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Der Holocaust und Israels Genozid

Am Vorabend des 14. April zelebrierte das israe­lische Regime in Jerusalem den Auftakt zum diesjäh­rigen «Holocaust Martyrs’ and Heroes’ Remembrance Day». Der offizielle Akt des alljähr­lichen Gedenktags für «die Märtyrer und Helden des Holocaust» in der Gedenkstätte Yad Vashem fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, dafür live übertragen – etwa vom israe­li­schen News-Sender i124.

Zum Start der Sendung Grossaufnahmen, wie die israe­lische Flagge zum Gedenken an die Opfer des Holocaust auf Halbmast gesenkt wird, begleitet von salutie­renden IDF-Soldaten. Mit einer Fackel entzündete dann ein alter Mann auf der Bühne ein Gedenkfeuer, bevor Staatspräsident Isaac Herzog ans Rednerpult trat.

Schon der erste Satz liess keine Zweifel am Zweck dieser Veranstaltung aufkommen: Er widme die diesjährige Feier «unseren Soldaten an der Front», so Herzog. Den Soldaten, welchen heute die grosse Ehre zukomme, mit ihrem Einsatz die Geschichte der Holocaust-Opfer ehrenvoll fortschreiben zu dürfen. Auf dass alles gut werde, so der Staatspräsident weiter. Und es werde alles gut…

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bliess erwar­tungs­gemäss ins gleiche Horn und verkündete seiner­seits, Israel sei angetreten, um im Krieg gegen den Iran das Böse zu bekämpfen. Damit verteidige es, zusammen mit den USA, nicht nur sich selbst, sondern die ganze Welt. Insbesondere auch die Europäer, die vom rechten Weg abgekommen seien.

Mit martia­li­schen Worten schil­derte er Israels angeblich heroische Errungenschaften auf dem Schlachtfeld und schloss mit den Worten: «Es gibt kein anderes Volk, das erreichen könnte, was wir erreicht haben: Wir schafften den tiefgrei­fenden Wandel vom Holocaust zur Wiedergeburt. Einer Wiedergeburt, die mit ihren Errungenschaften die Staatengemeinschaft in Staunen versetzt…»

Die einein­halb­stündige Gedenkfeier hatte offen­sichtlich einen einzigen Zweck: Kriegspropaganda. Ein entwür­di­gender, ekeler­re­gender Missbrauch der Holocaust Opfer und ihrer Angehörigen. Während der gesamten Übertragung infor­mierte zudem ein News-Ticker am unteren Bildschirmrand über das aktuelle Weltgeschehen – aus israe­li­scher Perspektive:

Trump: Der Iran rief uns an, sie wollen unbedingt einen Deal /​Trumps Bemerkungen über Papst Leo sind inakzep­tabel, erklärte Italiens PM Meloni /​Netanyahu: Israel wird Ungarns Orban für immer als echten Freund in Erinnerung behalten /​15 US-Kriegsschiffe im Einsatz, um die Restriktionen gegen iranische Schiffsrouten zu verstärken /​Neue Details zur IDF-Operation ‘Eternal Darkness’ enthüllt: 250 Hisbollah Kämpfer und Kommandanten in Libanon getötet…

Das kennen wir zur Genüge: Israel töte in Gaza ausschliesslich Hamasterroristen und im Nachbarland Libanon nur Hisbollah-Kämpfer wird faustdick gelogen. Dass Israel mit seiner Attacke vom 8. April, kurz nach der Unterzeichnung des Waffenstillstandabkommens, Hunderte von Zivilist:innen im Libanon getötet hat, davon kein Wort. Auch die anhal­tenden täglichen Morde, Vertreibungen und Misshandlungen durch israe­lische Soldaten und Siedler in Gaza und dem Westjordanland, schaffen es in Israel und in vielen westlichen Medien nicht in die Berichterstattung.

Israel treibt seinen Genozid ungerührt und ungehindert weiter voran – selbst­ver­ständlich auch am Holocaust-Gedenktag: So berichtet etwa Mosab Abu Toha, der Dichter und verläss­liche Dokumentalist des Leidens in Gaza, von einem dreijäh­rigen Kind, das am Nachmittag des 14. April von einer israe­li­schen Schrapnell-Granate getötet wurde.

Allein in der letzten Woche starben In Gaza über ein Dutzend Menschen durch israe­lische Angriffe. Unter ihnen die neunjährige Ritaj Rihan, die während des Unterrichts in einer impro­vi­sierten Schule von einem israe­li­schen Soldaten erschossen wurde, sowie der Journalist Mohammed Wisha und der WHO-Ambulanzfahrer Majdi Alsan.

Wie in Gaza, macht Israel aktuell auch im Libanon ganze Landstriche platt, terro­ri­siert, vertreibt und tötet die Zivilbevölkerung und macht gezielt Jagd auf Medienschaffende und Helfer:innen. Und täglich findet man in sozialen Medien Berichte aus dem Westjordanland und Ostjerusalem, wo immer mehr Palästinenser:innen von gewalt­tä­tigen Siedlern und israe­li­schen Soldat:innen aus ihren Dörfern und von ihrem Land vertrieben werden.

«Diese Spirale von Vertreibung, Terror und gezielten Angriffen dient einem einzigen Ziel: den Palästinenser:innen das Leben unerträglich zu machen und sie dauerhaft von ihrem Land zu vertreiben», schreiben neun UNO-Expert:innen in einer Medienmitteilung, mit der sie am 13. April auf die unhaltbare Situation aufmerksam machten.

«Es ist inakzep­tabel, dass solche Praktiken, die nach inter­na­tio­nalem Recht Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen und die indivi­duelle straf­recht­liche Verantwortung der Beteiligten nach sich ziehen, unver­mindert fortge­setzt werden», fassen sie in ihrem Schreiben zusammen. Ihre Forderung an alle UNO-Mitglieder ist unmiss­ver­ständlich: Die Staaten müssen endlich ihren recht­lichen Verpflichtungen nachkommen und Israels völker­rechts­wid­riger Besatzung ein Ende bereiten. 

Worte, die bei uns zwischen in der Ostsee gestran­detem Buckelwal und der Blockade der Schiffsstrasse von Hormuz verhallen. Was kümmert uns das Leiden von Menschen in Gaza, im Westjordanland oder im Libanon, wenn unser Benzin teurer wird und wir damit rechnen müssen, dass unsere Ferien am Golf ins Wasser fallen?

Die Inszenierung des Holocaust-Gedenktags wiederum beweist: Israel ist noch lange nicht fertig mit seinen Gräueltaten. Doch nicht alle ziehen mit. So hat sich etwa die israe­lische Journalistin und Präsidentin der Menschenrechtsorganisation B’Tselem Orly Noy dieses Jahr erstmals den landes­weiten Ritualen des Gedenktags verweigert und schreibt dazu auf +972:

«Jedes Jahr an diesem Tag ertönt im ganzen Land eine zweimi­nütige Sirene, die den Verkehr zum Stillstand bringt und die Menschen in stille Andacht versetzt. Aus Ehrfurcht vor den Opfern der schreck­lichsten Tragödie in der jüdischen Geschichte kann ich an diesen staat­lichen Ritualen nicht länger teilnehmen. Ich weigere mich, an Zeremonien teilzu­nehmen, die von einem Staat durch­ge­führt werden, der zu einem Reich des Todes geworden ist – einem Staat, dessen gesamtes Wesen das Andenken an die Opfer entweiht, die er angeblich ehrt.»


Lesenswert:
Artikel zum Holocaust Gedenktag in Israel auf +972 

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Die neunjährige Schülerin Ritaj Rihan wurde am 8. April 2026 in ihrer Schule in Gaza erschossen…

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