satellitenbildern aufgedeckt, dass das israelische Militär die gelben Betonblöcke zur Markierung des von ihm besetzten Gebiets in Gaza an 16 Positionen zu Israels Gunsten versetzt hat: Im Schnitt seien die Grenzmarkierungen durch Israel fast 300 Meter tiefer ins Restgebiet der Palästinenser:innen verlegt worden, so die BBC.
Auch im besetzten Westjordanland setzt Israel seine Vertreibungspolitik und den Genozid an der palästinensischen Bevölkerung ungehindert fort. Das Leben wird für die Menschen sogar in Städten wie Nablus oder Bethlehem immer unsicherer und unerträglicher, weil das israelische Regime offensichtlich keine Grenzen mehr kennt, wenn es darum geht, palästinensisches Eigentum zu zerstören und Landraub zu begehen. So zerstörten israelische Bulldozer zum Beispiel am gleichen Mitttwoch, an dem Trump am WEF eintraf und die Journalisten in Gaza getötet wurden drei Wohnblöcke in Shuqba, einem Dorf bei Ramallah.
Gleichzeitig hat Israel seit Wochen eine Grossoperation gegen zahlreiche Dörfer in der Negev-Wüste am Laufen, wo die israelische Polizei ebenfalls mit schwerem Gerät einfährt und ganze Siedlungen zerstört. Die Regierung in Jerusalem scheint auch hier die Gunst der Stunde zu nutzen, um die angestammte beduinische Bevölkerung ein für alle Mal von ihren Ländereien zu vertreiben und diese jüdischen Siedlern zur Verfügung zu stellen .
Und es geht weiter: Am Donnerstag, 22. Januar zerstören israelische Bulldozer palästinensische Häuser im Westen von Jericho, und israelische Soldaten ermorden im Osten von Gaza erneut vier Menschen.
Währenddessen inszeniert Donald Trump in Davos den Startschuss zu seinem «Board of Peace», das im Nahen Osten nach trumpschem Gutdünken Frieden schaffen soll. Eine grausliche Propagandaveranstaltung der Firma Trump Inc., die weder Israel in die Schranken weisen, Völkerrecht durchsetzen noch nachhaltigen Frieden in die Region bringen wird.
Dafür präsentierte Trumps Schwiegersohn Jared Kushner die Pläne des vom US-Präsidenten ernannten Investorenboards für den Wiederaufbau von Gaza. Die Bilder und Zahlen zu «New Gaza» (Mar a Lago II) haben mit dem, was für die Palästinenser:innen des Gazastreifens einst Heimat war, nichts mehr gemein – vielmehr entsprechen sie einer 1:1 Umsetzung von Trumps Gaza-Riviera, die er bereits vor einem Jahr – damals noch als Luftschloss – präsentiert hatte.
Als letzter Redner dieser unerträglichen Veranstaltung auf Schweizer Boden wurde der «High-Representative für Gaza» ans Mikrofon bestellt, der Bulgare Nikolai Mladenow – selbstreden kein Palästinenser, aber von Trump als passend für diesen Job auserkoren.
Während diese peinliche Konkurrenzveranstaltung zur UNO mit Hilfe des WEF nun also tatsächlich Fahrt aufgenommen hat, ist UNO-Generalsekretär António Guterres gar nicht erst angereist. Sein Büro liess diplomatisch verlauten, der Chef verzichte infolge einer schweren Erkältung. Rund zwei Dutzend trumptreue Staaten sind dem «Friedensrat» unverzüglich beigetreten, während die Schweiz und einzelne EU-Länder das Zwangsangebot noch «prüfen» wollen.
So schaut die Welt gebannt nach Davos, Washington und Grönland, während sich Israel hinterrücks weiterhin nimmt, was es will und tut, was ihm beliebt.
INSIDE GAZA*
Ein äusserst sehenswerter Dokumentarfilm über die (verunmöglichte und tödliche) Arbeit der Journalist:innen von AFP in Gaza:







Danke für diese präzisen Informationen. Keine Spekulationen und in den Vordergrund stellen der eigenen Ideologie, nur aufzählen, was läuft. Ich bin erschüttert. Es ist absolut unerträglich, wie die Menschen behandelt werden, nur weil sie PalästinenserInnen sind oder frei Bericht erstatten.
Am unerträglichsten sind die westlichen Regierungen, die sich am Genozid beteiligen, statt endlich für Menschen- und Völkerrecht einzustehen.
Auch in den schlimmsten historischen Situationen können PolitikerInnen noch etwas tun. Wenn sie denn wollen. Offensichtlich will der schweizerische Bundesrat und auch fast alle anderen westlichen Regierungen nichts tun, um dem Schrecklichen entgegenzutreten.