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Der Ast, auf dem wir sitzen

Grossaufmarsch der Bauernschaft in Deutschland: Mit lan­des­weiten Protestaktionen kämpfen die Landwirte und Bäuerinnen dafür, dass die Agrarwirtschaft wei­terhin ver­bil­ligten Agrardiesel erhält und keine Kraftfahrzeugsteuer bezahlen muss.

Die Bauern gehen dabei nicht zim­per­lich vor. Mit Verkehrsblockaden sorgen sie dafür, dass in man­chen Städten nicht einmal mehr Linienbusse durch­kommen. Slogans und Kampfreden zeigen: Die auf­ge­heizte Stimmung droht unge­müt­lich zu werden.

Hierzulande geht es zur­zeit (noch) weniger laut zu und her. Am 3. Januar hat der Schweizer Bauernverband auf den Frienisberg im ber­ni­schen Seeland ein­ge­laden. Im Kuhstall des Vorzeige-Bauernhofs der Familie Maurer prä­sen­tierten Verbandspräsident Markus Ritter und seine Crew ihre Vorschau auf den Bauern-Politkalender 2024.

Hervorgehoben wurden zwei Schwerpunktthemen: Unter dem Motto «Besorgter Ausblick auf das Jahr 2024» klagten die Verbandsredner:innen über wach­sende büro­kra­ti­sche Hürden sowie dro­hende Einkommenseinbussen für die Bauersleute. Folgerichtig for­dern sie mehr Subventionen und bes­sere Preise für ihre land­wirt­schaft­li­chen Produkte.

Eine nach­hal­tige Landwirtschaft, die unser Land mit regio­nalen, sai­so­nalen Produkten ver­sorgt ist wichtig und hat ihren Preis. Das ist unbe­stritten. Die Dauerangebote von impor­tierten gün­stigen Erdbeeren im Winterhalbjahr und Billigstpreise für Gemüse und Obst aus Südeuropa und Übersee sind in diesem Zusammenhang ebenso ärger­lich wie schädlich.

Genauso falsch ist aber, wenn die Überproduktion von Fleisch oder Wein in der Schweizer Landwirtschaft durch Subventionen abge­fe­dert und damit belohnt wird. Das ist nur ein Beispiel von vielen für die fehl­ge­lei­tete Politik des mäch­tigen Schweizer Bauernverbands.

Wie absurd dessen Haltung in Bezug auf die für die Landwirtschaft lebens­wich­tigen Ressourcen wie Artenvielfalt oder Bodenschutz sind, zeigt das zweite Schwerpunktthema, das Bauernpräsident Ritter letzte Woche auf dem Frienisberg lan­ciert hat:

Noch bevor das Abstimmungsdatum für die Biodiversitätsinitiative fest­steht, peitscht er seine Leute auf die Nein-Parole ein und stellt in Aussicht: «Wir werden in einer breiten Nein-Allianz den Lead über­nehmen.» Mit an Bord seien Verbündete aus Gewerbe und Wirtschaft, die Elektrizitätswirtschaft sowie der Baumeisterverband.

Damit rüstet Ritter erneut zum Frontalangriff gegen ein Anliegen, das Bäuerinnen und Bauern eigent­lich beson­ders am Herzen liegen müsste. Genau wie das vom Bauernverband pro­pa­gierte Nein gegen die Pestizid- und die Trinkwasserinitiative vor zwei Jahren.

Die Biodiversitäts-Initiative – 2019 als Doppelinitiative zusammen mit der Landschaftsschutz-Initiative lan­ciert – ist nichts anderes als ein Appell an die Vernunft. «Die Landwirtschaft ist auf eine intakte Biodiversität ange­wiesen. Sie ist die Grundlage für eine zukunfts­fä­hige Lebensmittelproduktion und damit für eine siche­rere Versorgung der Schweiz mit Nahrungsmitteln», sagt etwa Kilian Baumann, Präsident der Kleinbauern-Vereinigung und Nationalrat.

Doch solche Argumente sind dem Schweizer Bauernverband egal. Damit man sich nicht länger mit Baumanns Position aus­ein­an­der­setzen muss, wurde der Biobauer nach den letzten Wahlen kur­zer­hand aus der Konferenz der bäu­er­li­chen Parlamentarier ausgeschlossen.

Die Bauernlobby hat unter Ritters Führung im Parlament bereits dafür gesorgt, dass der vom Bundesrat vor­ge­schla­gene indi­rekte Gegenvorschlag zur Biodiversitäts-Initiative end­gültig ver­senkt wurde. Weil ihr dieser sogar in der vom Parlament weich­ge­wa­schenen Variante zu weit ging und dazu geführt hätte, dass Massnahmen schon bald umge­setzt worden wären.

Die Verbandsbauern dürften für die Nein-Kampagne gegen die Biodiversitäts-Initiative erneut Millionen Schweizer Franken in den Ring werden. Unterstützt von jenen Wirtschaftskreisen, die immer noch daran glauben, dass mit Geld alles erkauft werden kann. Biodiversität hin oder her.

Noch ist nicht aller Tage Abend – wir haben es in der Hand, dass diese Initiative nicht bachab geschickt wird…

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