«Vier Tote bei neuem Angriff Israels im Gazastreifen», vermeldet die sda am 15. Juli 2026. Seit über 9 Monaten gilt Waffenstillstand. Nicht für Israel. Die israelische Armee bestätigt den Angriff auf ein Wohnhaus mit der Copy-Paste-Erklärung, er habe «einem Kämpfer der Hamas» gegolten. Getötet wurden dabei ein sechsjähriges Mädchen und seine Eltern. Kollateralschaden Israel Style.
Auch im Libanon mordet Israels Armee trotz laufender Verhandlungen in Rom weiter: Verschiedene Nachrichtenagenturen berichten heute von der Sprengung mehrerer Häuser durch israelische Soldaten sowie anhaltender Bombardierung südlibanesischer Ortschaften durch Israel.
Tägliche Belege für Israels völkerrechtswidrige Genozid-Politik im Nahen Osten. Dazu gehört nebst den Tötungen und den menschenverachtenden Schikanierungen der palästinensischen Bevölkerung auch die gestern von der israelischen Regierung verfügte neue Finanzspritze von 400 Millionen Euro für den Bau sogenannter «Pionierviertel» in illegalen Siedlungen im besetzten Westjordanland.
Während die EU-Aussenminister letzte Woche endlich einen Boykott israelischer Güter aus den illegalen Siedlungen vorbereiteten, hält die Schweiz nach wie vor ohne Wenn und Aber an ihren engen wirtschaftlichen und militärischen Geschäftsbeziehungen zum Terrorstaat Israel fest.
«Rüstungschef auf Dienstreise in Israel» lautet der Titel einer Medienmitteilung, die der Bundesrat am 14. Juli 2026 verschickt hat. Darin gab er bekannt, dass Rüstungschef Urs Loher für Gespräche mit dem israelischen Verteidigungsministerium sowie mit Rüstungsfabrikanten nach Israel gejettet sei.
«Im Zentrum dieser Arbeitsgespräche stand insbesondere der aktuelle Stand sowie die nächsten Schritte der laufenden Beschaffungsprojekte Aufklärungsdrohnensystem 15 (ADS 15), Integriertes Funkaufklärungs- und Sendesystem (KFASS) und des Teilprojekts Ersatz mobile Kommunikation (EmK) des Projektes Telekommunikation der Armee (TK A)», erklärte das Bundesamt für Rüstung armasuisse in camoufliertem Militärsprech.
Loher habe sich zudem über die neusten Technologien im Zusammenhang mit Drohnenabwehr informieren lassen und die Gelegenheit wahrgenommen, anlässlich seiner Dienstreise «wichtige Ansprechpartner persönlich zu treffen und den Stand von Projekten vor Ort aus erster Hand zu beurteilen.»
Die neuerliche Wallfahrt des Chefeinkäufers der Schweizer Armee nach Israel ist ein weiteres bedenkliches Kapitel in einer Reihe von Militärskandalen mit einer langen Vorgeschichte, wie verschiedene Medien bereits in der Vergangenheit aufgedeckt haben.
Für die Zeit von Anfang 2013 bis September 2025 fanden laut eigenen Angaben des VBS insgesamt 1230 Dienstreisen von Schweizer Militärs nach Israel statt, berichtet etwa die Republik in ihrem Artikel über «Die Israel-Connection des Schweizer Militärs» vom November 2025: «Fast 100 pro Jahr. Und da sind die als geheim klassifizierten Reisen des Nachrichtendienstes noch nicht dabei.» Mit anderen Worten: 8 Mal pro Monat sind Schweizer Beamte in Tel Aviv gelandet. Über Dual-Use-Reisen (privat/geschäftliches Networking) gibt es keine Statistiken.
Angesichts dieser zahlreichen Israelbesuchen stellt sich die Frage, weshalb das VBS ausgerechnet Lohers aktuellen Ausflug ans Mittelmeer öffentlich macht und dazu eine Medienmitteilung verschickt. Zu einem Zeitpunkt, da aufgrund des verbindlichen Völkerrechts jegliche Waffengeschäfte mit Israel wie auch Beziehungen zwischen der Armee der von Fall zu Fall «neutralen Schweiz» und den israelischen Streitkräften gekappt werden müssten.
Die Antwort liegt auf der Hand: Vermutlich ist auch diese Meldung als Teil der aktuellen Grossoffensive zu verstehen, die VBS-Chef Martin Pfister und seine Leute in Sachen Militarisierung und Aufrüstung der Schweizer Armee zusammen mit Swissmem, dem Dachverband der Schweizer Rüstungsindustrie und mit tatkräftiger Unterstützung der Schweizer Medien, gestartet haben. Nach dem Motto: Wir feuern aus allen Rohren…
So reiste Pfister letzte Woche, begleitet von einem Journalistentross (embedded journalism), nach Schweden, um sich dort über die angeblich äusserst erfolgreiche und allgemein gutgeheissene Militärpolitik des (nicht mehr neutralen) Neo-Nato-Mitglieds informieren zu lassen.
Die SRG verbreitete zudem eine neue Umfrage von GFS-Bern, in Auftrag gegeben von Dachverband der Rüstungsindustrie Swissmem. Auch dies: Reine Abstimmungspropaganda, wonach eine Mehrheit der Schweizer Bevölkerung Mehrausgaben für die Armee gutheisse, allerdings nicht über Steuern finanziert, sondern durch weitere Einsparungen in anderen Bereichen.
Schliesslich warb Armasuisse um Militär-Goodwill mit einer Meldung über Kompensationsgeschäfte im Zusammenhang mit der Beschaffung der F‑35-Kampfjets: Verschiedene Schweizer Firmen sollen demnach künftig als Zulieferer profitieren können.
Kurzum: Aufrüstung und Militarisierung werden auf allen Kanälen sowohl von Politiker:innen wie Beamten und auch von Medienschaffenden als alternativlos dargestellt. Unsere Freiheit und Sicherheit sowie «unsere Werte» seien nur mit massiven Investitionen in die Kriegsindustrie zu schützen, so die Fanfaren der neuen Geistigen Landesverteidigung.
Folgerichtig bleibt Israel mit seinem kampferprobten Waffenarsenal als Destination ganz oben auf der Agenda der militärindustriellen CH-Reisegesellschaft.












