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7. Oktober 2023 als Vorwand für Israels Politik

Anfang Juli wurden gleich zwei auf­schluss­reiche Studien publi­ziert, die Israels Vertreibungs- und Genozid-Politik in den besetzten Gebieten und dar­über hinaus entlarven:

Die israe­li­schen Menschenrechtsorganisationen Peace Now und Kerem Navot zeigen in ihrer gemein­samen Untersuchung «Annus Mirabilis» auf, wie die israe­li­sche Regierung seit 2023 mit syste­ma­ti­schen, gezielten Mitteln die wider­recht­liche Annexion des besetzten Westjordanland vorantreibt.

Dazu bedient sie sich ver­schie­dener Instrumente wie der per­ma­nenten Ausweitung von ille­galen Siedlungen, etwa durch rück­wir­kende Genehmigung und Ausbau von Aussenposten, hinzu kommen Landenteignungen und der Abbruch von Wohnhäusern der ein­hei­mi­schen Bevölkerung, die Vertreibung ganzer palä­sti­nen­si­scher Gemeinden sowie die mili­tä­risch-poli­zei­liche Übernahme der Kontrolle in Gebieten, die unter die Zuständigkeit der Palästinensischen Autonomiebehörde gehören.

«All diese Massnahmen zusammen führen zu einer de facto-Annexion und zer­stören gleich­zeitig syste­ma­tisch den palä­sti­nen­si­schen Lebensraum sowie die Möglichkeit für eine künf­tige poli­ti­sche Einigung» fassen die Autor:innen der Untersuchung ihre Resultate zusammen.

Die Zahlen, die sie prä­sen­tieren, lassen sich nicht weg­dis­ku­tieren. Sie zeigen das Ausmass der israe­li­schen Annexions-Offensive: So wurde in den letzten drei Jahren zum Beispiel die Planung von über 40’000 neuen Wohneinheiten in Siedlungen vor­an­ge­trieben – allein im Jahr 2025 waren es fast 28’000, womit der bis­he­rige Jahresrekord mehr als ver­dop­pelt wurde.

Gleichzeitig nahmen die von der israe­li­schen Regierung tole­rierte Siedlergewalt sowie die zer­stö­re­ri­schen Rodungen von land­wirt­schaft­lich genutzten Feldern und Olivenhainen rasant zu. Die Regierung inve­stiert zudem in grossem Stil in den Bau von «Sicherheitsstrassen» fort, die exklusiv nur von jüdi­schen Menschen befahren werden dürfen und die ein­hei­mi­sche Bevölkerung von ihren Feldern und Häusern abschneidet.

Die Besatzer erklären auch immer wieder, will­kür­lich und nicht anfechtbar, von Palästinenser:innen genutztes Weideland zu mili­tä­ri­schem Sperrgebiet. Die ein­hei­mi­sche Bevölkerung ist zudem dau­ernd neuen Bestimmungen und Schikanen der Israelis aus­ge­setzt – unter per­fider Anwendung von KI-gestützter Dauerüberwachung, welche die ele­men­tar­sten Rechte der palä­sti­nen­si­schen Menschen im wider­recht­lich besetzten Gebiet missachtet.

Trotz der ein­drück­li­chen Resultate und anschau­li­chen Präsentation fand dieser Bericht in der Schweiz einmal mehr kein Echo. Genauso wenig wie die infor­ma­tive Studie über «Die Kampagne gegen das UNRWA und das palä­sti­nen­si­sche Rückkehrrecht in Deutschland» des deutsch-israe­li­schen Forschers und Filmemachers Alon Sahar.

Die im Auftrag der Rosa Luxemburg-Stiftung durch­ge­führte Untersuchung zeigt unter anderem auf, wie Israel unter­stüt­zende Politiker:innen und Organisationen wie UN- Watch oder NGO Monitor seit Jahren erfolg­reich Verleumdungsgeschichten über die UNRWA ver­breiten. Seit dem dem 7. Oktober 2023 werden diese in Deutschland stärker denn je, von mei­nungs­bil­denden Medien ohne wei­tere Recherchen über­nommen und publi­ziert. Eine Beobachtung, die sich 1 : 1 auf die Schweiz über­tragen lässt.

Mit ver­hee­renden Auswirkungen: Als Folge dieser Kampagnentätigkeit stellten zahl­reiche west­liche Länder, unter ihnen auch die Schweiz, nach dem 7. Oktober die ver­spro­chenen Zahlungen an das Palästinenserhilfswerk umge­hend ein. Bis heute haben sie diese nicht wieder voll auf­ge­nommen – die Schweiz zum Beispiel schickt nach wie vor keine Mittel für die Unterstützung der Menschen in Gaza an die UNRWA.

UN-Generalsekretär António Guterres warnte vor wenigen Tagen vor einem Zusammenbruch des Hilfswerks, falls die Finanzierung nicht bald wieder nor­ma­li­siert wird. Die UNRWA, deren Arbeit durch ein Verbot in Israel und in den besetzten Gebieten zusätz­lich behin­dert wird, muss gegen­wärtig ihre Hilfsleistungen dra­stisch einschränken.

Dies alles, weil Israel es in jah­re­langer Lobbyarbeit geschafft hat, die UNRWA der­massen zu schä­digen, dass eine Mehrheit der Politiker:innen in Deutschland und der Schweiz sich gar nicht mehr unab­hängig über deren Tätigkeit in Palästina infor­mieren, son­dern blind­lings der Propaganda der UNRWA-Hasser folgen.

Ist die UNRWA erst einmal erle­digt – so das israe­li­sche Kalkül – ist auch das im inter­na­tio­nalen Recht ver­an­kerte Rückkehrrecht der Palästinenser:innen end­lich vom Tisch. Damit wäre das israe­li­sche Regime seinem Ziel der end­gül­tigen Völkervertreibung aus Palästina und der Ausdehnung des jüdi­schen Staates «From the River the Sea» einen grossen Schritt näher gerückt.

Mit Cassis sitzt ein erklärter UNRWA-Gegner und Israel-Freund am Ministerpult des Schweizer Ausseninisteriums, der sich bestimmt nicht dafür ein­setzen wird, dass nach Philippe Lazzarini erneut ein Schweizer Diplomat das Direktorium der UNRWA über­nehmen wird.

Die pro-israe­li­schen Netzwerke funk­tio­nieren hier­zu­lande min­de­stens eben­sogut wie in Deutschland, wie die feh­lende Berichterstattung in unseren Leitmedien über die beiden Untersuchungen zu Israels Annexions- sowie über dessen UNRWA-Verleumdungspolitik zeigt.



In Israel stehen Wahlen vor der Tür. Welche Rolle spielt der 7. Oktober?


Tech-Giganten als Weltenretter

Genf ist diese Woche Schauplatz eines Grossanlasses zum Thema künst­liche Intelligenz: Unter dem Label «AI for Good» prä­sen­tieren Forschende, Unternehmen sowie Vertreter:innen aus Kunst und Kultur ihre Projekte und Visionen, wie künst­liche Intelligenz «zum Wohle der Menschheit» ein­ge­setzt werden kann.

Der Anlass, der 2017 von der International Telecommunication Union ITU ins Leben gerufen wurde, findet dieses Jahr bereits zum 7. Mal in Genf statt. Vor Ort anwe­send ist alles, was in diesem Business Rang und Namen hat. Nebst füh­renden Wissenschaftler:innen sind vor allem auch sämt­liche Tech-Giganten ver­treten, die — in eigener Sache ange­reist — wenig über­ra­schend zu den Hauptsponsoren des Anlasses gehören.

So star­tete etwa der 8. Juli mit einem «Google Cloud Networking Breakfast», exklusiv für hand­ver­le­sene, gela­dene Gäste. Gefolgt von einer Reihe von Workshops mit gross­kot­zigen Titeln wie «Ausbau des Einsatzes von KI zur Bewältigung huma­ni­tärer Krisen und zum Wiederaufbau» oder «Eine KI-gestützte Plattform zum Austausch von Menschenrechtsdaten für alle, überall».

Noch vor der offi­zi­ellen Eröffnungs-Keynote, vor­ge­tragen von Bundesrat Albert Rösti, beglückte Microsoft-Präsident Brad Smith sein Publikum auf der Hauptbühne mit einer «super-opti­mi­sti­schen Rede», wie Le Temps berichtet. Wenn die künst­liche Intelligenz welt­weit gerecht ver­teilt sei, so der Grundtenor von Smith’ Rede, könne sie zur Lösung zahl­rei­cher Probleme beitragen.

Ausgerechnet ein Vertreter von Microsoft stellt die Illusion einer «gerechten Verteilung» in die Welt, wäh­rend sein Konzern immer wieder neue Wege und Geschäftsmodelle findet, um den Leuten das Geld und vor allem ihre Daten aus der Tasche zu ziehen…

Im Interview mit der Westschweizer Zeitung betonte der Big-Shot der Tech-Branche, dass pro­fit­ori­en­tierte Unternehmen wie Microsoft genauso dem Allgemeinwohl ver­pflichtet seien, wie NGOs oder Regierungen: «Wir wollen die künst­liche Intelligenz nutzen, um eine bes­sere Welt zu schaffen. Beurteilen Sie uns nach unseren Taten.» 

Man muss ihn also beim Wort nehmen – genauso wie alle anderen, die dieser Tage nach Genf gereist sind, um ihren Beitrag zum Wohl der Menschheit zu prä­sen­tieren oder zu ver­markten. Doch schon der Blick auf die Liste der Redner:innen an besagtem 8. Juli, lässt böse Ahnungen in Bezug auf die Hidden Agenda dieser Veranstaltung aufkommen.

So figu­riert zum Beispiel unter den Staatsmännern, die am 8. Juli zur offi­zi­ellen Begrüssung der Teilnehmenden ange­treten sind, neben SVP-Rösti als Vertreter der mit­ver­an­stal­tenden Eidgenossenschaft unter anderen auch der ruan­di­sche Präsident Paul Kagame, dessen Regime die im Ostkongo wütenden Rebellenmilizen unter­stützt und für mas­sivst Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen in der Region mit­ver­ant­wort­lich ist.

In seiner Rede prä­sen­tiert er sich als Vertreter eines fort­schritt­li­chen Afrikas, das die Chancen von KI für seine Entwicklung nutzen will. Ruanda gilt als leuch­tendes Modellbeispiel in Sachen KI-gestützter Digitalisierung des Gesundheitssystems mit einer breiten Datenerfassung der gesamten Bevölkerung.

Der vom Westen geför­derte und pro­te­gierte Kagame amtet auch als Vorsitzender des «Smart Africa Board», einem Zusammenschluss von 42 Staaten und inter­na­tio­nalen Konzernen zur Förderung der Digitalisierung Afrikas. Im Vorfeld der aktu­ellen Konferenz in Genf wurde der umtrie­bige Präsident Ruandas zudem zum Co-Vorsitzenden einer neu lan­cierten 40köpfigen «AI for Good Global Commission» ernannt, in wel­cher nebst inter­na­tio­nalen Organisationen und wei­teren Staatsoberhäuptern selbst­re­dend die mäch­tig­sten Player der KI-Branche ver­treten sind.

Darunter Amazon, wie Google und Microsoft ein US-ame­ri­ka­ni­scher Tech-Gigant, der mit seiner men­schen­ver­ach­tenden Geschäftspolitik immer wieder für Schlagzeilen sorgt. Zuletzt mit dem mil­li­ar­den­schweren Vertrag für das Cloud- und KI-Projekt Nimbus, das die israe­li­sche Regierung 2021 mit Amazon und Google abge­schlossen hat. Israel ver­wendet diese Technologie in grossem Stil beim Genozid in Gaza wie auch bei den anhal­tenden gezielten Tötungen im Westjordanland und im Libanon.

Das hin­derte die Veranstalter von «AI for Good» selbst­ver­ständ­lich nicht daran, auch den CTO und Vizepräsidenten von Amazon, Werner Vogels, als Gastredner ein­zu­laden. Er stellte seinen Vortrag auf der zen­tralen Bühne des Palexpo unter das Motto «Vertrauen ist tot: Vertrau mir.»

Weit kommt er mit seinem Appell aller­dings an diesem Nachmittag nicht: Als er über die Notwendigkeit des Zugangs zu qua­li­tativ hoch­ste­henden, auch geschützten Datensätzen, für einen erfolg­rei­chen Einsatz von «AI for Good» refe­riert, wird er plötz­lich unterbrochen.

Ein Video, das im Internet kur­siert, zeigt, wie BDS-Aktivist:innen die Bühne stürmen. Während ein Banner mit der Aufschrift «No Tech for Apartheid» die Blicke auf sich zieht, skan­dieren Personen im Saal laut­stark: «Drop Project NIMBUS

Ein Aktivist im roten Hemd stellt sich neben den Amazon-Hünen und kon­fron­tiert ihn vor ver­sam­meltem Publikum mit unbe­quemen Fakten zum men­schen­ver­ach­tenden, mör­de­ri­schen Nimbus-Projekt:

«Amazon inve­stiert Milliarden von Dollars in ein Projekt, das Israel freien Zugang zu euren Servern ermög­licht! Euer Technologie-Projekt NIMBUS ent­wickelt das «Lavender»-Tool, die Software «Where is Daddy», die, mit­hilfe von Künstlicher Intelligenz, Menschen in Palästina aktiv trackt – und wenn sie nach­hause kommen, killt sie das Militär, zusammen mit ihren Familien…», ruft der junge Mann in den Saal.

Vogels zieht sich zusammen mit Sicherheitskräften an den Rand der Bühne zurück, wäh­rend der Aktivist fort­fährt: «Sie wissen das, Werner Vogels – und sie ver­dienen Millionen damit! – Sie stehen hier und tun so, als setzten sie sich für die guten Seiten von KI ein… »

Erstaunlicherweise kann er seine Performance minu­ten­lang durch­ziehen und erntet aus dem Publikum fre­ne­ti­schen Applaus, bevor ihn Sicherheitskräften über­wäl­tigen und abführen. 

«Ist das die Zukunft, die ihr euch wünscht?», fährt der Aktivist unbe­irrt fort, wäh­rend ihn die Bodyguards aus dem Saal zerren. «Die KI-Chefs erhalten eine Bühne, auf der sie so tun, als würden sie Gutes tun für die Menschheit, als hätten sie Antworten…»

Ein Zwischenfall, der in der Tagungs-Zusammenfassung der Organisatoren selbst­ver­ständ­lich keine Zeile wert ist. Umso wich­tiger wäre es, dass die Medien dar­über und über­haupt kri­tisch über diesen Grossanlass mit dem beschö­ni­genden Titel «AI for Good» berichten würden. Doch davon keine Spur.

Mit wenigen Ausnahmen: Das fran­zö­sisch­spra­chige Radio RTS (einmal mehr, im Gegensatz zu Radio SRF!) nahm die Konferenz unter anderem zum Anlass für ein 15minütiges, sehr auf­schluss­rei­ches und span­nendes Gespräch mit dem KI-Experten und Kritiker Yoshua Bengio, der eben­falls nach Genf ein­ge­laden war. In der Westschweizer Presse gab es dar­über hinaus eine solide Berichterstattung, auch über die Hintergründe von «AI for Good», wäh­rend man in der Presse der Deutschschweiz bis­lang ver­geb­lich nach ent­spre­chenden Berichten sucht. Vertrauen in die NZZ und den Tagesanzeiger? Tot.

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Albert Rösti – radio(über)aktiv

Neulich im IC5 von Biel nach Zürich. Man möchte, aber kann nicht immer weghören…

Nach einer Tour d’Horizon von der Fussball-WM bis zum Krieg in der Ukraine, widmet sich ein Trio im Nachbarabteil innen­po­li­ti­schen Themen. «Wer will eigent­lich neue AKWs?», fragt eine der beiden Frauen, hörbar ratlos. Ihre Mitreisende ergänzt, die Schweizer Bevölkerung habe doch an der Urne ganz klar NEIN gesagt, zudem seien sie ja gar nicht finan­zierbar. Worauf der Dritte im Bund trocken erwi­dert, der Rösti sei eben ein Lobbyist, dem das Volksmehr egal sei.

Auslöser für diese Diskussion dürfte die Schlagzeile auf der Frontseite des Sonntagsblicks gewesen sein, die in grossen Lettern ver­kündet, Umweltminister Rösti for­dere ange­sichts des aktu­ellen Hitzesommers: «AKW gegen den Klimawandel!»

Im ersten Moment fragt man sich, ob Albert Rösti nun tat­säch­lich als kleiner Bruder von Don Quijotte die Klimaerhitzung auf­halten will, und kommt dann schnell zum Schluss, dass er diese wohl eher als will­kom­menen Vorwand für die Promotion eines seiner Lieblingsprojekte missbraucht. 

Im Rahmen des mehr­sei­tigen Interviews, das harmlos mit Fragen nach dem gesund­heit­li­chen Befinden des res­kon­va­les­zenten SVP-Bundesrats beginnt, erhält Rösti eine Gratis-Plattform, die er wie gewohnt geschickt dazu nutzt, seine Politagenda unter Missachtung von Demokratie und Volksentscheiden voranzutreiben.

Seine zen­tralen Botschaften, die er bereits am Mittwoch zuvor im Rahmen eines Sommerausflugs für Bundeshausjournalist:innen im Verkehrshaus Luzern ver­kündet hatte: Der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur soll weiter Fahrt auf­nehmen, inklu­sive Autobahnausbau – sowie das Pushen von Atomenergie zur Sicherung der künf­tigen Energieversorgung.

Die Protestaktion der extra zum Rösti-Anlass nach Luzern gerei­sten Klimaaktivist:innen gegen die Nachlässigkeit der Schweiz bezüg­lich Massnahmen für den Klimaschutz prallte wuchtig sowohl am Atom- und Öl-Bundesrat wie auch an den Medien ab: Die Anliegen der Klimabewegung, die ange­sichts der anhal­tenden Hitzewelle und Trockenheit mehr als berech­tigt sind, fanden kein Gehör.

Stattdessen stellt sich Rösti neu­er­dings schein­heilig an die Spitze der Klimabesorgten, um die behaup­tete Notwendigkeit neuer AKWs zu recht­fer­tigen: Wenn man zum Schutz des Klimas auf fos­sile Energien ver­zichte, brauche es zur Sicherstellung der «Energiesicherheit» auch Atomstrom, so seine simple Argumentation.

Atomstrom biete Chancen, so Rösti weiter, «wenn wir eine lang­fri­stig sichere Stromversorgung wollen und auf Souveränität und Unabhängigkeit setzen.» Was er dabei aller­dings wohl­weis­lich ver­schweigt: Von Souveränität und Unabhängigkeit kann in Bezug auf Atomstrom keine Rede sein. Da die Schweiz über keine Uranvorkommen ver­fügt, müssen die für die Kernspaltung not­wen­digen Brennelemente zu 100 Prozent impor­tiert werden – von «Souveränität und Unabhängigkeit» kann dies­be­züg­lich keine Rede sein. 

Was Rösti und Co. bei der aktu­ellen Debatte um Betriebsverlängerungen oder gar den Bau neuer AKWs weiter unter den Tisch kehren: Es gibt keine lang­fri­stig sichere Lösung für die Entsorgung des hoch­gif­tigen Atommülls, wes­halb auch die welt­weit grössten Versicherungsgesellschaften die Finger vom Atom-Risiko lassen. Umso hirn­ris­siger ist es, neue AKWs bauen zu wollen und damit noch mehr Risikomüll anzu­häufen, auf dem Generationen von Menschen sitzen bleiben werden.

Doch auch eine soeben publi­zierte Studie des Paul-Scherrer-Instituts PSI und der ETH Zürich zur Frage, unter wel­chen Rahmenbedingungen künftig Atomkraftwerke sinn­voll sein könnten, klam­mert sowohl die Frage der Beschaffung von Brennelementen auf dem Weltmarkt wie auch die unge­löste Entsorgung voll­kommen aus. «Eine Kombination aus Solar- und Kernenergie ist gut kom­pa­tibel und stärkt unsere Energiesicherheit», fasst Rösti sein Fazit zur Studie im SoBli zusammen. In bun­des­rät­lich ein­fa­cher Sprache und auf das von ihm gewünschte Resultat ver­kürzt, wie wir es von Politikern gewohnt sind.

Seine Zusammenfassung ist aller­dings mehr als gewagt, wie ein Blick in die Original-Studie zeigt. Darin kommen die Wissenschaftler:innen unter Einbezug ver­schie­dener Berechnungsmodelle und Szenarien näm­lich zum Schluss, dass es für die Energiewende in der Schweiz und die künf­tige Stromversorgung keine neuen Atomkraftwerke braucht.

Obschon Kernkraftwerke tech­nisch mit einem kli­ma­neu­tralen Energiesystem ver­einbar wären, das von Solar- und Wasserkraft domi­niert wird, so die Forscher:innen weiter, kämen die mei­sten Modelle für den opti­malen Energiemix ohne neue AKWs aus.

Das ist eine gute Nachricht, eigent­lich auch für die Wirtschaft. Denn finan­zierbar wären neue Kernkraftwerke nur mit­hilfe von Subventionen, so ein wei­teres Resultat der Studie.

Trotzdem rufen die Bürgerlichen laut­stark nach neuen AKWs und drehen hem­mungslos Volksentscheide wie das bestehende AKW-Neubaubverbot wieder zurück. So geschehen in der letzten Sessionswoche vor den Sommerferien.

Bundesrat Albert Rösti hat bereits Anfang Jahr eine Schneise für eine AKW-Renaissance geschlagen, als er anläss­lich der Parlamentsdebatte in Aussicht stellte, falls nötig könnte der Bund auch Fördergelder für neue AKWs locker machen…

Noch ist es nicht soweit – und soweit darf es nicht kommen: Das Referendum gegen die Missachtung des 2017 mit grossem Mehr vom Volk ange­nom­menen Verbots für neue AKWs ist bereits am Laufen – und es besteht berech­tigte Zuversicht, dass das Volk an der Urne Don Quichotte-Rösti nicht auf den Leim gehen wird.

Derweil gibt sich Rösti gegen­über den aktu­ellen AKW-Betreibern überaus ver­ständ­nis­voll und koope­rativ: Wie TX-Media am 7. Juli 2026 berichtet, hat Röstis UVEK 2025 eine neue Regelung in Kraft gesetzt, die es den AKW-Betreibern ermög­licht, auch bei Wassertemperaturen von über 25 Grad, erwärmtes Kühlwasser in die Flüsse zu leiten, was früher aus öko­lo­gi­schen Gründen ver­boten war. Damit dürfte er es sich aller­dings mit der grossen Fischer:innen-Zunft in der Schweiz ver­spielt haben…


AKW-Referendum – jetzt unterschreiben!


Wieviele Stromfresser braucht unser Land?

Das umst­srit­tene Datacenter in Beringen: Grösser als der Sechseläutenplatz in Zürich… 


Bewegte und bewe­gende Bilder von der Protestaktion anläss­lich Röstis Sommer-Offensive in Luzern:


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