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Der totgeschwiegene UN-Folterbericht aus Israel

Seit Oktober 2023 hat Israel Folterung als festen Bestandteil seiner Politik gegenüber Palästinenser:innen etabliert. Ein aktueller UNO-Bericht zeigt die Systematik dieser völker­rechtlich geäch­teten Foltermethoden auf. In den Deutschschweizer Medien war davon weder zu lesen noch zu hören.

Anfang Woche präsen­tierte die UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese in Genf ihren jüngsten Bericht über die Situation der Menschen in den von Israel besetzten Gebieten. Unter dem Titel «Folter und Genozid» zeigt die Untersuchung auf, wie Israel syste­ma­tisch völker­rechtlich verbotene Methoden einsetzt, um Palästinenser:innen zu brechen, zu demütigen und letzt­endlich zu vernichten.

Ein erschüt­terndes Dokument, das jedoch in den Deutschschweizer Medien praktisch totge­schwiegen wurde: Weder die «NZZ», noch der «Tages-Anzeiger» oder das «Echo der Zeit» haben darüber berichtet. Dies – einmal mehr – im Gegensatz zur Berichterstattung in der Westschweiz, wo u.a. «RTS», die franzö­sisch­spra­chige Ausgabe des «BLICK» und der «Courrier» das Thema aufge­nommen haben.

Der gut dokumen­tierte Bericht basiert auf über 300 Zeugenaussagen, die von zahlreichen Organisationen vor Ort gesammelt und dem Büro der UN-Sonderberichterstatterin übermittelt wurden. Ihr selber verwehrt Israel bekanntlich den Zutritt nach Gaza, in die Westbank und nach Israel.

Was nichts an den Aussagen und der Qualität des Berichts ändert: Sämtliche Fakten und Recherchen, die in der Studie zitiert werden, sind mit Quellenangaben und weiter­füh­renden Links versehen. Der wissen­schaftlich fundierte Report zeigt auf, wie die seit der Gründung Israels stets prakti­zierten Foltermethoden insbe­sondere seit dem Oktober 2023 weiter­ent­wickelt und norma­li­siert wurden, und gezielt als Instrument zur Erniedrigung und Auslöschung der palästi­nen­si­schen Bevölkerung einge­setzt werden.

Als Beispiel zitiert der Bericht etwa die «Gefängnis-Revolution» des israe­li­schen Sicherheitsministers Itamar Ben-Gvir, der am 24. November 2023 verordnet hatte, dass alle als «Terroristen» katego­ri­sierten palästi­nen­si­schen Gefangenen gefesselt in Handschellen, in überfüllten Zellen ohne Licht mit Eisenbetten und Latrinen festge­halten und ununter­brochen der israe­li­schen Nationalhymne ausge­setzt werden.

Die breite Palette von entmensch­li­chenden Foltermethoden, die in israe­li­schen Gefängnissen prakti­ziert werden, ist längst kein Geheimnis mehr. Im Gegenteil: Insbesondere der rechts­extreme Minister Ben-Gvir brüstet sich gerne mit Videos, die zeigen, wie er Gefangene misshandelt und verhöhnt. Zu seinem Programm gehören auch drastische Kürzungen der Essensrationen, was bereits mehrfach zum Tod von Gefangenen geführt hat.

Im Februar 2026 waren laut dem UNO-Bericht 9’245 Palästinenser:innen in israe­li­schen Gefängnissen einge­sperrt. Darunter 1’330 Verurteilte, 3’308 Untersuchungsgefangene, 3’358 sogenannte Administrativhäftlinge, die ohne Gerichtsverfahren festge­halten werden – unter ihnen zahlreiche Kinder – sowie 1’249 Gefangene, die in die Kategorie «unrecht­mässige Kämpfer» fallen.

Sie alle sind Folter ausge­setzt. Das Spektrum reicht, laut den von Albaneses Team gesam­melten Zeugenaussagen, von «Fesseln bis zur Blutung» über «Schläge, Schleifen, Aushungern, Kälteeinwirkung, Verweigerung medizi­ni­scher Versorgung, Angriffe durch Hunde, Einzelhaft, sexueller Missbrauch, erzwun­genes Entkleiden» bis zu «Drohungen, Familienangehörige zu verge­wal­tigen und zu töten».

Israelische Verstösse gegen inter­na­tio­nales Recht
Die UN-Antifolterkonvention von 1984 verbietet völker­rechtlich verbindlich «jede Handlung, durch die einer Person vorsätzlich grosse körper­liche oder seelische Leiden zugefügt werden.» Obschon auch Israel die Konvention unter­zeichnet hat, wurde sie in dessen Gefängnissen nie umgesetzt. Bereits 1987 recht­fer­tigte eine Kommission, dass bei Personen, die von Israel des Terrors verdächtigt würden, zusätzlich zu psychi­schem in begrenztem Umfang auch physi­scher Druck ausgeübt werden dürfe. 1999 segnete Israels Oberster Gerichtshof diese Doktrin der «Notwendigkeit» ab, indem er «spezielle Druckmethoden bei Befragungen» erlaubte, die 2018 zusätzlich erweitert wurden. Das kommt einem Freipass für Folterungen in israe­li­schen Gefängnissen gleich, wie der aktuelle UNO-Bericht zusam­men­fasst: Von den zwischen 2001 bis 2020 über 1’300 einge­gan­genen Anzeigen wegen Folter, hätten gerade mal zwei zu Ermittlungen und keine einzige zu einer Anklage geführt.

Dies, obschon nach dem Völkerrecht das Verbot von Folter und anderer grausamer, unmensch­licher oder ernied­ri­gender Behandlung oder Bestrafung von Menschen absolut gilt. Mit anderen Worten: Für Folter gibt es keine Rechtfertigung, sie ist in jedem Fall ein Verbrechen. Der UN-Ausschuss gegen Folter hatte bereits in seinem Bericht von 2025 festge­halten, Israel verfolge eine «faktisch organi­sierte und weit verbreitete staat­liche Folterpolitik». Ein Vorwurf, den der Albanese-Bericht aufgrund zusätz­licher Recherchen bestätigt und zusätzlich den Zusammenhang zu Israels Genozid-Politik aufzeigt.

Systematische Folter – nicht nur hinter Gefängnismauern
Die Folterungen durch den israe­li­schen Staat beschränken sich nicht auf Gefängnisse und Verhörräume, wie der UN-Bericht weiter festhält. Insbesondere seit Oktober 2023 sei die gesamte palästi­nen­sische Bevölkerung in Gaza, aber auch in der Westbank und in Ostjerusalem, einem ständig wachsenden Druck ausge­setzt. «Israel hat Gaza in ein riesiges Folterlager verwandelt, wo die Menschen nirgends sicher sind – weder in Spitälern, Häusern, Schulen, Flüchtlingslagern, nicht einmal in überflu­teten Zelten. Israel kann überall und jederzeit zuschlagen», fasst der Bericht zusammen. Für das Westjordanland und Ostjerusalem nennt er als zentrales Instrument die allum­fas­senden High-Tech-Überwachungssysteme, die ebenfalls Foltereigenschaften aufweisen würden, «indem sie in den Gemeinschaften ein Klima der Angst schüren, soziale Bindungen unter­graben und indivi­duelle Freiheiten unterdrücken.»

Das Fazit lautet: Die alle Lebensbereiche umfas­senden Folterpolitik Israels gegen die palästi­nen­sische Bevölkerung ist Teil einer weiter­ge­henden Vertreibungs- und Genozidpolitik. Oder, wie der im Bericht zitierte rechts­extreme israe­lische Finanzminister Bezalel Smotrich höhnt: «Sie werden völlig verzweifelt sein, da sie erkennen, dass es in Gaza keine Hoffnung und nichts gibt, worauf sie hoffen könnten, und sie werden nach einer Umsiedlung suchen, um an anderen Orten ein neues Leben zu beginnen.»

Wie die älteren Berichte aus dem Büro der Sonderberichterstatterin, zeichnet sich auch der aktuelle Bericht «Folter und Genozid» durch eine breit abgestützte Quellenlage und unauf­ge­regte Sachlichkeit aus. Umso mehr stellt sich die Frage: Warum findet er kein Echo im «Echo der Zeit»? Warum berichtet nur die franzö­sisch­spra­chige Ausgabe des «BLICK»? Warum kein Wort darüber im «Tages-Anzeiger»?


Ausschnitt aus der Medienkonferenz der UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese vom 24. März 2026 in Genf:


Ergänzende Lektüre:

Die israe­lische Menschenrechtsorganisation B’Tselem hat bereits im August 2024 unter dem Titel «Welcome to Hell» einen ausführ­lichen Report über die grausamen Folterpraktiken in israe­li­schen Gefängnissen publi­ziert. Im Januar 2026 hat sie mit «Living Hell» ein Update nachgelegt.

Beide Berichte geben mit zahlreichen Testimonials und Beispielen den betrof­fenen Menschen eine Stimme und verschaffen einen umfas­senden Einblick in die Abgründe des israe­li­schen Foltersystems:


3 Antworten auf „Der totgeschwiegene UN-Folterbericht aus Israel“

  1. Israel nennt sich selber “Heiliges Land”, welche Religion erlaubt Menschen töten?? Keine. Mit solche Heiligtum kann man .….…… putzen. Israel ist Besatzer Palästinas Land schon 78 Jahre. Seit Jahr 1948 vertreibt Israel Palästinenser aus ihre eigene Land, baut für sich “Verbotene Siedlungen”, tötet Palästinenser, auch Kinder. Ganze Welt schaut zu, hilft niemand, leider.

  2. Ja, unser Schweigen macht uns zu Mittätern und Mittäterinnen. Wir leiden an der schlimmst möglichen Feigheit: Der Feigheit, Freunden und Allierten zu wider­sprechen, ihnen ihre Verbrechen so klar vorzu­werfen wie wir gegenüber politi­schen Gegnern oder verfein­deten Staaten klare Aussagen machen. Die Feigheit vor dem Freund, hat es Wolf Biermann einmal formu­liert, ist schlimmer als die Feigheit vor dem Feind.

  3. Wie kann das sein
    Ich lese diese Berichte, und mir wird übel. Nicht nur wegen der Grausamkeit, nicht nur wegen der syste­ma­ti­schen Erniedrigung, der Folter, der Kälte, mit der Menschen wie Tiere behandelt werden. Sondern weil es einfach weitergeht. Weil die Welt zusieht. Weil Medien schweigen. Weil Politik wegschaut.
    Stell dir vor, Russland würde Gefangene in Massenfolterlagern begraben, sie verhungern lassen, sie mit „Willkommen in der Hölle“ empfangen – die Empörung wäre grenzenlos. Doch wenn Israel es tut, ist es nur eine Fußnote. Warum? Weil wir im Westen selektiv empört sind. Weil einige Leben mehr zählen als andere.
    Wie kann es sein, dass wir über Fußball streiten, während irgendwo Väter, Söhne, Brüder in Dunkelheit verrotten? Dass Zeugen von Schlägen, Vergewaltigungen, Tod berichten und die Welt dreht sich weiter, als wäre nichts?
    Das ist kein Konflikt. Das ist Folter. Das ist ein Verbrechen. Und unser Schweigen macht uns zu Mittätern.

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