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Kriegstreiberei auf allen Kanälen – Teil 2

Ein Panzer vor idylli­scher Alpenkulisse. Kanonendonner, eine Energiezentrale in Brand – Blick über eine zerbombte Stadt… «Bedrohung auf Distanz und Waffen auf Körper – da haben wir heute gar nichts, was wir dagegen tun könnten», sagt ein hoch dekorierter Schweizer Militär in die Kamera. Und aus dem Off doppelt eine weibliche Kommentarstimme nach: «Der Krieg kommt näher, und die Schweizer Armee sagt, sie sei nicht bereit.»

Das Schweizer Fernsehen SRF fährt in seiner Club-Doppelsendung zum Thema «Die Schweiz im Schatten des Krieges» schweres Geschütz auf. Und verbreitet, ganz im Sinn von Armee und Militärlobby, unkri­tisch Aufrüstungs- und Kriegspropaganda – ohne Wenn und Aber.

Anstelle einer sachlichen, journa­li­sti­schen Aufarbeitung dieses wichtigen Themas, geht es in den beiden Sendungen einzig und allein um Kriegsvorbereitungen, Waffenproduktion und ‑handel und die behauptete Notwendigkeit von zusätz­lichen Investitionen ins Kriegsgeschäft. 

Dafür hat man keinen Aufwand gescheut: Statt sich mit den für Club-Sendungen bewährten und kosten­günstig zu produ­zie­renden Diskussionsrunden im Studio zu begnügen, reisten die TV-Crews ins Berner Oberland, in die Ostschweiz und bis nach Deutschland, um ihre Gespräche vor kriegs­in­spi­rierten Kulissen zu insze­nieren. Eine Diskussionsrunde wurde gar in die Fabrik des deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall in Oerlikon verlegt – dem ex-Standort der Bührle-Waffenschmiede.

Den Auftakt machte in der Clubsendung vom 24. März 2026 eine Reportage vom Waffenplatz in Thun, wo drei Absolventen der Offiziersschule Co-Moderator Peter Düggeli Red und Antwort standen. Unisono erklären sie, dass ihnen die Verteidigung der Schweiz und unserer Freiheit sehr am Herzen liege, und dass sie dafür auch ihr Leben geben würden.

Antworten, wie sie von Offiziersaspiranten in Uniform nicht anders zu erwarten sind. Während sie ihre Sandkastenübungen im Thuner Kasernenhof fortsetzen, mahnt Korpskommandant Gregor Metzler im Interview mit Düggeli, dass es schon bald Ernst gelten könnte. Alle Nachrichtendienste, so seine unhin­ter­fragte Behauptung, progno­sti­zierten Krieg in Europa – es könne jederzeit losgehen, noch in diesem Jahrzehnt.

Deshalb müsse die Schweiz als reiches Land viel mehr für das Militär ausgeben, für das er im gleichen Atemzug auch um gesell­schaft­liche Anerkennung und Engagement wirbt – inklusive höherer Hürden für den Zivildienst, den er als Übel einer zu indivi­dua­li­sierten Gesellschaft taxiert. 

Kein Wort darüber, dass Zivildienstleistende in unter­schied­lichen Bereichen unver­zichtbare Beiträge für die Allgemeinheit leisten. Stattdessen fasst Stichwortgeber Düggeli zusammen: «Ich entnehme Ihren Worten, dass wir als Gesellschaft noch nicht bereit sind, zusam­men­zu­rücken und das Land wirklich zu verteidigen.»

Dass dem tatsächlich so sei, sollte eine Gesprächsrunde mit drei jungen Männern zeigen. Eingeladen waren ein Panzergrenadier, ein Zivildienstleistender sowie der politische Sekretär der GSoA. Die Meinung junger Frauen zu diesem Thema? Für die SRG offen­sichtlich kein Thema. Trotzdem hätte diese Runde das Potenzial für eine echte, spannende Diskussion gehabt, wären nicht jegliche Aussagen, die Sinn und Nutzen militä­ri­scher Gebiets- und Gesinnungsverteidigung infrage stellten, von Club-Moderatorin Barbara Lüthi umgehend abgeklemmt worden.

Nach knapp 13 Minuten ist dieses Intermezzo vorbei. Als nächstes folgte Aktivdienstromantik in Form eines Rundgangs durch die histo­rische Festung Magletsch oberhalb von Sargans. Dort dann auch die dritte und letzte Gesprächsrunde dieser Sendung: Barbara Lüthi bittet den NZZ-Armee-Journalisten Georg Häsler (Ex-Kommandant der Festungsminenwerferkompanie und aktuell Oberst der Schweizer Armee), die Militärrichterin Noémie Roten (Initiantin «Service-Citoyen-Initiative ) sowie den GSoA-Mitbegründer und Demokratie-Forscher Andreas Gross für das Gespräch über Aufrüstung und Neutralität in die Sarganser Reduit-Festung.

Auch dieses Gespräch hat eine klare Schlagseite. Trotz histo­risch wasser­dichten Argumenten gegen die längst als Mythos entlarvte Wirksamkeit von General Guisans Reduitstrategie im 2. Weltkrieg und der eindring­lichen Warnung vor dem Wiederholen alter Fehler, hat Andreas Gross gegen die zwei Militärturbos keine Chance. Dies nicht zuletzt, weil Moderatorin Lüthi immer wieder insbe­sondere die Argumentation von Häsler stützt, den sie zudem kumpelhaft duzt…

Eine Woche später, in der Clubsendung vom 31. März 2026 dann tatsächlich noch eine Steigerung: Nach Thuner Waffenplatz, Reduitmuseum und geistiger Landesverteidigung startete die SRF-Clubredaktion eine Grossoffensive:

Maschinengewehrfeuer – ukrai­nische Soldaten im Training, Kämpfer und deutsche Ausbildner auf einem Übungsplatz bei Berlin. Mitten unter ihnen Barbara Lüthi, die sich von vermummten Männern den Krieg erklären lässt. Bilder aus dem Ukraine-Krieg und von einem ukrai­ni­schen Soldatenfriedhof – dazu Lüthis Kommentar, in der Ukraine werde eigentlich die Freiheit von ganz Europa verteidigt… Als Tatsache dahin­ge­stellt, und mit der Frage verknüpft, ob die Schweiz nicht die moralische Pflicht habe, die Ukraine zu unterstützen…

Etwa mit Waffen, produ­ziert von der Schweizer Rheinmetall-Tochter Air Defence, die ihren Verkaufsschlager Skyranger in Oerlikon produ­ziert – und trotz lästigem Kriegsmaterialgesetz in alle Welt expor­tiert. Wie das möglich ist, erklärt Air-Defence-CEO Oliver Dürr der Club-Moderatorin auf einem Rundgang durch die Betriebshallen. Publikumswirksam zeigt die Kamera das begehrte Kriegsgerät von allen Seiten.

Nicht TV-jugendfrei dabei der Griff von Dürr zum polierten, phallisch gereckte Skyranger-Geschoss, das beim Abschuss «eine Kugelwolke von 154 kleinen Subprojektilen» produ­ziere, wie der CEO der Schweizer Rheinmetall-Tochter in blumigen Worten schildert, als wäre es eine Konfettikanone.

Minutenlang erhält Dürr eine Plattform, um sein Kriegsgerät sowie die «Notwendigkeit» gelockerter Exportbedingungen vor der Kamera auszu­breiten. Lüthi bleibt in der Rolle der Stichwortgeberin, die mit der Bemerkung den Vogel abschiesst, dass es aber schon Fälle gegeben habe, wo man fast mit Sicherheit sagen konnte, «dass Waffen von Rheinmetall in Konfliktsituationen und in Kriegsgebieten gefunden worden sind.»

Dörig, von dieser Frage nicht wirklich überrascht schüttelt besorgt den Kopf: «Lässt sich wahrscheinlich nicht vermeiden» – und wir fragen uns, ob das nun Satire sei, oder wofür denn Waffen gebaut werden, wenn nicht für den Einsatz in «Konflikt- und Kriegsgebieten»…

Doch damit nicht genug: Auf den ausufernde Rheinmetall-Werbespot mit Dürr folgt ein Interview mit Urs Loher, dem Rüstungschef er Schweizer Armee, der seine milli­ar­den­schwere Einkaufsliste ebenfalls ohne kritische Gegenfragen präsen­tieren und recht­fer­tigen kann.

Wie zur nochma­ligen Bestätigung des Abgefragten, gibt es eine weitere «Diskussionsrunde» mit der SP-Sicherheitspolitikerin Priska Seiler-Graf und ihrem SVP-Kollegen Michael Götte – und nochmals den armaphilen Dürr und Loher. Nicht im Reduit-Gefechtsstand und auch nicht im «neutralen» SRG-Studio in Leutschenbach, sondern rund zwei Kilometer davon entfernt, zu Gast bei Rheinmetall in Oerlikon.

Debattiert wird in dieser einseitig besetzten Runde selbst­ver­ständlich nicht über die grund­sätz­lichen Probleme von Aufrüstung und Waffenproduktion. Uneinig ist man sich einzig darüber, woher das Geld kommen soll, das Ausrüstungschef Loher fordert, um beim Rheinmetall CEO Dürr (und anderen Waffenproduzenten) auf Einkaufstour zu gehen. – Keine Club-Diskussion wie üblich, zwischen Personen mit sich wider­spre­chenden Standpunkten.

Erst ganz am Schluss dann doch noch der Versuch, dieser Wehrschau-Clubsendung einen Hauch von «Ausgewogenheit» zu verpassen: Auf einem Rundgang über das Areal der alten Kaserne in Basel befragt Club-Moderatorin Lüthi den Friedensforscher und Swisspeace-Direktor Laurent Götschel in einem knapp fünfmi­nü­tigen Interview zu seiner Sicht der Dinge. Mit Aufrüstung, fasst er zusammen, seien weder Sicherheit noch Frieden zu erreichen…


Nachtrag:

Und es geht weiter, mit der Kriegstreiberei und Angstmacherei – zum Beispiel im heutigen Sonntagsblick:


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