Skip to content

Einschüchtern und erpressen, auf Teufel komm raus

Verstörende, erschreckende Bilder aus dem Westjordanland: Sie stammen von einer Überwachungskamera in al-Fara, einem Dorf südlich von Jenin und zeigen, wie eine Gruppe israe­li­scher Soldaten auf drei Jugendliche schiessen, die davonrennen.

Einer von ihnen fällt getroffen zu Boden – den Beweis dafür liefern Aufnahmen, die aus einer anderen Perspektive aufge­nommen zeigen, wie die Soldaten auf den offen­sichtlich verletzten Teenager blicken. Man sieht, wie ein Uniformierter einen Gegenstand (Pflasterstein?) in Richtung des auf dem Boden Liegenden wirft, ein anderer fotogra­fiert den angeschos­senen «Täter» und die «Tatwaffe» (den neben ihm liegenden Stein) mit einem Handy. Der Rest der Truppe steht gelang­weilt herum, während das Opfer qualvoll verblutet.

Die von der BBC veröf­fent­lichten Filmaufnahmen belegen die brutale Ermordung des 14jährigen Jad Jadallah im November 2025. Als erste berichtete die bekannte Journalistin Amira Hass in der israe­li­schen Zeitung Haaretz über das Kriegsverbrechen. Die Täter folgten einem Muster, das mittler­weile hinlänglich bekannt und vielfach bezeugt ist.

So behaup­teten die IDF, die drei Jugendlichen seien für die 14 schwer bewaff­neten Soldaten in Vollmontur eine Bedrohung gewesen. «Beweis» ist der hinge­worfene Stein am Boden neben dem verblu­tenden Jad.

Das Filmmaterial straft auch die Behauptung der IDF Lügen, die Soldaten hätten den angeschos­senen Teenager medizi­nisch versorgt. Das Gegenteil war der Fall: Die israe­li­schen Mörder schauten dem Jungen nicht nur beim Verbluten zu, sie hinderten auch dessen Mutter und die von einem Nachbarn gerufene Ambulanz des Roten Halbmonds daran, ihm zu helfen.

Bis heute konnte die Familie ihren 14jährigen Sohn nicht einmal beerdigen, weil die israe­lische Armee dessen Leiche nicht herausgibt. Aus welchen Gründen auch immer…

Die Fakten liegen auf dem Tisch, was das israe­lische Terror-Regime nicht daran hindert, weiter zu töten – und die offen­sicht­lichen Kriegs- und anderen Verbrechen weiterhin zu leugnen und zu vertuschen.

Dies gelingt dank einer gut geölten Propaganda- und Überwachungsmaschinerie, die auch bei uns tat- und schlag­kräftig agiert und inter­ve­niert. Es ist kein Zufall, dass unsere Medien weder über Jads Ermordung berichtet haben, noch über den jüngsten Untersuchungsbericht zum Massaker an den 15 Sanitätern, die am 23. März 2025 in Gaza von israe­li­schen Soldaten exeku­tiert wurden.

Wie bei der Ermordung der 5jährigen Hind Rajab, konnte der Tathergang auch bei diesem Verbrechen mithilfe von Tonaufnahmen sowie der Untersuchung des Tatorts und der Getöteten weitgehend rekon­struiert werden – und wie in vielen anderen Fällen, zeigt sich auch hier ein Bild des Grauens und der standard­mäs­sigen Lügerei.

Davon jedoch kein Wort in unseren Medien. Lieber rappor­tieren die Journalist:innen namentlich in der Deutschschweiz und in Deutschland, ununter­brochen über eine wachsende Welle von Antisemitismus, der die Juden, Israel und letzt­endlich die westliche Kultur bedrohen würde. Da bleibt nur wenig Platz, um über die Realitäten in Gaza oder im Westjordanland zu berichten.

Wer es trotzdem tut, muss damit rechnen, umgehend von eifrigen Antisemitismus-Wächter:innen in den Senkel gestellt zu werden. Die Israel-Lobby verfügt hierzu­lande über ein äusserst aktives Netzwerk, dessen Mitglieder Redaktionen (und besonders die Chefetagen) laufend mit Drohungen eindecken. Leider mit einigem Erfolg.

So nahm etwa das Westschweizer Fernsehen RTS den weltweit viral gegan­genen Kommentar des Sportreporters Stefan Renna zum israe­li­schen Bob-Team umgehend von seiner Plattform, weil die Israel-Lobby dessen gut recher­chierte Bemerkung als antise­mi­tische Attacke diffa­mierte und umgehend mit einer Klage drohte. Immerhin stellte sich die Chefredaktion hinter ihren Sportredaktor und wies darauf hin, dass der beanstandete Kommentar fakten­ba­siert und keineswegs antise­mi­tisch sei.

So viel Rückgrat zeigen nicht alle, wie ein Artikel in der jüngsten WOZ-Ausgabe zeigt: Auf Druck des Präsidenten der Gesellschaft Schweiz-Israel GSI Walter L. Blum und von Jonathan Kreutner, dem Generalsekretär des Schweizerisch Israelitischen Gemeindebunds SIG, veran­lasste die zuständige Radio-Chefredaktorin im Januar 2025, dass ein Beitrag der Sendung «Kontext» zum Thema Gaza umgeschnitten wurde.

Kein Einzelfall, wie von Journalistinnen und Journalisten immer wieder zu vernehmen ist. Der Druck ist enorm, die Seilschaften der Israelfreund:innen sind mittler­weile in praktisch allen Redaktionen aktiv. Und wo die Journalist:innen nicht von selber spuren, wird interveniert.

Ein Vorgehen, das der Israelpropagandist Sacha Wigdorovits bereits vor 15 Jahren in seinem Strategiepapier «Israel und die Schweizer Medien» als wirksames Instrument propa­giert hatte. Heute erhält er nicht nur vom Geschäftsführer der SIG, der für seine scharfen Interventionen bekannt ist, tatkräftige Schützenhilfe. Wie ein Bericht über die «Aktivitäten der Gesellschaft Schweiz Israel seit dem 7. Oktober 2023» zeigt, sind deren Mitglieder – laut einer eigenen Auflistung – permanent am Einwirken auf Medienschaffende, wo immer sie Kritik an Israel wittern.

Dabei scheuen die Israel-Lobbyisten nicht vor flächen­deckender Diffamierung palästi­nen­si­scher Quellen und Medienschaffender zurück, die sie kurzerhand für unglaub­würdig erklären, weil «Hamas-gesteuert». Sie gehen sogar so weit, von Journalist:innen einzu­fordern, dass diese doch bitte­schön unhin­ter­fragt und einseitig die israe­lische Propaganda verbreiten sollen.

Wer das nicht tut, wird mit Beanstandungen, Beschwerden und Drohungen einge­deckt. Dabei fahren die Israel-Lobbyist:innen auch grobes Geschütz auf, wie zum Beispiel der Ombudsmann der TX-Medien anlässlich einer Veranstaltung zum Thema «Medienberichterstattung über Gaza» schilderte.

Dies dürfte mit ein Grund dafür sein, weshalb in unseren Medien palästi­nen­sische Stimmen, das Leiden und die Geschichten von Palästinenser:innen, viel weniger Raum erhalten und die israe­li­schen Selbstdarstellungen als Tatsachen hinge­nommen werden. Ein weiterer Grund sind die weitver­zweigten Seilschaften, welche die Israel-Lobby in den letzten Jahren laufend ausbaute, und die heute zumindest in der Deutschschweiz die Medienberichterstattung über den Nahen Osten dominieren. Auch in Bezug auf den aktuellen Angriffskrieg gegen den Iran.

Ein Blick hinter diese Kulissen lohnt sich. Wir wagen ihn und werden in den kommenden Wochen in loser Folge über die heimlichen Allianzen der Israel-Patriot:innen in unserem Land berichten.

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.