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Frühling für Fake News

Was wir in diesen Tagen an Propaganda und Realitätsverdrehungen zu hören und zu lesen bekommen, spottet jeglichem gesunden Menschenverstand. So wird etwa die Behauptung, der Iran sei kurz vor dem Bau einer Atombombe gestanden, auch durch 1000fache Wiederholung nicht wahrer.

Israel und die USA haben den Iran innerhalb eines Jahres bereits zum zweiten Mal während laufender Verhandlungen militä­risch angegriffen. Keine Frage: Ein Angriffskrieg, völker­rechts­widrig. Gleich am ersten Tag zwei monströse Kriegsverbrechen: In Teheran haben israe­lisch-ameri­ka­nische Bomben das iranische Staatsoberhaupt getötet. Und im Süden des Landes Bomben auf eine Schule, bei dem das Leben von über 160 Mädchen im Alter von sechs bis 12 Jahren ausge­löscht wurde.

So sieht Trumps «Befreiung» des irani­schen Volkes von dessen Mullah-Regime aus. Als die ersten Bilder von der zerbombten Mädchenschule und den toten Kindern auftauchten, waren die Angreifer schnell mit den üblichen «Erklärungen» zur Hand, dass man einzig und allein auf militä­rische Infrastruktur ziele – und die bösen Iraner diese absichtlich in zivilen Quartieren versteckt hätten. Tote Mädchen und Lehrpersonen? Kollateralschaden.

Die europäische Politik duckt sich nach wie vor hinter Israel und Trump – mit einer löblichen Ausnahme: Der spanische Ministerpräsident Pedro Sanchez ist der einzige Spitzenpolitiker, der sich der Netanjahu-Trumpschen-Kriegstreiberei verweigert. 

Wie absurd die Situation ist, zeigt das Beispiel Deutschland. Dort wurde nach den ersten irani­schen Reaktionen auf den israe­lisch-ameri­ka­ni­schen Angriff, der iranische Botschafter einbe­stellt, wie das Auswärtige Amt über X publik machte. Man habe das «iranische Regime unmiss­ver­ständlich dazu aufge­fordert, seine rücksichts­losen Angriffe auf Staaten der Region unver­züglich einzu­stellen» und verur­teile «die willkür­lichen und unver­hält­nis­mäs­sigen Raketen- und Drohnenangriffe des irani­schen Regimes, auch auf zivile Ziele.»

Wurden der israe­lische und der US-ameri­ka­ni­schen Botschafter je ins Kanzleramt einbe­stellt? Fehlanzeige. Auch in der Schweiz ist das meines Wissens nie geschehen. Wozu auch? Man schweigt, oder stellt sich, wie im Fall von Deutschland, klar auf die Seite der Angreifer – eine gefähr­liche Politik, die dazu führt, dass auch Europa schon bald zur Kriegspartei werden könnte.

Aktuell gelten die Sorgen der Menschen in unseren Breitengraden jedoch in erster Linie noch den möglichen wirtschaft­lichen Auswirkungen des Kriegs: Steigende Öl- und Gaspreise, Verluste für die Wirtschaft dominieren die Schlagzeilen hierzu­lande – und natürlich all die gestran­deten Tour:istinnen am Golf, die sich in ihren Ferienparadiesen plötzlich mit einem hölli­schen Krieg konfron­tiert sehen…

Was hingegen kaum Erwähnung findet, ist die Tatsache, dass Israel den von ihm angezet­telten Krieg im Iran gleich­zeitig dazu nutzt, den Genozid an den Palästinenser:innen weiter voran­zu­treiben: Parallel zum Angriff auf Teheran, hat das israe­lische Militär Gaza erneut herme­tisch abgeriegelt. Im Lauf der Woche wurden zwar wieder verein­zelte Hilfslieferungen durch­ge­lassen, doch die Situation vor Ort droht sich weiterhin weiter zu verschlimmern.

Das Gleiche Bild im Westjordanland: Auch dort schreitet Israel mit seiner Landnahme, der weiteren Entrechtung und Vertreibung der einhei­mi­schen Bevölkerung ungebremst voran. 1000 neue Strassensperren hat die Besatzungsmacht erstellt und zudem eine Vielzahl von Bauern von ihrem Ackerland abgeschnitten. Täglich gibt es Dutzende neuer Horrorberichte über den hässlichen Siedler-Terror, den das israe­lische Regime nicht nur duldet, sondern mit seiner Politik befür­wortet und befeuert. Schliesslich soll das ganze Westjordanland heim ins rein-israe­lische Reich fallen.

In Israel fiel der erneute Angriff auf den Iran mit dem jüdischem Purim-Fest zusammen, während die musli­mische Welt in diesen Wochen den Fastenmonat begeht. In Gaza versuchen Menschen in dieser Zeit, mit den wenigen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, trotz allem die Hoffnung und Freude am Leben aufrecht zu erhalten, wie die palästi­nen­sische Lehrerin Donya Abu Sitta auf Electronic Intifada mit berüh­renden Worten und Bildern schilderte.

Gleichzeitig missbrauchen religiöse Zionist:innen die jüdische Purim-Feier für Kriegspropaganda. Sogar in der Schweiz – etwa in Genf, wo der israe­lisch-schwei­ze­rische Rüstungsinvestor Amir Weitmann dieses Jahr mitge­feiert hat…

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➥ GASTBEITRAG ZUM THEMA

Den Amerikanern und Israelis ging es nie um die Befreiung der Iraner vom Mullah-Regime. Dieser Satz lässt sich nicht oft genug wiederholen..


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