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Das Ende von Skype – das Ende einer Ära

Dumdudum–dudum-dumdudum-dudum… tönt es durch die Wohnung. Ein Klingelton, weder schrill noch beson­ders laut oder ori­gi­nell – und trotzdem von magi­scher Kraft. Wie oft hat mich ein Dumdudum – dum­dudum von meiner Sofalektüre, vom Kochherd oder sonst irgend­einer Tätigkeit weg­ge­scheucht. Wie oft habe ich alles stehen und lie­gen­ge­lassen und bin dem Dumdudum-dum­dudum gefolgt. Im Eilschritt zum Computer, um den Anruf ja nicht zu verpassen…

Skype hat mein Leben nicht nur berei­chert, son­dern buch­stäb­lich revo­lu­tio­niert. Unmöglich, die Anzahl Stunden zu ermit­teln, die ich in den letzten Jahren «auf Skype» ver­bracht habe und all die vir­tu­ellen Begegnungen und Besuche, Gespräche, Diskussionen, Interviews auf­zu­zählen, die mir Skype ermög­licht hat.

Dank Skype war Telefonieren plötz­lich «gratis», was vor allem bei Auslandgesprächen schnell ins Gewicht fällt. Doch Skype ist viel mehr als bloss kosten­gün­stig tele­fo­nieren, da man dank Computerkamera und Bildschirm das Gegenüber nicht nur hören, son­dern auch sehen kann. Das ver­än­derte die Kommunikation auf Distanz grundlegend.

Heute gehören – Smartphone sei dank – Videocalls per Whatsapp, Threema, Facetime und wie sie alle heissen nicht nur zum Alltag, sie sind zu einer wahren Seuche geworden. Egal ob beim Spazieren, im Bus oder in einem Laden – die vir­tuell zuge­schal­teten Begleiter:innen sind stets dabei, und zuweilen prä­senter als die reale Welt, in der sich die fern­kom­mu­ni­zie­rende Person bewegt.

Spätestens seit Corona gehören auch vir­tu­elle Sitzungen am Computer zum Courant nor­male. Mittlerweile hat man sich so sehr daran gewöhnt, dass wir uns eine Kommunikation ganz ohne Videocalls gar nicht mehr vor­stellen wollen. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass wir für den fern­münd­li­chen Austausch mit Interviewpartner:innen, Freund:innen und Verwandten zum Telefonhörer gegriffen haben. 

Ich erin­nere mich, als ob es gestern gewesen wäre, wie A. eines Tages von einem Dreh bei der Firma Skype nach­hause kam und von einem neuen, bahn­bre­chenden Tool schwärmte. Wir haben uns dann gleich nach dem Nachtessen vor unseren Bürocomputer gesetzt und das Programm run­ter­ge­laden, um es zu testen.

Doch skypen geht nur mit Leuten, die selber auch über ein Skype-Konto ver­fügen. Das waren damals noch nicht so viele. Also begannen wir auf gut Glück mit der Suche, gaben diesen und jenen Namen in der Suchfunktion ein und scrollten uns durch das Skype-Verzeichnis.

Eigentlich hatte ich meinen Nachnamen bloss zum Jux ein­ge­tippt, da ploppte unver­hofft der Eintrag meiner Eltern auf. Ich konnte es kaum glauben: Mein Vater – damals schon weit über 80 Jahre alt – war uns mit der Installation von Skype zuvorgekommen!

Das war nicht bloss ein Treffer, son­dern ein Volltreffer. Also nichts wie los und den ersten Versuch starten. Und siehe da: Schon nach kurzem Läuten blickte uns tat­säch­lich mein Vater aus dem Computer ent­gegen. Und lachte herz­haft über unsere Frage, wie um Himmelswillen er denn auf Skype gekommen sei… Seit Wochen schon, klärte er uns auf, würde er mit meinem Bruder und dessen Familie in Kanada nicht mehr tele­fo­nieren, son­dern skypen. Das sei nicht nur bil­liger, son­dern auch sehr viel schöner…

Das war unser Start ins Skype-Zeitalter. Bald schon traf auch ich mich öfter auf einen Computerschwatz mit meinem Bruder in Kanada. Ein Novum, tele­fo­niert hatten wir zuvor näm­lich höchst selten. Auch mit ver­schie­denen Freund:innen wie Jenny in London oder Susan in Denver tauschte ich mich fortan regel­mässig per Skype aus.

Und dann die Familientreffen: Immer mal wieder haben wir uns aus allen Himmelsrichtungen zu einem vir­tu­ellen Treffen zusam­men­ge­schaltet und so einen gemein­samen Abend (resp. Morgen, für jene in Kanada und den USA) am Computer ver­bracht. Oder das wohl­be­kannte Dumdudum–dudum-dumdudum-dudum ertönte, wenn wir gemüt­lich mit meinen Eltern am Tisch sassen. Das war dann das Zeichen für alle Anwesenden, den gemüt­li­chen Platz am Tisch mit einem Stehplatz vor dem Computer zu ver­tau­schen, auf dass die aus der Ferne zuge­schal­teten auch dabei sein konnten.

Irgendeinmal ent­deckte ich dann Skype auch für meine Arbeit. Zum einen, weil es durchaus ange­nehm ist, beson­ders bei län­geren Interviews, sein Gegenüber im Auge zu behalten. Vor allem aber, weil das Aufnehmen von Gesprächen mit Skype wesent­lich ein­fa­cher war als beim Telefonieren.

Die weitaus wich­tigste Rolle in meinem Leben hat Skype aber wäh­rend Corona gespielt. In einer Zeit, da wir unseren Vater nicht besu­chen durften, konnten wir uns trotzdem täg­lich sehen. Jeden Abend haben wir uns damals nicht nur gespro­chen, son­dern für ein paar Momente getroffen. Wenn auch bloss vir­tuell, waren es beson­ders kost­bare Momente. Die ein­zigen, die uns blieben.

Damals hat mein Vater sich mit Erfolg dafür ein­ge­setzt, dass die Leitung auch den anderen Bewohnerinnen und Bewohnern das Skypen mit ihren Liebsten ermög­lichte. Weil er aus eigener Erfahrung wusste, wie wichtig es für die von der Aussenwelt abge­schirmten, ein­ge­sperrten Menschen war, wenig­stens auf diesem Weg mit ihren Familien in Kontakt zu bleiben.

Auf Skype hat denn auch unser letztes Familientreffen statt­ge­funden. Ende Mai 2020 planten meine Schwester, unser Vater und ich gemeinsam unser erstes Wiedersehen nach Corona «im rich­tigen Leben». 23 Minuten und 23 Sekunden dau­erte unser Gespräch, wie dem Skype-Archiv zu ent­nehmen ist. Ich erin­nere mich, wie wir alles bespro­chen und geplant, und uns dann voller Vorfreude ver­ab­schiedet haben. Zwei Stunden später war er tot.

Seither ertönt das Dumdudum–dudum-dumdudum-dudum bei mir nicht mehr so oft wie einst. Und bald wird es gänz­lich ver­stummen: Der Microsoftkonzern, der Skype 2011 gekauft hat, kün­digt schon seit Wochen dessen Ende an: «Ab Anfang Mai ist Skype nicht mehr ver­fügbar», lautet die Mitteilung auf der Startseite, gepaart mit der Aufforderung: «Setzen Sie ihre Anrufe und Chats in Teams fort.»

Damit geht eine Aera zu Ende. Auch wenn die Errungenschaften der Videocalls und Online-Telefonie erhalten bleiben und sich weiter ent­wickeln werden: Skype ist und bleibt für mich ein ganz beson­deres Tool. Das Dumdudum–dudum-dumdudum-dudum wird mir fehlen.

Klimawandel – keine Priorität für die SNB

Freitagmorgen, 25. April. Reise nach Bern, wo die Schweizerische Nationalbank SNB im Kursaal ihre Generalversammlung abhält. Wir gehören zu einer Gruppe von Aktionärinnen und Aktionären, die sich dafür ein­setzt, dass die Nationalbank bei ihrer Anlagepolitik den Schutz von Klima und Biodiversität mit­be­rück­sich­tigt. Konkret: Die SNB soll keine Aktien und Anleihen von Firmen in ihrem Portfolio halten, deren Geschäfte nach­weis­lich die Umwelt schädigen.

Angesichts von Klimaerhitzung und Biodiversitätsverlust eine wich­tige, drin­gende Forderung, die wir anläss­lich der GV erneut vor­bringen wollen. Eine Diskussion über das Thema hat die Spitze der SNB aber bereits im Vorfeld abge­schmet­tert: Wie schon im Vorjahr, wei­gerten sich Bankrat und Direktorium, die von über hun­dert Aktionärinnen und Aktionären unter­zeich­neten Anträge zu trak­tan­dieren, welche die Berücksichtigung von Klima- und Umweltkriterien in der Anlagepolitik der SNB fordern. 

Nach wie vor behauptet die SNB-Führung steif und fest, dass ihr gesetz­li­cher Auftrag PREISSTABILITÄT! heisse, und nichts anderes als PREISSTABILITÄT! Ein Begriff, der von Vertreter:innen des Bankrats und des Direktoriums an der Generalversammlung gleich dut­zend­fach wie­der­holt wird. Klimafragen, so die SNB-Spitze, hätten nichts mit der Erfüllung dieses Auftrags zu tun.

Wir erfahren vom SNB-Podium, dass man dort allen Ernstes glaubt, die Schweizer PREISSTABILITÄT! auch bei zuneh­menden Naturkatastrophen wie ein Fels in der Braundung erhalten zu können – durch Wegschauen und Nichtstun.

Weiter wie bisher
Man aner­kennt zwar, dass der Klimawandel ein wich­tiges Problem sei und ange­gangen werden müsse, ver­steckt sich aber gleich­zeitig hinter der Behauptung, dass der Hebel zur Umsetzung von Umweltanliegen anderswo grösser sei als bei der Nationalbank. 

Was dabei unter den Tisch gekehrt wird: Mit ihren Investitionen etwa in Gas- und Oel-Konzerne wie Exxon Mobil oder TotalEnergies* trägt die Nationalbank direkt zur wei­teren Klimaerhitzung bei. Mehr noch: Laut Recherchen der Klima-Allianz ent­hält das Portfolio der SNB etliche Grosskonzerne, die mit fos­siler Energie Gewinne erzielen und/​oder nach­weis­lich in Menschenrechtsverletzungen und Umweltskandale ver­wickelt sind.

Solche Investitionen stehen in krassem Widerspruch zu den eigenen Anlagerichtlinien der SNB, die ver­langen: «Die SNB erwirbt keine Aktien oder Anleihen von Unternehmen, die in die Produktion inter­na­tional geäch­teter Waffen invol­viert sind, grund­le­gende Menschenrechte massiv ver­letzten oder syste­ma­tisch gra­vie­rende Umweltschäden verursachen.»

Ob und wie die SNB diese Richtlinien umsetzt und deren Einhaltung kon­trol­liert, bleibt geheim. Nicht einmal an der Generalversammlung will man dies­be­züg­liche Fragen der eigenen Aktionär:innen beant­worten. Damit alles nach Programm und wie am SNB-Schnürchen abläuft, ist das Abwehr- und Sicherheitsdispositiv im und um den Kursaal herum gewaltig – und gewaltbereit.

Machtdemonstration GV
Das bekommen wir schon vor der eigent­li­chen Veranstaltung zu spüren: Auf öffent­li­chem Boden vor dem Kursaal werden wir 30 aus der ganzen Schweiz ange­rei­sten Klima-Aktionär:innen von Polizeikräften auf das gegen­über­lie­gende Trottoir ver­trieben. Statt unter dem schüt­zenden Kursaal-Vordach, stehen wir wäh­rend unserer kurzen fried­li­chen Kundgebung buch­stäb­lich im Regen.

Der Zutritt zur GV ist streng bewacht: Sicherheitskontrolle mit Durchleuchtung von Handtasche und Gang durch den Detektorbogen. Sobald das geschafft ist, lässt man sich, gegen Vorweisen von ID und Zutrittskarte, an einem Desk das Stimmgerät aushändigen.

Geschafft! Zur Stärkung gibt’s Kaffee und Gebäck auf dem Weg in den Saal. Dort ange­kommen, ein­schreiben als Rednerin – der Platz wird mir von einer Security-Frau zuge­wiesen. Sie achtet streng darauf, dass all jene, die sich für ein Votum wäh­rend der GV anmelden, sich auch in den für die Redner:innen vor­ge­se­henen Sektor setzen. Rundherum fin­ster schau­endes Sicherheitspersonal, breit­beinig und mit Knopfhörer im Ohr.

Um 10.10 Uhr – mit zehn Minuten Verspätung, eröffnet dann Bankrats-Präsidentin Barbara Janom Steiner die 117. Generalversammlung der Schweizerischen Nationalbank.

Auf räto­ro­ma­nisch eine kurze Begrüssung aller Anwesenden – danach ein spe­zi­elles Willkommen auf deutsch an die Vertreter:innen von Bankrat und Direktorium, die auf dem Podium sitzen. Dann zählt die Präsidentin ihre Bankrats-Kolleg:innen im Saal nament­lich auf, freut sich über die «zahl­reich anwe­senden Finanzdirektor:innen der Kantone», begrüsst die Vertreter:innen vom Bund, die ehe­ma­ligen Bankratsmitglieder, die regio­nalen Beiräte der SNB sowie die Stimmrechtsvertreterin, den Revisor von KPMG und zwei Schulklassen aus Thun und Brig, die der GV als Gäste beiwohnen.

Ich höre und warte – warte ver­ge­bens: Eine spe­zi­elle Erwähnung der 368 im Saal anwe­senden Aktionärinnen und Aktionäre bleibt aus. Die Botschaft ist klar und unmiss­ver­ständ­lich: Ich bin hier nur geduldet, und hätte eigent­lich zuhause bleiben können. Frau Janom Steiner geht es in erster Linie um das insti­tu­tio­nelle Aktionariat, das dem Bankrat und dem Direktorium später in cor­pore und ohne lästige Rückfragen mit fast 100 Prozent Zustimmung die Entlastung erteilen wird. Wir, die pri­vaten Aktionär:innen sind bloss Publikum und für die SNB ganz offen­sicht­lich eine Quantité négligeable.

So nimmt die GV ihren Lauf. Bankratspräsidentin Barbara Janom führt als eiserne Lady und Showmasterin durch den Vormittag. Das offen dekla­rierte Ziel: Die sta­tua­ri­schen Geschäfte sollen schlank und stö­rungs­frei abge­wickelt werden, damit man um 13 Uhr zum Stehbuffet schreiten kann.

In ihrer Präsidialrede kommt sie kurz auf unsere abge­schmet­terten Anträge zu spre­chen und wie­der­holt noch einmal ihre durchaus anfecht­bare Begründung, wes­halb man die Traktanden nicht zuge­lassen habe. Anschliessend erklärt SNB-Direktor Martin Schlegel in seiner Ansprache, wes­halb die Anlagepolitik der SNB auf PREISSTABILITÄT! fokus­siere und fokus­sieren müsse, und wes­halb das Klima dabei nicht berück­sich­tigt werden könne.

Verletzt die SNB ihre eigenen Vorgaben?
Allerdings ver­kündet der gleiche Dr. Martin Schlegel im Lauf der GV dann auch: «Die SNB hat eine Ausschlusspolitik von Aktien. Wir basieren uns auf all­ge­mein aner­kannte Werte und Normen der Schweiz. Und wir halten keine Anteile von Unternehmen, die eben diese Werte ver­letzen. Die Werte sind: Die Verletzung von grund­le­genden Menschenrechten, oder auch Firmen, die syste­ma­tisch gra­vie­rende Umweltschäden ver­ur­sa­chen; Firmen, die inter­na­tional geäch­tete Waffen her­stellen oder auch Förderer von ther­mi­scher Kohle.»

Bekanntlich hat die SNB in ihrem Portfolio aber Aktien von Konzernen, die diesen Kriterien nicht stand­halten, weil sie tat­säch­lich gra­vie­rende Umweltschäden ver­ur­sa­chen und Menschenrechte ver­letzen, indem sie Erdöl för­dern oder am Kahlschlag der Amazonaswälder betei­ligt sind. Da stellt sich die Frage: Kennt der Bank-Chef sein Portfolio nicht, oder nimmt er es mit der Wahrheit nicht so genau? Darauf gibt die Generalversammlung keine Antwort.

Wie sehr so eine GV eine pseudo-demo­kra­ti­sche Veranstaltung ist, wird ins­be­son­dere auch bei den Abstimmungen deut­lich: Ob die Genehmigung des Finanzberichts, die Festsetzung der Dividende oder die Entlastung des Bankrats: Praktisch alle Geschäfte erhalten eine Zustimmung von über 95 Prozent.

Diskussion findet keine statt. Die Voten der Aktionär:innen sind auf drei Minuten beschränkt und werden nicht ein­zeln beant­wortet. Launig kom­men­tiert Janom Steiner die eine oder andere Aussage: Man nehme dies zur Kenntnis, könne jenes leider nicht ändern, man würde ja gerne, aber, aber, aber…

Die zahl­rei­chen Wortmeldungen mit Bezug auf Klima und Biodiversität werden zum Schluss pau­schal von SNB-Direktor Schlegel erle­digt, mit einer offen­sicht­lich vor­be­rei­teten, vom Teleprompter abge­le­senen Antwort. Wenig über­ra­schend fasst er dabei noch einmal zusammen, wes­halb sich die SNB in ihrer Anlagepolitik keine Umweltkriterien auf­er­legen will und betont erneut, dass das gesetz­liche Mandat der SNB die Gewährleistung der PREISSTABILITÄT! sei, und dass dies der aus­schliess­liche Beitrag der SNB an eine nach­hal­tige Entwicklung sein könne.

Auf ver­schie­dene kon­krete Punkte geht Schlegel nicht ein, so auch nicht auf meine Frage betref­fend die man­gelnde Transparenz der SNB-Berichterstattung in Bezug auf Umwelt und Biodiversität, womit sie meines Erachtens gegen inter­na­tio­nale Verträge verstösst.

Das Angebot
Doch völlig uner­wartet, lässt der Nationalbankdirektor zum Schluss dann doch noch eine kleine Katz aus dem Sack: Er betont, die SNB würde ihr «Aktienuniversum von meh­reren 1000 Aktien» nach bestem Wissen und Gewissen dahin­ge­hend prüfen, dass es den in den SNB-Richtlinien auf­ge­führten Anforderungen ent­spreche und schliesst seine Ausführungen mit den Worten: «Wir sind aller­dings auch offen für Anregungen. – Wenn Sie Firmen wissen, von denen Sie denken, sie sollten nicht bei uns im Anlageuniversum sein, dann können Sie sich gerne an uns richten, und wir werden das gerne natür­lich auch prüfen.»

Dann ist Schluss. Wir ver­lassen den Saal unter Beobachtung und Begleitung von zahl­rei­chen Bodyguards mit Knopfhörer im Ohr. Die bren­nende Frage im Gespräch mit unseren Mitaktionär:innen im Foyer: Wie gross ist die Offenheit für Anregungen tat­säch­lich? Und wird die SNB solche Prüfungsergebnisse 2026 (oder schon vorher) veröffentlichen?

Die Skepsis bleibt gross. Die Erkenntnis aus der heu­tigen GV: Die ein­zige Sprache, die Bankratspräsidentin Janom Steiner und ihre Leute ver­stehen, ist die juri­sti­sche. Wenn es nicht anders geht, muss die SNB auf diesem Weg dazu gebracht werden, sich an ihre Verpflichtungen zu halten.


*Der Energiekonzern TotalEnergies rühmt sich auf seiner Website, seine CO2-Emissionen bis 2050 auf NettoNull zu redu­zieren – und fei­erte am 21. April die Eröffnung eines neuen Offshore-Oelfelds in den USA:

IM PORTFOLIO DER SNB:


Eine Zusammenfassung der Klima-Voten an der SNB-GV 2025:


Mein Votum an der GV, betref­fend feh­lende Transparenz und Auskunftsverweigerung:


Nach voll­brachter GV – vor dem Stehlunch: Streng bewacht posiert die SNB-Crew fürs Familienalbum…

Wer hat Angst vor Pazifist:innen?

Gerade in der heu­tigen Zeit, wo Meldungen über Kriegsgräuel und Aufrüstungs-Debatten die Schlagzeilen in unseren Medien domi­nieren, hätte man sich gewünscht, dass wenig­stens anläss­lich der Berichterstattung rund um die tra­di­tio­nellen Ostermärsche über Alternativen zur aktu­ellen Politik und Frieden berichtet würde.

Doch weit gefehlt! Die mehr als 2000 Menschen, die anläss­lich des Ostermarschs in Bern und dem Bodensee-Friedensweg in Bregenz am Ostermontag für «Friedensfähig statt kriegs­tüchtig» plä­dierten, waren den mei­sten Medien keine Zeile wert. Dies, obschon in Bern mit Swisspeace-Direktor Laurent Goetschel eine wich­tige Stimme der Schweizer Friedensforschung zu den Rednern zählte.

In Bregenz zeigte die aus Wien ange­reiste Klimapionierin Helga Kromp-Kolb in ihrem ein­drück­li­chen Referat auf, wie eng die fort­schrei­tende Klimakatastrophe mit Krieg und Aufrüstung ver­knüpft ist – und welche Lösungsansätze drin­gend not­wendig sind, um diese töd­liche Eskalationsspirale zu stoppen.

Die Organisator:innen des Bodensee-Friedenswegs hatten ein viel­sei­tiges Programm auf die Beine gestellt, das die Zusammenhänge zwi­schen Aufrüstung, Kriegstreiberei, Klimaerhitzung und Ressourcenverschwendung vor Augen führte. Interdisziplinäres Denken und Wissen, die es kaum je in unsere Mainstream-Medien schaffen.

Diese ver­zich­teten denn auch weit­ge­hend auf eine Berichterstattung über den Anlass*. Stattdessen miss­brauchte der Moderator der SRF-Tagesschau das Bild einer Osterdemo und den aktu­ellen pazi­fi­sti­schen Slogan «Friedensfähig statt kriegs­tüchtig» als Hintergrund für die Anmoderation eines Berichts über eine Promo-Veranstaltung der deut­schen Bundeswehr. 

Und in den TA-Medien im Raum Bern erhielt Ex-GSoA-Vorstandsmitglied und Vor-vielen-Jahren-einmal-Pazifist Peter Sigerist eine fast ganz­sei­tige Plattform, um zu erklären, warum er sich von der Friedensbewegung abge­setzt hat.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich der pen­sio­nierte Gewerkschaftssekretär und ein­stige Mitbegründer des Grünen Bündnis Bern medial mit seinem Gesinnungswandel brü­stet und sich her­ab­las­send über sein frü­heres Umfeld äus­sert, das sich wei­terhin für Frieden und Abrüstung engagiert.

Sigerist, der für das Pressebild vor der ukrai­ni­schen Botschaft posierte, macht sich für die Aufrüstung der Schweizer Armee «im Bereich von Drohnen, Fliegerabwehr und Cyberkrieg» stark, wohin­gegen schwere Waffen in die Ukraine zu lie­fern seien, «dorthin, wo die Demokratie ver­tei­digt wird.» – Heuchlerischer geht es nimmer. Im Klartext heisst das näm­lich nichts anderes, als dass die ukrai­ni­schen Soldaten und die dor­tige Zivilbevölkerung wei­terhin als Kanonenfutter zur Verteidigung «unserer» Demokratie geop­fert werden sollen…

Damit nicht genug. «Die regel­ba­sierte Weltordnung fällt aus­ein­ander», stellt Sigerist im Interview weiter fest und fol­gert daraus, dass der von der UNO ver­ab­schie­dete Atomwaffenverbotsvertrag Makulatur sei. Das Engagement für die von der SP, den Grünen und einer breiten Koalition wei­terer Organisationen lan­cierten die Atomwaffenverbotsinitiative, die den Bundesrat zur Unterzeichnung des Atomwaffenverbotsvertrags ver­pflichten will, bezeichnet er denn auch als «ver­geb­liche Liebesmüh».

Es ist absolut unver­ständ­lich und ärger­lich, dass Sigerist seine Thesen unwi­der­spro­chen und ohne Nachfrage von Seiten des Journalisten medial ver­breiten kann. Ihn mit der Frage zu kon­fron­tieren, wie denn seiner Meinung nach ein Atomkrieg zu ver­hin­dern ist, wäre ange­sichts der aktu­ellen Situation jour­na­li­sti­sche Pflicht gewesen.

Fakt ist näm­lich: Gerade weil die Weltordnung aus­ein­an­der­zu­fallen droht, braucht es die Stärkung der UNO und inter­na­tio­naler Vertragswerke. Das ist heute nicht anders als es in den 1950er Jahren war, als sich Wissenschaftler:innen und Friedenspolitiker:innen welt­weit der Aufrüstungsspirale wider­setzten. Dieser Widerstand ist heute genauso nötig und gerecht­fer­tigt wie damals.

Die gute Nachricht: Diesen Widerstand gibt es, genauso wie viel­fäl­tige Ansätze für einen gewalt­freien Umgang mit Konflikten. Diese Stimmen werden aber von den Mainstream-Medien sowie vielen Politiker:innen nicht ernst genommen. Statt dass man ihnen das not­wen­dige Gehör ver­schafft, werden sie unter­drückt – und lächer­lich gemacht.

So auch in der mageren Berichterstattung über die gest­rige Demo in Bern, die sich darin gefällt, die Friedensbewegung erneut zu dis­qua­li­fi­zieren und Teilnehmerinnen am Ostermarsch mit Suggestivfragen dazu zu bringen, sich selber der Naivität bezich­tigen. «Dann bin ich halt naiv, doch ich kann nicht auf­hören, mich für den Frieden ein­zu­setzen», wird etwa eine Teilnehmerin vom Berner Ostermarsch in Bund und BZ zitiert.

Vielleicht ist ja gerade das Gegenteil der Fall? Genauso gut – oder viel­leicht sogar noch zutref­fender — könnte man näm­lich all jene fragen, die jetzt wieder nach Kriegstüchtigkeit, Aufrüstung und nuklearer Abschreckung rufen, ob ihr Kalkül nicht auf fal­schen Hoffnungen beruht und es nicht naiv sei, sich davon mehr Sicherheit zu versprechen.

Fakt ist, dass wir uns die aktuell ange­sagte Aufrüstung und das end­lose Weiterkriegen gar nicht lei­sten können. Weder finan­ziell noch öko­lo­gisch. Wir brau­chen andere Wege, um unsere Probleme und Konflikte zu lösen. Auch die gegen­wär­tigen Freundinnen und Freunde der Aufrüstung werden auf­stöhnen , wenn es ihnen, ange­sichts der neuen, irr­sin­nigen Militärausgaben, schon bald ans eigene Portemonnaie geht. Erfahrungsgemäss liegt dieses näm­lich den mei­sten näher, als «Demokratieverteidigung», weit weg vom eigenen Gärtli.

*Eine Ausnahme gibt es: Auf Infosperber hat Hans Steiger, ehe­ma­liger Zürcher SP-Kantonsrat und bis heute über­zeugter Friedensaktivist, einen ebenso inspi­rie­renden wie infor­ma­tiven Essay geschrieben, über «Ostermanifestationen für den Frieden: Eine poli­ti­sche Tradition in schwie­riger Zeit»:

Gegen den unguten Zeitgeist

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